Billa-Vorstände Mag. Josef Siess und Robert Nagele

Billa geht am POS neue Wege: Prototyp mit 1.000 m² in Niederösterreich

Billa baut total um!

  • Bis zu 30. Mio für Flotten-Modernisierung innerhalb von drei Jahren
  • Frischfleisch in Bedienung: Potenzial bei 250 Standorten
  • Headsets im Testlauf

Die Rewe-Tochter zeichnet ihre POS-Präsenz neu. Vor einigen Monaten angekündigt, präsentierten die Billa-Vorstände Mag. Josef Siess und Robert Nagele nun kürzlich das neue Ladenlayout. Die Eckpunkte: Der Landhausstil zieht sich wie ein roter Faden vom Eingangsbereich bis zur Kasse. Küchen- und Haushaltsoptik geben den Ton an und sollen für eine entsprechende Wohlfühlatmosphäre sorgen. „Wir haben bewusst auf ein weiteres Marktprinzip verzichtet und uns für einen anderen Weg entschieden“, sagt Billa-Vorstand Nagele. Tafelwände mit Handschrift, Zweitplatzierungen im Holzkasten-Look und in Gondelköpfen, eine Ziegelwand in der Wein-Abteilung und im Getränke-Bereich. In kleineren Filialen kommt das Konzept in abgespeckter Form zum Einsatz. Die Küchenelemente, Infotafeln etc. seien aber Fixpunkte in allen Filialen.

In den Prototyp in Maria Enzersdorf wurden zwei Millionen Euro gepumpt, die Verkaufsfläche wuchs von 700 auf 1.000 m². Die Größe, mit dem Billa künftig vermehrt auftreten möchte. 2017 soll dem noch einmal eines draufgesetzt werden, wie REGAL erfuhr – und zwar auf 1.400 m². Schauplatz: Wien Liesing, Perfektastraße. Aktuell liegt die durchschnittliche Fläche bei 550 m², gefüllt mit rund 8.000 Produkten.

Drei-Jahres-Programm. 250 Fi­lialen wird 2017 das neue ­Design verpasst. Pro Standort fließen durchschnittlich 30.000 Euro. Dafür budgetiert wurden gesamt sieben bis acht Millionen Euro. Dazu kommen die jährlich geschnürten 100 Millionen Euro, für rund 100 neue Märkte und Umbauten. Die Umstellung des gesamten Filialnetzes soll in drei Jahren über die Bühne gebracht sein. Kostenpunkt: 20 bis 30 Mio. Euro.

Orientierung. „Kundenbefragun­gen zeigten, dass vor allem Orientierung und Information am POS gefragt sind“, so die Vorstände unisono. Beidem soll unter anderem mittels Bildern und Produktinformationen Rechnung getragen werden.

Brot & Gebäck. Im Eingang befindet sich ein Verzehrbereich unter dem Slogan „Billa to go“. Dieser mache in Geschäften ab 800 m² Sinn. Bei O&G spielt die Lagerung von gekühlten Artikeln (u.a. Convenience) eine wichtige Rolle. Bei Brot & Gebäck ist die SB-Auswahl auffallend groß. Das Backshop-Möbel ist mittlerweile in 800 Filialen umgesetzt. „Wir machen mittlerweile zwei Drittel mit Selbstbedienung“, so Billa-Vorstand Mag. Josef Siess im REGAL-Gespräch. Zwei Meter SB ist inzwischen das Mindestmaß bei Gebäck (exkl. Brot). Die maximale Länge in Bedienung beträgt 1,5 Meter.

Frische. Beim Thema Fleisch betonen die Vorstände allerdings die Wichtigkeit des Bediencharakters. „Auch als Werkzeug gegen den Diskont.“ Ende 2016 waren es 20 Fleisch-Bedientheken, nächstes Jahr sollen 50 weitere Standorte nachgerüstet werden. „Potenzial dafür sehen wir in 250 Filialen“, so Nagele. Hinter den Bedientheken setzt die Billa-Mannschaft auf Content Management. In jeder umgebauten und neuen Filiale kommen Bildschirme zum Einsatz. Außerdem: Die Vorbereitungen der Mitarbeiter werden nicht mehr in abgeschlossenen Räumen hinter der Theke durchgeführt. Arbeiten wie Weckerl herrichten und Fisch filetieren finden künftig hinter Glaswänden – und damit einsichtig für Kunden – statt.

In der Tiefkühl-Abteilung gelte es als besondere Herausforderung, „Orientierung zu schaffen und die Qualitäts- und Inhaltsunterschiede zu definieren“, so Siess.

Kasse. Der Kassenbereich ist hell und freundlich. Auffallend und geschickt gelöst: ein riesiger Bildschirm, der anschaulich ITS Billa Urlaubsangebote zeigt. Self-Checkout-Lösungen kommen in Maria Enzersdorf bewusst nicht zum Einsatz. Es passe nicht zum Standort, so die Vorstände.

Mitarbeiter und Service. Zum erhöhten Service-Gedanken gehört nicht nur eine Handy-Tankstelle im Eingangsbereich und gratis Wlan (nächstes Jahr Roll-out abgeschlossen), sondern auch personalintensivere Bereiche. „Natürlich ist es von unserer Seite ein Invest pro Standort in unsere Mitarbeiter“, so Nagele. Ende Jänner soll es eine eigene App für Mitarbeiter geben. Außerdem wird die Arbeitsbekleidung überarbeitet, Mitgestaltung des Personals ist dabei gefragt. Aktuell beschäftigt Billa knapp 1.000 Lehrlinge.

Personal erfordert auch das Paket-Service, welches Billa mittlerweile in 430 Filialen anbietet. Im ersten Quartal 2017 wollen die Wr. Neudorfer die 700er-Marke nehmen. „Wir bekommen eine Vergütung, aber unterm Strich bleibt quasi nichts übrig. Wir sehen das in erster Linie als Service für die Kunden“, sagt Nagele. Aktuell gibt es eine Kooperation mit DHL, daneben laufen aber auch Tests mit anderen Anbietern. Im nächsten Jahr sollen auch unfrankierte Pakete entgegengenommen werden. Aktuell handeln die Billa-Mitarbeiter in allen Filialen rund 8.500 Pakete pro Woche.

Headsets und ESL. Pilotversuche gibt es übrigens auch mit Headsets, die ja in deutschen Rewe-Märkten bereits gang und gäbe sind. „In Neulengbach und in der Perfektastraße testen wir diese bereits erfolgreich“, sagt Billa-Vertriebsdirektor Josef Holzleitner im REGAL-Gespräch. Ähnlich ist es mit dem Thema Electronic Shelf Labeling. Derzeit kommt ESL in zwei Standorten (einer im 13. Bezirk) zum Einsatz.