Spar-Kaufmann Prauchner übernimmt von Feurhuber

Neuer Spar-Vizepräsident: Prauchner

„Kaufleute: Keine Befehlsempfänger“

  • Chef-Kaufmann mit neuen Plänen
  • 2015 waren 784 Spar-Standorte von Kaufleuten geführt
  • Spannen sollen sich zwischen 24 und 26 Prozent bewegen

Regal: Wie aktiv sind die Spar-Kaufleute. Wollen Sie sich gegenseitig helfen, gibt es überhaupt Fragen?
Prauchner: Spar-Kaufleute sind sehr aktiv und miteinander in der Spar-Familie und in den Gremien auch stark miteinander verbunden. Nicht umsonst sind sie auch so erfolgreich. Natürlich gibt es Fragen, es wird die Aufgabe in den Landesgremien sein, noch näher an den Kollegen dran zu sein und noch mehr zu verbinden. Ich denke daran, dass die stellvertretenden Vorsitzenden der Gremien auch zum Beispiel bei den Geschäftseröffnungen der Kollegen dabei sind.

War das zuletzt nicht der Fall? Gibt es keine Spar-Treue? Oder warum gab es zuletzt zwei Landesauschussmitglieder, die die Seiten gewechselt haben?
Es gibt eine sehr große Spar-Treue. Aber in der täglichen Arbeit geraten solche verbindenden Dinge manchmal ins Hintertreffen. Jetzt ist die Chance, einiges neu aufzuladen. Warum ein Kollege wechselt, das hängt immer von verschiedenen Faktoren und vielen persönlichen Dingen ab, von Kränkungen bis zu betriebswirtschaftlichen Faktoren. Ich möchte mich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass zukünftig nicht einmal ein gefüllter Geldkoffer zum Umfallen anregt.

Wie viele Kaufleute können über ihr eigenes Heil aber überhaupt noch bestimmen. Wie stark sind die Kaufleute wirklich, wenn vielen davon ihre Immobilie nicht mehr gehört?
Es stimmt. Viele Kaufleute sind mittlerweile hauptsächlich Mieter. Keine Überraschung in Zeiten wie diesen, wo ich von Neueinsteigern höre, die 200.000 Euro Startkapital brauchen, um sich selbstständig zu machen. Dennoch: Der Kaufmann muss Kaufmann sein. Er ist kein Marktleiter, kein Befehlsempfänger. Allerdings muss ich auch dazusagen, dass man als Kaufmann von der Spar auch nicht als solcher gesehen und behandelt wird. Ich halte viel von Konzepttreue, aber wenn ich zum Beispiel als Kaufmann merke, dass ich in meinem Standort einen höheren Convenience-Anteil brauche, weil eine Schule daneben ist, dann muss ich mich dementsprechend ausrichten. Bei Spar geht das.

Was halten Sie von aktiver Spannenarbeit: Zusätzliche regionale Artikel, weniger Aktionsanteil, mehr Plätze für margenträchtige Produkte?
Dieses Vorgehen bietet oft die Gefahr der Eingrenzung. Wir brauchen mit Sicherheit aggressive Preise. Aber was sicher ist: Ich muss wissen, wo in meinem Markt die besten Spannen-Chancen sind.

Mit welchen Sortimenten lässt sich noch Geld verdienen?
Die Süßwaren-Knabbergebäck Gruppe ist interessant. Regionale Produkte, Backmittel oder auch Gewürze.

Und ein Durchlaufpos­ten?
Bier. Frischfleisch. Zum Teil Wasch- und Putzmittel.

Was sind Spannen mit denen ein Kaufmann arbeiten kann?
Das sind Brutto-Spannen zwischen 24 und 26 Prozent. Zahlen, die mit dementsprechenden Personalkosten einhergehen. Die dürfen dann aber auch nur zwischen 13 und 15 Prozent liegen sonst wird die Luft dünn.

Auf welcher Marktgröße lässt sich die Sortimentsbreite am besten abbilden?
Ich denke, dass der Optimalzustand für den Supermarkt mindestens 600 m2 sind. Bei einem Eurospar bewegt sich die Zahl auf 1.400 bis 1.600 m2 hinauf. Da profitiert man durch eine längere Verweildauer im Markt. Ich brauche ein Sortiment, dass mir meine Aktionen und aggressiven Preise abpuffert. Da ist Größe nötig.

Wie oft werden Sie die Möglichkeit haben, Ihre Positionen als Vize-Präsident an die Vereinsspitze heranzutragen?
Ein Mal jährlich gibt es eine offizielle Vereinsvorstandssitzung. Aber natürlich kann ich jederzeit den Spar-Vorstand erreichen und Themen besprechen. Außerdem treffe ich mich drei bis vier Mal im Jahr mit den stellvertretenden Vorsitzenden der Landesausschüsse, deren Aufgabe es ist, die Anliegen der Kaufleute der jeweiligen Region aufzuarbeiten und zu verdichten.

Hat die Spar überhaupt Interesse an starken Kaufleuten?
Ich bin mit Sicherheit ein Beweis dafür, dass das der Fall ist. Ich bin kein Ja-Sager, will für die Selbstständigen arbeiten und etwas weiterbringen. Ich will wachsen. Die Kaufleute wollen wachsen. Das darf nicht verboten sein. Und ich habe in meinen ersten Gesprächen gesehen, dass die Spar-Vorstände sich unsere Vorschläge genau ansehen. Sie müssen nur fundiert sein. Darauf kommt es an. Ich bin auch kein Bremser. Immerhin wurden im Vorjahr 784 Standorte von selbstständigen Kaufleuten geführt. Die Kaufleute müssen sich ihrer Rolle im Konzern einfach mehr bewusst sein. Die Symbiose kann das große Ganze nach vorne bringen. Konstruktive Kritik muss in der Partnerschaft immer erlaubt sein.

Was sind konkrete Anliegen?
Das kann Betriebsabläufe in den Märkten betreffen oder Sortimentsfragen oder logistische Aufgaben. Es geht um Personalintensität und natürlich auch um Ertragsthemen.

Ganz platt gesagt: Spannendiskussionen?
Die Spanne ist bei den Kaufleuten immer ein Thema, aber das ist mir zu dünn, zu allgemein. Wir müssen viel mehr in die Tiefe gehen.

Wie weit kann es in die Tiefe gehen?
Nehmen wir das Beispiel Laden-Logistik her. Kann ein vereinfachtes Handling Handgriffe im Geschäft einsparen helfen? Da könnte ich mir Verbesserungen im letzten Meter vorstellen. Bei Wurstwaren zum Beispiel. Mir würde es Zeit sparen, wenn ich vielleicht die Wurst für die Bedienung und die Wurstwaren für die Selbstbedienung in Kisten getrennt angeliefert bekäme. Es würde Handgriffe sparen und somit unter dem Strich Personalkosten. Ist das bei anderen Kaufleuten genauso, dann könnten wir uns diesem Umstand gemeinsam mit Spar nähern.

Sie haben persönlich drei Geschäfte am Netz. Ist Filialisierung auch für die Kaufleute eine Wachstumschance?
Nur dann, wenn ich mir als Kaufmann bewusst bin, dass ich dafür Strukturen brauche und dadurch entsprechende Overhead Kos­ten habe. Aber die Chance ein „filialisiertes“ Unternehmen zu führen, finde ich persönlich sehr spannend. Es gibt aber sicher auch Standorte, die besser als Einzel-Markt zu führen sind.

Wie sind Sie konkret aufgestellt?
Wir haben einen 950 m2-Markt in Gresten, einen Standort mit einer Fläche von 550 m2 in Ybbsitz und den Eurospar von 1.200 m2 eingebunden in ein EKZ, das wir bis 2018 verdoppeln wollen. Dann sollen 5.000 m2 zur Verfügung stehen. Der Eurospar soll auf 1.700 m2 ausgebaut werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Herbert Schneeweiß