REGAL widmet sich den Mitarbeitern im Handel. Und solchen, die es werden wollen

Das große Suchen …

  • Rewe und Spar beschäftigen gemeinsam über 87.000 Personen
  • Die großen Herausforderungen: Feinkost und IT

Die Arbeitslosenquote befindet sich aktuell im Sinkflug. War sie im Jänner noch bei neun Prozent, so betrug sie im April 2019 geschätzt 7,3 Prozent. (Quelle: AMS) In ganzen Zahlen: 296.275 Personen sind ohne Beschäftigung. Demgegenüber stehen jedoch 80.288 offene Stellen. Ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Das ist ein bisher noch nie dagewesener Rekordwert. Mehr als 80.000 offene Stellen gab es in Österreich beim AMS noch nie“, sagt Vorstandsmitglied Dr. Johannes Kopf, LL.M.
Der größte Arbeitgeber im Einzelhandel ist der Handel mit Lebensmitteln. Ein Blick auf die WKO-Statistik zeigt: 143.530 Personen waren hier 2018 beschäftigt. Rund 109.500 von ihnen sind Angestellte, über drei Viertel davon sind Frauen. Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie weist 29.425 unselbstständige Beschäftigte auf. Hinzu kommen noch die Fachverbände Lebensmittelgewerbe, Bäcker, Fleischer & Co. Zur Orientierung: Die Sparte Handel insgesamt beschäftigte zuletzt knapp 550.000 Personen.
Die Top 2 Arbeitgeber im LEH sind Rewe und Spar. Die Tanne beschäftigte im letzten Jahr 42.400 Mitarbeiter (inkl. SES und Hervis). Hinzu kommen 2.300 Lehrlinge. Die Rewe kommuniziert 42.409 Mitarbeiter und rund 1.700 Lehrlinge.

Spar. In den Spar-Formaten (ohne Hervis und SES) sind es 44.700 Mitarbeiter, davon 8.500 bei Interspar. „Die größten Probleme gibt es aktuell in der Logistik – sowohl LKW-Fahrer als auch Großhandelsmitarbeitende werden gesucht – und im Markt selbst. Besonders für die Feinkostabteilungen suchen wir Mitarbeiter“, sagt Spar-Unternehmenssprecherin Mag. Nicole Berkmann. Weitere Dauerbrenner: IT und Lehrlinge. „Letztere sind vor allem in den Bundesländern ein Thema, in Wien hat die Spar Akademie einen so guten Ruf, dass wir aus vielen Bewerbungen die besten aussuchen können.“ Auch die selbstständigen Kaufleute spielen im Personal-Karussell mit. „Es ist zu einem Wettbewerbsfaktor geworden, einen guten Mitarbeiter zu haben“, sagt KR Johannes Jetschgo, der einen Spar in Sarleinsbach betreibt und in der Wirtschaftskammer Oberösterreich vertreten ist. Auf der anderen Seite würden Personalkosten einer der wenigen Hebel sein, die man als Selbstständiger noch betätigen kann. „Deckungsbeiträge und Spannen sind begrenzt.“

Die Rewe überarbeitete zuletzt ihre Strukturen in der Personalabteilung, gründete eine eigene Strategieabteilung und ein eigenes zentrales Recruiting Center. „Wir bündeln unsere Stärken, um so noch besser auf die individuellen Bedürfnisse des operativen Geschäfts reagieren zu können. Und um in Top-Qualität bei der Personalsuche zu entlasten“, erklärt Vorstand Mag. Christoph Matschke den Schritt. 2018 gingen 140.000 Bewerbungen ein. Dem gegenüber stehen allerdings nur 3.000 offene Stellen. An Quantität mangelt es demnach nicht primär.

Billa mit knapp 20.000 Arbeitsplätzen. „Wir suchen über alle Bereiche hinweg. Speziell im Bereich Verkauf, Logistik, IT sowie Controlling und Einkauf“, sagt Rewe Pressesprecher Mag. Paul Pöttschacher. Beschäftigungskaiser ist Billa mit der größten Standorte- und Mitarbeiteranzahl. 19.850 Personen sind beschäftigt. Es folgen Merkur mit 10.050 und Bipa mit 4.060. Penny ist Arbeitgeber von 2.770 Personen. Bei Adeg sind es 690 Mitarbeiter. (Quelle: Rewe, Stand 4/2019)

Problemfelder. Die größte Herausforderung gibt es im Bereich IT-Fachkräfte. Ein Schritt zur Verbesserung war die Ansiedelung der Rewe in Wien, wo inzwischen 370 Spezialisten beschäftigt sind. Im Verkauf sind besonders Feinkost-Mitarbeiter, Fleischer und, bei Bipa, Visagisten schwer zu finden.

Dm. Denn nicht nur im Lebensmittelhandel, auch im Drogerie-Fachhandel sind gute Mitarbeiter gefragt – und keine Selbstverständlichkeit. „Wie in den meisten Branchen, sehen wir auch bei uns quer durch die Berufe und Bereiche eine größer werdende Herausforderung, die richtigen Menschen zu finden. Unterschiede bestehen weniger zwischen den Berufen und Bereichen als zwischen städtischen und ländlichen Regionen“, sagt Geschäftsführerin Mag. Petra Mathi-Kogelnik, verantwortlich für das Resort Mitarbeiter. Dm beschäftigt mehr als 6.700 Mitarbeiter (inkl. 800 Lehrlinge) in Österreich. Über 20 Mal mehr Bewerbungen als ausgeschriebene Positionen treffen bei dm ein. „Im aktuellen Geschäftsjahr, seit Oktober 2018, waren es über 20.000 bei rund 900 offenen Festanstellungen und Lehrstellen.“

Lidl. Ein weiterer LEH-Player im Kampf um die besten Leute am Arbeitsmarkt ist Diskonter Lidl. In Österreich beschäftigt er mehr als 5.000 Mitarbeiter, davon über 90 Lehrlinge. In der Kategorie ab 500 Mitarbeiter landete Lidl zuletzt auf Platz eins beim Bewerb „Great Place to work“ und darf sich damit zu den besten Arbeitgebern Österreichs zählen. „Das spiegelt sich auch bei der Anzahl der Bewerbungen wider. Wir merken hier eine deutliche Zunahme. Besonders viele Bewerbungen erhalten wir für den Osten Österreichs aus dem Raum Wien“, sagt Kathrin Mohr, Abteilungsleiterin Recruiting bei Lidl.

Fachbereiche sorgen dennoch für Herausforderungen. „Beispielsweise Finanzen und IT. Hier ist der Wettbewerb besonders groß. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleiben und uns Schritt für Schritt weiterentwickeln“, so Mohr zu REGAL.

Kastner. Auch ein Blick in den Großhandel lohnt sich. Das Handelshaus Kastner zählte Mitte Mai 924 Mitarbeiter und 39 Lehrlinge. „Heuer gab es bis dato 28 offene Stellen und 2.107 Bewerbungen“, sagt Christina Draxler, MA, Leitung Personalmanagement. Die Analyse der HR-Expertin fällt klar aus: „Eine Veränderung ist in allen Bereichen deutlich spürbar – die Anzahl der Bewerbungen bleibt stabil, aber die Anzahl an passenden Bewerbungen nimmt deutlich ab.“

Suchen dauern länger. Die Folge: Es dauert immer länger, Positionen schnell und vor allem nachhaltig zu besetzen. Nicht nur für die Nah&Frisch-Filialen wird es zunehmen schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden. Starke Expansionspläne lassen Kastner auch im Lagerbereich auf Suche gehen. „Hier haben wir die größten Probleme, Personen aus der Region zu finden.“ Aber auch junge Führungskräfte mit akademischem Hintergrund für den Verwaltungsbereich seien schwierig zu bekommen. „Zum einen liegt dies mit Sicherheit dran, dass viele in Ballungsräume abwandern und zum anderen, dass der Handel oft nicht als sehr attraktiv gesehen wird. Wobei ich aus Erfahrung sagen kann, dass er das absolut ist – diese Erfahrung muss man aber gemacht haben, um diese Meinung zu haben“, ist Draxler überzeugt.

Verena Widl