Zielpunkt: Wie geht’s weiter, was passiert nun?

  • Filetstücke in Wien, 64 Prozent in Wien übernommen
  • Knüller am Rennbahnweg, Alser Straße, Draschestraße. 26 an Spar, acht an Etsan
  • Hofer übernimmt erstmals ein Paket, Singerstraße an denn’s

Auftakt zur letzten Szene bei Zielpunkt. Rewe möchte 24 Märkte von Zielpunkt übernehmen. So viel steht fest. Penny wird zum Zug kommen, auch Billa und Bipa (4). Dm will sieben Märkte.

Hofer übernimmt 11 Filialen, und das ist eine kleine Sensation. Denn erstmals in seiner Geschichte übernimmt Hofer ein Filial-Paket, vermutlich vor allem in Wien. Bisher beschränkte man sich auf Eigenexpansion. Auch bei „Konsum“ bot Hofer nicht mit. Da und dort könnte es auch zu Standort-Abtauschen mit Aufgabe einer bisherigen Filiale kommen. In Summer prüfte die BWB 96 Standorte.

1,9 Mille im Schnitt. Im Schnitt erreichte ein Zielpunkt zuletzt 1,9 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Besonders begehrt bei Interessenten waren Zielpunkt-Märkte von zwei Millionen Euro Umsatz und – natürlich – darüber. Für Diskonter war die Durchschnittsgröße von 560 m2 oft ein Hindernis, allerdings gibt es auch größere Filialen oder Geschäfte mit Grundstücken, wo man ausbauen kann.

Die besten Märkte. Einer der großen Zielpunkt-Knüller steht am Rennbahnweg 38 in Wien Donaustadt. Ein Filetstück. Diese ursprünglich 1998 eröffnete Filiale wurde im Sommer 2014 mit größerem finanziellem Aufwand komplett modernisiert und gilt als absoluter Top-Markt, steht direkt neben der U-Bahn Station und hat auch einen relativ großen Tiefgang. Möglicherweise ist hier Hofer eingestiegen.

Zu den Zugpferden zählt auch der Markt in der Alser Straße in Wien 9, einer ehemaligen Niedermayer-Filiale, die Pfeiffer erst im Juli 2015 als komplett neuen Zielpunkt eröffnet hat. Ein guter Markt steht auch in der Draschestraße in Wien-Liesing. Dieser Standort sei nach einer Modernisierung um kolportierte 60 Prozent hinauf gegangen, heißt es.
Wirklich gut angelaufen ist auch der neueste Zielpunkt in Wr. Neudorf, der ja mit neuem Ladenbau auch den Weg in die Zukunft gezeigt hat. Aber auch die Geiselbergstraße (Wien 11) wurde genannt.

Triple-Schlag in 1150 Wien. Wie REGAL aus örtlichen Kreisen erfuhr, bleiben Gerüchten zufolge alle drei in der Sechshauser Straße ansässigen Zielpunkt-Märkte dem Lebensmittelsektor erhalten. Der Standort nahe des Gürtels (Nr. 3) werde zu einem Spar umgebaut. Nicht einmal 500 Meter weiter soll ein Hofer in das bald leere Geschäftslokal ziehen. Der fast gegenüberliegende bestehende Hofer-Markt soll geschlossen werden. Und in der Sechshauser Straße 88 dürfte Billa (Rewe) zum Zug kommen.

Kaufleute. Für Kaufleute sei die Übernahme von Ladenbauelementen der Zielpunkt-Standorte schwierig, meint Karl Feurhuber, ­Vizepräsident der Spar. „Nur in Ausnahmefällen interessieren sich Kaufleute an Zielpunkt. Das Problem ist die Kompatibilität mit den bestehenden, gängigen Einheiten des bestehenden Vertriebspartners.“

Interessenten. Naturgemäß, betrifft grundsätzlich alle Händler, die anmelden, muss auch mit den Vermietern eine Einigung gefunden werden. Das läuft parallel zur BWB. Diese muss zustimmen, dann muss noch eine Einigung mit den Vermietern stehen und das Insolvenzgericht muss auch seinen Stempel drunter setzen. Die aktuelle Filial-Anzahl der BWB kann aufgrund von Mieter-Gesprächen oder den Auflagen noch leicht nach unten gehen. 8 Standorte hat die BWB nicht genehmigt. Mit Umgestaltungen der Märkte auf andere Konzepte wird im Laufe des ersten Halbjahres gerechnet. 88 ­Märkte gehen an Ketten, davon 23 mit Auflagen. Auch Lidl bekommt zwei Märkte, der türkische Etsan acht, Fressnapf (2) und Libro (1).

Denn’s. Eine kleinere Rolle im Karussell um die Neuordnung von Zielpunkt spielt Dennree, ein deutscher Großhändler mit rund 200 Bio-Märkten in Deutschland und 21 in Österreich, die unter denn’s erfolgreich laufen. Sieben Zielpunkt-Märkte in Wien und Graz wandern in das Reich der Bio-Spezialisten, da man sich auf Ballungszentren konzentrieren möchte. Gerüchten zufolge soll einer der beiden Zielpunkts in der Wiener Inneren Stadt (Singerstraße) zu denn’s werden. Grazer Handelskreise vermuten, dass sechs denn’s Märkte in Wien seien und einer in Graz. Wie auch immer. Für denn’s jedenfalls wäre das ein riesiger Expansions-Schritt.

Handel springt auf. Es gehe bei der Verwertung der 229 Zielpunkt auch um den Erhalt vieler Arbeitsplätze. Und da ist Masseverwalter Dr. Georg Freimüller (54), einem auf Handels- und Insolvenzrecht spezialisierten Rechtsanwalt, aktiv geworden. Unter guter Berücksichtigung der Marktlage soll er in Sondierungen und Gesprächen mit dem Handel und der Bundeswettbewerbsbehörde versucht haben, möglichst große Pakete zu schnüren.
Doch dabei hat auch Pfeiffer mit seinen rund 70 erworbenen Zielpunkt-Immobilien ein Wörtchen mitgesprochen. Kauf- und Mietinteressen wurden an Pfeiffer herangetragen. Freimüller hat Pfeiffer 27 Standorte als Nachmieter vorgeschlagen und mit einem Großteil konnte eine Einigung erzielt werden.

Pfeiffer. Nicht nur Zielpunkt mit seinen zuletzt erzielten 438 Millionen Euro Umsatz ist von Pfeiffer weg, die C&C-Sparte (468 Mio. Euro) wurde per 1. Jänner an die bisher in Österreich nicht vertretende Schweizer Coop verkauft.
Künftig wird sich Pfeiffer-Chef Mag. Georg Pfeiffer auf den Großhandel, der zu 65 Prozent auf Nah&Frisch (268 Kaufleute und 187 sonstige Lieferstellen) entfällt, sowie auf Unimarkt konzentrieren. Dabei werden unter dem Unimarkt-Dach die Tochterunternehmungen Pfeiffer Großhandel und Pfeiffer Logistik geparkt. Die beiden führenden Personen werden Peter Gusenbauer (für Vertrieb) und Günther Langeder (Finanzen) sein.

Unimarkt. Auch der bisherige Unimarkt-GF Dkfm. Andreas Haider verbleibe, aber in Verbindung mit einer Spezialisierung auf die Betreuung der Franchise-Kaufleute. Im Großhandel macht Pfeiffer derzeit 106 Millionen. Unimarkt erzielte zuletzt mit 125 Geschäften 280 Millionen Euro, ohne der 45 Franchiser betrug der Netto-Umsatz 215 Millionen Euro.
Im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre hat Pfeiffer schon 19 Zielpunkt in die Unimarkt-Flotte integriert. Nun hat Pfeiffer, entgegen vorherigen Vermutungen, doch nicht für Zielpunkt größer mitgeboten.

Nachbar-Märkte profitieren. Von den 112 Schließungen profitieren nun die umliegenden ­Märkte, wie auch ein REGAL-Rundruf ergab. „Auf unsere Nah&Frisch Märkte wirkt sich die Schließung des Zielpunkt-Standortes in Poysdorf (NÖ) sehr positiv aus. Das wirkt sich sehr positiv auf die Kundenanzahl aus“, so Maria Stoiber, Nah&Frisch Kauffrau in Poysdorf. Ähnliche Entwicklungen sind auch aus Filialkreisen zu hören.

Gut 50 Prozent der Filialen werden nun übernommen (inkl. Privater). „Das sind natürlich die besseren Märkte. Nebenlagen rechnen sich nur mit sehr niedrigen Mieten. Oft gibt es auch eine Überbesetzung“, so der bekannte Standort­experte Dr. Joachim Will von der deutschen ecostra (Wiesbaden). Spar bekommt 26 Märkte und kann daher viele Arbeitsplätze sichern und auch ein gutes Konzept als Vollversorger anbieten.

Steiermark. Am wenigsten Interesse gab es an Zielpunkt-Märkten in der Steiermark. Von den 27 Märkten sind dort 21 geschlossen worden, das sind immerhin 78 Prozent. Sechs Märkte können übernommen werden, davon drei Märkte in Graz (Plüddemanng., Radetzkystr., Grottenhofstr.). Weiters sind in der Steiermark nur mehr Gleisdorf, Fohnsdorf und St. Gallen an Interessenten gegangen. In Mürzzuschlag soll Unimarkt zum Zug kommen, berichten Gemeindekreise.

Wien. Keine Frage, die Filetstücke des verbliebenen Zielpunkt stehen in Wien. Hier wurden in Summe die höchsten Umsätze und die meisten rentablen Standorte ausgemacht.
Satte 64 Prozent der Wiener Filialen werden (vorbehaltlich des Kartell-Zuschlags) übernommen, das sind 81 von 126 Märkten. Gute Outlets sind auch in Wien in der Inneren Stadt (Singerstraße 27 und Gonzagagasse) oder in der Klosterneuburgerstraße in Wien 20.

Auch Ex-Meinl dabei. Ehemalige, von Zielpunkt im Jahr 2000 übernommene Meinl-Märkte, auch ein Stück Handelsgeschichte, wie etwa in der Jägerstraße (Brigittenau) oder Praterstraße (Wien 2), gelten als gut eingeführt Standorte.

Bgld/NÖ. Im Burgenland und in Niederösterreich sind 30 bzw. 32 Prozent der Filialen veräußert worden, teilweise, wie in Frauenkirchen im Seewinkel, auch an andere Branchen wie Textilunternehmungen. Viel geschlossen wurde auch im Marchfeld sowie im St. Pöltner Raum. Auch im Mittel/Süd-Burgenland sind viele Märkte betroffen.

Post. Mit der Zielpunkt-Schließung gehen auch Postpartnerschaften verloren. Fünf Zielpunkt-Standorte fungierten bis zur Übernahme des Masseverwalters als Postpartner. Konkret handelt es sich um die ­Märkte in Hornstein (Bgld.), St. Veit an der Gölsen (NÖ), Obersiebenbrunn (NÖ), Wien 13 (Hietzinger Hauptstraße) und Wien 15 (Schanzstraße 6), wie REGAL erfuhr. Nachfolger werden derzeit gesucht. Die genannten Standorte in der Bundeshauptstadt sowie in Obersiebenbrunn stehen nicht auf der Schließungsliste.
So erleidet Zielpunkt das Schicksal vieler Verdi-Opern, die traurig enden. Auch wenn der letzte Akt nichts mehr mit den wundersamen Arien einer Gilda oder Violetta zu tun hatte, ein Hoffnungsschimmer bleibt zumindest für einen Teil der Mitarbeiter, dann unter anderer Regie und Farbe eine neue Ouvertüre anstimmen zu können.