Wie kann der Kaufmann aus Müll und Verpackung gutes Geld machen?

Abfall: Wie macht man Geld daraus?

60 Euro pro Tonne Papier. Für 1.000 Kilogramm Kunststoff sind sogar bis zu 300 Euro zu erzielen. Ist der Erdöl-Preis im Steigen, dann klettern diese Werte sogar bei gesammeltem Plastik auf rund 400 Euro hinauf. Und auch gebrauchte Toner und Kartuschen werden refundiert. Da sind für spezielle Marken-Einheiten sogar 15 Euro pro Stück drinnen. Schöne Erträge, die gerne im Müll versickern und bei falscher Trennung sogar Kosten explodieren lassen. Doch zahlt sich die Beschäftigung mit dem Abfall trotzdem wirklich aus?

Großteil Papier und Kartonagen. Fakt ist: In einem durchschnittlichen Lebensmittelmarkt fallen laut ARA alleine mehr als zehn bis 15 Tonnen Papier (Kartonagen) und zirka eine Tonne Kunststofffolien an. „Bei Papier liegt die Verwertungsquote bei 100 Prozent, bei Kunststoff bei 70 bis 75 Prozent, weil es hier oft noch Verschmutzungen gibt“, so ARA-Vorstand Werner Knausz gegenüber REGAL.
Die Abwicklung bei den österreichischen Kaufleuten verläuft dabei mehrheitlich gleich: Üblicherweise sammeln Sparianer, Kleeblättler oder Nah&Frisch’ler ihren Abfall in den Märkten und lassen die sortierten Müll-Bestände vom Großhandel wieder abliefern. Roll-Container, mit der die Ware angeliefert wurde, werden dabei gefüllt und nach Bedarf abgeholt. Die gewerbliche Entsorgung wird vom Großhandelspartner übernommen und die Verpackungen zu einer Übernahmestelle gebracht. Von dort übernehmen ARA, Reclay und Co.

Restmüll und Bio. Dabei schlagen für die Kaufleute vor allem die Restmüll- und Biomüllkosten durch. Kartonagen- und Plastikmüll-Entsorgung ist dagegen ein „Nullsummen-Spiel: „Wir müssen den Abfall fein trennen, er wird abgeholt und wir müssen uns nicht mehr damit beschäftigen“, so Adeg-Kaufmann Walter Schmutterer. Das bestätigt auch Interseroh Austria: „Durch eine Auslagerung an einen kompetenten Systemdienstleister wie Interseroh Austria bindet der Kaufmann keine wertvollen Ressourcen und kann mehr Zeit für sein Kerngeschäft aufbringen. Zugleich stellt er damit sicher, dass eine rechtskonforme Abwicklung gewährleistet ist und es zu keinen Problemen kommt“, so Geschäftsführer Mag. Franz Sauseng.
Eine intensive Beschäftigung mit dem Thema empfehlen sowohl Reclay als auch ARA: Für Reclay Österreich-Geschäftsführerin ­Maria Kassl liegt das Geheimnis in der laufenden Betreuung des Standorts. „Dann kann sich eine Kostenreduktion im fünfstelligen Bereich abspielen. Es geht um die Feinabstimmung in der gesamten Abfallkette. Preise optimieren bei gleichzeitiger Beschäftigung mit der Infrastruktur und Bündelung der Ressourcen.“

Restmüll. Laut ARA-Chef Knausz gehe es eher um die Reduzierung der Restmüllmenge. „Unser Ziel ist es, unseren Kunden durch unsere Serviceleistungen mehr Geld zu sparen, als diese kosten. So konnten wir zum Beispiel bei einem Kunden die Restmüllmenge mehr als halbieren. Das Unternehmen spart sich damit jährlich rund 80.000 Euro.“

Vergütung. Aber können die Kaufleute auch am Vergütungs-Kuchen mitschneiden? Geht es nach Spar-Kaufmann Stefan Hessenberger, dann zahlt es sich durchaus aus, die Entsorgung selbst zu organisieren. „Nicht, weil ich auf die Vergütungen schiele, sondern weil es mir Personalkosten spart, wenn ich zum Beispiel Kartonagen selbst presse.“

Personalkosten einsparen. Für Tomra-Sales Manager Roman Postl liegt hier auch der wesentlichste Benefit: „Durch Einsparungen von Wegkosten der Mitarbeiter sowie Zeitersparnis – da das mühsame Zerteilen größtenteils wegfällt – reden wir von enormen Potenzialen bis hin zu 10.000 Euro jährlich.“ Als dahinterliegende Kenngröße nimmt Postl dabei eine Menge von vier Tonnen monatlich an: „Es empfiehlt sich, dass jeder interessierte Kaufmann diese Zahlen durchrechnen lässt, weil viele glauben, dass sie diese Zahl nicht erreichen.“

Handliche Orwak-Pressen. Da­bei stehen die kompakten, benutzerfreundlichen und platzsparenden Orwak-Pressen, die „entsorgergerecht“ 300-Kilo-Ballen produzieren im Wettstreit etwa mit Mulden-Pressen, die aber mehr (Park-)Raum benötigen. Der Vorteil bei Orwak: Einfache Installation und Bauform. Und entsprechende USPs (etwa automatische Schiebetür). „Die Beschäftigung mit Kartonagen braucht in jedem Fall Manipulations-Platz. So rentiert sich eine Ablieferung erst bei fünf Tonnen, sonst fressen die Kosten für die Abholung bereits die Vergütung auf“, sagt Hessenberger.

Plastik. Noch wesentlich schwieriger ist das Thema Plastik. Zwar können hier wesentlich größere Erträge erzielt werden. Die Sammlung ist aber ungleich schwieriger. Denn bei Plastikfolien-Pressen braucht es Disziplin. Fehlwürfe kosten bares Geld. Entsprechende Tools der Industrie gibt es aber bereits.

Toner. Doch es gibt noch mehr: Neben Papier, Kartonagen, Plastik könnte auch die Rücknahme von Toner und Kartuschen ein Thema werden? „Wir zahlen von fünf Cent bis 15 Euro pro Stück“, bestätigt Kathrin Denner, Geschäftsführerin des Recycling-Unternehmens Denner, gegenüber REGAL. Die Weinviertler Firma hat sich auf das Recyceln von Tinten- und Toner-Leergut spezialisiert. Die Abholung wird vom Entsorger organisiert. Für Kaufleute fallen keine Kosten an. „Wir stellen eine Box 40 x 40 x 60 cm auf und holen diese nach Rücksprache mit unserem Partner ab.“ Kaufmann Werner Bierbaumer hat in seinem Geschäft in Niederdorf (Kärnten) eine entsprechende Box aufgestellt. „Es sind keine Mega-Mengen zu erwarten, doch der Zulauf ist halbwegs stabil. Die Vergütung spenden wir aber.“

Dosenpressen und ­Alttextilien. Auch mit der Aufstellung von Dosen-Pressen und Alttextilien-Boxen lässt sich Geld verdienen. „Es braucht aber Platz“, so Nah&Frisch Kaufmann KR Wolfgang Benischko. Hier könne mit Jahresstandmieten gehen bis 200 Euro hinauf.

Batterien und Elektrogeräte. Bei der Rücknahme von Batterien und Elektroaltgeräten gibt es noch viel weniger Spielraum. Bei Batterien gilt eine 0:1-Rücknahmeregelung. Das heißt, Endverbraucher können Gerätebatterien  auch zurückgeben, ohne dass im Gegenzug eine neue Batterie gekauft wird. Als Service für die Kunden beziehen große Handelsoutlets Sammelboxen über die Firma Saubermacher. „Diese werden zwei Mal jährlich von Saubermacher abgeholt und neue Boxen aufgestellt. Die Boxen ermöglichen dem Kunden eine einfache Rückgabe im Rahmen seines Einkaufes“, sagt Mag. Elisabeth Giehser, ­Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle Austria. Bei Elektroaltgeräten gilt eine 1:1 Rücknahmeverpflichtung bei einer Fläche ab 150 m². „Der Vorteil für den Handel ist das zusätzliche Service für seine Kunden – sprich Kundenbindungsmaßnahmen und Kundenfrequenz“, so Giehser.