AGM: Exklusiv-Interview mit den Geschäftsführern Josef Pirker und Peter Buchner

AGM auf Kurs

  • 45 Prozent Frische-Anteil
  • Abholung und Zustellung halten sich die Waage

REGAL: Wie hat sich das C+C Geschäft im Winter bisher entwickelt?
Buchner: Die Monate Dezember und Jänner waren aufgrund des Schneemangels für den Tourismus in manchen Regionen herausfordernd. Der Februar lief dagegen sehr gut.

AGM beliefert Gastronomen, Hoteliers und Großverbraucher. Wie teilt sich das auf?
Pirker: Auf die Gastronomie entfallen etwa zwei Drittel, ein Drittel auf Hotellerie und Großverbraucher. Insgesamt beliefert AGM über 45.000 Kunden.

2010 lag die Abholung noch bei 60 Prozent. Im Vorjahr war die Rede von einem 50:50-Verhältnis.
Buchner: Wir liegen noch immer bei 50:50. Wobei das größere Wachstum sicher in der Zustellung steckt.
Pirker: Der Kunde hat bei AGM die Wahl zwischen Abholung und Zustellung. Bei der Abholung punkten wir mit Übersichtlichkeit und kompakter Anordnung des Sortiments, fachkundiger Betreuung bzw. Beratung in den jeweiligen Fachabteilungen, schneller Kassenabwicklung und mit laufend attraktiven Abholaktionen und Marktevents. Bei der Zustellung hat der Kunde pro Woche die Möglichkeit – je nach Vereinbarung – bis zu dreimal angeliefert zu werden. Die Bestellung kann per WebShop, Email, Telefon oder Fax übermittelt werden.

Wie groß ist der Fuhrpark?
Pirker: Wir haben als C&C Abholgroßmärkte GmbH knapp 65 eigene Zustellfahrzeuge, AGM gesamt hat über 100 modern ausgestattete LKWs österreichweit.

Von wo aus wird Wien beliefert?
Buchner: Wien wird – je nach Standort des Kunden – gleich von mehreren Märkten aus beliefert – von Floridsdorf, St. Pölten und Wr. Neustadt, zusätzlich zum Abholmarkt in der Donaustadt.

Kommen wir zu den Standorten. Vor 50 Jahren wurde der erste C+C Markt unter „Adeg“ eröffnet. Die letzte AGM-Neueröffnung war in St. Pölten im Jahr 2013 mit 6.500 m2 und zwölf Millionen Euro Invest. Sehen Sie noch Potenzial für neue AGM-Märkte?
Pirker: AGM ist flächendeckend sehr gut aufgestellt. Unser Fokus liegt auf Revitalisierung und Modernisierung der bestehenden Standorte.

Wie viele Zustellaufträge gehen über den Webshop ein?
Pirker: AGM betreibt seit vielen Jahren einen eigenen Webshop und war in diesem Bereich Vorreiter. Derzeit werden mehr als 25 Prozent in der Zustellung über den Webshop bestellt. Wir gehen davon aus, dass dieser Anteil weiter zunehmen wird.

Sind Einkäufe für den Eigenbedarf ein Problem?
Pirker: Das war bei uns nie ein Thema und ist klar geregelt. Es gibt einen Mengenerlass, im Rahmen dessen hat der Kunde die Möglichkeit, für den Eigenverbrauch Ware zu kaufen.

AGM setzt auf Frische. Wie hoch ist der Frische-Anteil?
Buchner: Das Frischesortiment spielt eine bedeutende Rolle bei AGM. Der Anteil liegt bei 45 Prozent mit steigender Tendenz. Insbesondere Regionalität wird bei uns groß geschrieben. Jeder unserer Standorte deckt eine eigene Region ab und führt ein entsprechendes regionales Sortiment, etwa bei O&G. Je nach Marktgröße bieten wir zwischen 500 und 1.500 regionale Produkte an.
Pirker: Regionalität hört bei AGM aber nicht beim Sortiment auf. Die starke Verankerung mit der Region spiegelt sich auch bei unseren über 900 Mitarbeitern wider.

Welche Sortimentstrends gibt es im C+C Bereich?
Buchner: Vegane und vegetarische Produkte gehören sicher dazu. Wichtig für den Gastronomen ist auch die Gruppe der Flexitarier. In diesem Segment möchten wir Möglichkeiten für unsere Kunden aufzeigen und ihn bestmöglich unterstützen.
Pirker: Dieser Bereich ist eine große Chance für die Gastronomie. Auch wenn der Umsatz bei veganen Speisen in der Regel geringer ist, muss man die Umwegrentabilität sehen. Denn eine Personengruppe, die essen geht, wird sich in den meisten Fällen nach dem Veganer richten.

AGM führt Sungold, GenussGold, Braugold sowie Ja! Natürlich, Clever und Da komm ich her. Wie hoch ist die Eigenmarken-Quote?
Buchner: Derzeit liegt unser Eigenmarkenanteil bei etwa 15 Prozent. Der Trend geht immer mehr in Richtung Eigenmarken, auch bei uns. Wobei wir noch unter dem Einzelhandelsschnitt sind.

Kann der Eigenmarken-Anteil in die Richtung von 20 Prozent, wo derzeit die Rewe-Einzelhandelsunternehmen liegen, gehen?
Buchner: Jeder Launch einer Eigenmarke muss gut überlegt sein. Man muss nicht in jeder Sparte Eigenmarken platzieren. Da geht es auch um das Thema Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Bei den AGM-Eigenmarken steht das Qualitätsmanagement des ganzen Konzerns dahinter und das Preis-Leistungs-Verhältnis passt.

Wo liegt der Aktionsanteil?
Buchner: Der Aktionsumsatz stellt eine wichtige Basis für die Gesamtumsatzentwicklung dar. Der Aktionsumsatz entwickelt sich leicht über dem Gesamtumsatzwachstum. Für Abholkunden bietet AGM dauerhaft minus zehn Prozent Sofortrabatt auf deren wichtigste Artikel an.

Ein kurzer Blick auf das Thema elektronischer Datenaustausch.
Pirker: Wir haben viele große Kunden, die eine eigene Warenwirtschaft haben. Wir bieten, in Zusammenarbeit mit GS1, eine standardisierte Schnittstelle und stellen die Artikelstammdaten zur Verfügung. Die Daten werden vom Kunden im internen Warenwirtschaftssystem (WWS) weiter verwendet. Der Kunde hat die Möglichkeit, AGM seine Bestellung elektronisch direkt aus dem eigenen WWS zu senden. Von AGM erhält der Kunde auf Wunsch auch den Lieferschien und/oder die Rechnung elektronisch übermittelt. Der Vorteil für den Kunden liegt klar auf der Hand – Einsparung in der Administration und optimale Datensicherheit.

LMIV – ein starkes Jahr danach. Gerade Ihre Kundengruppe ist ja stark von den Neuauflagen (Allergene etc.) betroffen.
Pirker: Wir haben die entsprechenden Daten unseren Kunden umfangreich und vollständig zur Verfügung gestellt. Was 2016 auf die Branche zukommt, ist das Thema Nährwerte. Auch hier haben wir schon Vorarbeit geleistet und diese bereits nahezu vollständig in den Artikelstammdaten erfasst. Die vorhandenen Nährwerte je Artikel stehen den Kunden bereits laufend elektronisch oder schriftlich zur Verfügung.

Was sind aktuell und künftig die größten Herausforderungen für das C+C Geschäft?
Buchner: Die Schnelllebigkeit in den Branchen, in denen unsere Kunden tätig sind, nimmt weiter zu. Als Herausforderungen sind etwa ein Anstieg an weltweiten Urlaubsangeboten, Preisvergleichsportale, die eine negative Auswirkung auf den Deckungsbeitrag der Kunden haben, oder Änderung der Mehrwertsteuer-Sätze zu nennen sowie Lebensmittelkennzeichnungsverordnung und Nährwertauszeichnung, die den administrativen Aufwand für den Kunden erhöhen.

Danke für das Gespräch.

Verena Widl