Mag. Markus Kaser, Geschäftsführer INTERSPAR Österreich

Interspar: Mehr Bedienung & Service

  • Umsatz springt deutlich auf über 1,550 Milliarden Euro, Verbrauchermarkt-Kette gewinnt Marktanteile
  • 2017: 60 Millionen Euro im Jahr der Konsolidierung
  • Weiße Flecken in Wien und dem südlichen Niederösterreich

Regal: Herr Kaser, mit der Neuaufstellung des Traditionsstandorts in Mistelbach (NÖ) geht ein expansionsoffensives Jahr 2016 zu Ende. Wie viel hat die Interspar für die Flotte investiert?
Kaser: Für den angesprochenen 3.300 m2 großen Markt in Mistelbach waren es insgesamt 16,4 Millionen Euro. Ein Mega-Invest, weil wir von dem Standort überzeugt sind. Alles in allem haben wir mit der Revitalisierung der Bäckerei in St. Veit, dem Neubau in Kottingbrunn und den neuaufgestellten Märkten in Wien Simmering oder Wien Floridsdorf 80 Millionen Euro investiert.

Wird dieses Tempo auch im Jahr 2017 fortgeführt?
2017 wird mit Sicherheit ein Jahr der Konsolidierung. Dennoch wollen wir fast 60 Millionen Euro bereitstellen.

20 Millionen Euro fließen dabei nach Imst?
Das stimmt, Imst wird ein völliger neuer Markt werden und auch in Wels sind wir mitten im Neubau. Daneben wird es eine Reihe von kleineren Modernisierungen geben.

80 bis 100 Interspar-Standorte waren immer eine Vision, ein Fernziel. Gibt es weiterhin weiße Flecken?
Mit Imst schließen wir mit Sicherheit einen dieser weißen Flecken. Wien gehört sowieso zu unserem wichtigsten Expansionsgebiet. Ich sehe aber auch in Niederösterreich Potenziale.

Ist mit der Realisierung des Standorts in Imst das Bundesland Tirol abgearbeitet?
Das ist noch nicht sicher. Denn auch im Raum St. Johann/Kitzbühel gibt es noch Platz für Interspar. Das hat aber noch Zeit.

Und Kärnten?
Hier sind wir gut aufgestellt.

Umbauten und Modernisierungen sind immer ein wichtiger Punkt auf der Agenda. Wie hoch ist der Modernisierungsgrad?
Wir haben sicher 90 Prozent der Standorte auf dem neuesten Stand. Interspar-unwürdige Flächen gibt es nicht mehr. Einer der ältesten Märkte wurde in Mistelbach komplett neu aufgestellt.

Wie lange müssen neue Interspar-Standorte ohne Komplettsanierung auskommen?
Wir bauen schon seit einigen Jahren unsere Märkte sehr solide, hochqualitativ, nachhaltig und zeitlos modern. Durch dieses Know-how und das entsprechende Investment haben unsere Märkte technisch und optisch einen viel längeren Lebenszyklus als die unserer Mitbewerber. Zudem nehmen wir laufend kleine Revitalisierungen und Konzeptanpassungen vor. Aber im Großen und Ganzen „halten“ unsere neueren Märkte rund 20 Jahre ohne großen Umbau.

Sie haben von Kosmetisierungen und kleinen Umbauten gesprochen. Wie geht die Aufschaltung der Eat Happy-Sushi-Möbel voran?
Wir befinden uns im Roll-out. Wir wollen insgesamt in rund 40 Geschäften diese Sushi-Variante installieren. Konkret geht es um urbane, städtische Standorte.

Im Ladenbau zündeten Sie in Wien Floridsdorf die neue Ausbaustufe. Hat sich der Vorstoß bewährt?
Wir sind mit dem neuen Konzept vollauf zufrieden und werden in den nächsten Standorten die Benchmark Wien Floridsdorf umsetzen. Wichtige Bausteine sind die Backstube, die in ihrer Optik an eine Handwerksbäckerei erinnert sowie die Marmorvertäfelung in den Bedientheken. Auf die Segel oberhalb der Bedientheken haben wir zugunsten von mehr Offenheit und mehr Fokus auf die Ware verzichtet. Im Non-Food haben wir den Ladenbau von Lebensraum Küche sowie vom Bereich Spielware komplett überarbeitet mit neuen Regalen, Beschriftungen und Erlebnis-Elementen.

Wo sehen Sie aktuell die Trendsortimente?
Vegan oder vegetarische Artikel sind sicher voll im Fokus. Oder auch Craft-Beer und Urban Drinks. Hier haben wir die Sortimente deutlich ausgebaut. Gleichzeitig pushen wir unsere Stärken: Die Backstube und damit die Großbrote mit dem vollsten Geschmack gibt es nun in ganz Österreich und im Bereich Fleisch setzen wir verstärkt auf Geflügel.

Auch wenn die Umsätze dieser Artikel eine breite Einlistung nicht rechtfertigen würde?
Wenn wir Artikel nur jene Plätze zuschreiben, die sie aufgrund ihres Umsatzes verdienen, dürften wir nie neue Produkte listen. Dann gäbe es keine Innovationen mehr. Und das ist im Handel nicht der Fall: Wir sind die zurzeit innovativste Branche.

Sie sprechen von Raum für Innovationen. Welche Artikel müssen im Gegenzug dazu das Feld räumen?
Das sind vermehrt B- und C-Marken. Grundsätzlich gilt: Innovationen, regionale Artikel und Eigenmarken verdrängen belanglose B- und C-Marken. Marken, die sich durch Diskontlistungen selber in die Abwärtsspirale manövrieren, werden auf Sicht auch Konsumentenresonanz verlieren.

Sie haben die Eigenmarken angesprochen. Wie hoch ist der Eigenmarkenanteil?
Wir liegen im Food-Bereich bei über 35 Prozent, im Non Food-Bereich sind es etwas weniger. Das hängt insbesondere mit der Spielwaren-Palette zusammen, die mit Lego, Playmobil und Co praktisch nur Markenware in die Regale schickt.

Bei Non Food II haben Sie zuletzt das Haushalts- und Küchenensemble grob ausgebaut. Hat sich dieser Schritt bewährt?
In jedem Fall. Wir sind bei Non Food II auf bestehender Fläche sehr stark gewachsen. Mit der Konzentration auf Schulwaren, Haushalt und Küche bilden wir die wichtigsten Paletten ab. Diesen Weg werden wir weitergehen.

Welche Non Food II-Paletten werden unwichtiger?
Ganz klar: Bekleidung.

Die Interspar konnte 2015 ihre Umsätze auf 1,550 Milliarden Euro ausbauen. Kann diese Zahl heuer übersprungen werden?
Definitiv. Wir haben ein wirklich sehr gutes like-for-like-Wachstum. Das lässt sich schon vor dem Weihnachtsgeschäft festhalten. Die Entwicklung ist dank der Expansion ungleich besser.

Wie erklären Sie sich den Erfolgslauf? Spielt der Zielpunkt-Effekt eine Rolle?
Ein gewisser Zielpunkteffekt ist sicherlich zu spüren bei uns.

Auch wenn die meisten ZIP-Schließungen Ostösterreich betroffen haben?
Es stimmt. Der Mitbewerb hat noch mehr von dem Umstand der ZIP-Insolvenz profitiert. Umso erfreulicher ist unsere Entwicklung, die sich auch an einem Marktanteilsgewinn niederschlägt.

Der Schelling-Euro?
Die Steuerentlastung hat sich sehr wahrscheinlich auch positiv ausgewirkt. Der Konsument hat mehr Geld in der Börse. Am wichtigsten ist aber, dass wir aktuell mit unserem Ladenbaukonzept und dem Sortiment punkten können.

Wie ist die Online-Offensive in Wien und Umgebung angelaufen?
Sehr gut, definitiv über unseren Erwartungen. Es wird mehr nachgefragt, als wir zurzeit Zustellfenster haben. Aber wir sehen es als Forschungs- und Entwicklungsprojekt und wollen nichts überstürzen.

Aktuell gibt es zwei Abholstationen beim Donauzentrum und bei der SCS.
Diese werden überraschend gut angenommen. Anfang nächsten Jahres kommt Salzburg dazu. Wir wollen sukzessive in den Landeshauptstädten ausbauen und auch Wien weiter forcieren.

Wie entwickeln sich die zuletzt eröffneten Märkte Wien Floridsdorf, Gudrunstraße oder der Hauptbahnhof?
Ich denke, dass die Gudrunstraße hinter den Erwartungen bleibt, da hier einfach rund um den Standort noch zu viel Baustelle herrscht. Alle anderen Standorte sind auf gutem bis ausgezeichnetem Wege. Der Markt am Hauptbahnhof hat durch die Eröffnung des Erste Campus und die gesamte Entwicklung im Umfeld profitiert. Reisende spielen keine überragende Rolle. Hier sind die Bonsummen klein.

Herbert Schneeweiß