Zielpunkt: Heftiges Tauziehen um die guten Standorte

Kampf um Märkte

  • Heiße Verhandlungen um Standorte
  • Einbußen bei der Industrie

Die Umsätze vieler Industrie-Konzerne sind aufgrund der Zielpunkt-Pleite gesunken. Auch große „Österreicher“ bei der produzierenden Schiene sind momentan alles andere als erfreut. „Wir hoffen, dass die Zielpunkt-Standorte, die im Laufe des ersten Halbjahres unter neuem Eigentümer wieder aufsperren, die Umsätze zurückbringen“, so ein Industrieexperte.

Die Umsätze werden sicher nicht zu 100 Prozent aufgefangen. Ein Experte rechnet im günstigsten Fall mit einer Zwei-Drittel-Geschichte, dass zwei Drittel doch wieder hineinkommen, da der Handel ja auch die stärkeren Zielpunkt-Märkte übernimmt. Mehr als 3.000 Gläubiger haben unterdessen beim Handelsgericht Wien Forderungen in Höhe von 98,1 Millionen Euro angemeldet.

Eigentümer-Probleme. Momentan laufen noch Verhandlungen um Standorte. Das Hauptproblem dabei: es handelt sich um ein laufendes Insolvenzverfahren und es ist oft nicht gleich geklärt und undurchsichtig, wer als Eigentümer oder Vermieter auftritt. „Problematisch ist die oft schwierige Eigentümer-Situation sowie das laufende Insolvenzverfahren“, meint auch ein Handels-Involvierter gegenüber „Regal“. Denn‘s verhandelte lange über Standorte, Spar ebenso. Momentan steht auch Lidl mitten in solchen Gesprächen um acht Wiener Märkte.

Dm in Wien. Auch bei dm war letzte Woche noch einiges fraglich. Sieben Zielpunkt-Filialen in Wien waren bezüglich einer dm-Übernahme im Gespräch. Ob alle sieben oder nur sechs, nur zwei oder gar keine realisiert werden, kann man noch nicht sagen, hieß es aus gut informierter Quelle. Bei einer der sieben würde ein bestehender Standort übersiedeln. Bei den anderen würde es sich um zusätzliche Standorte handeln.

Rewe hat Knüller im Portfolio, insgesamt 25 Märkte. Aufgrund der Auflagen muss Rewe allerdings wieder 17 bestehende (wahrscheinlich strukturschwächere) Märkte schließen, sechs Standorte dürfen nur als Penny weitergeführt werden und vier als Bipa. Außerdem gibt es diverse Flächen-Reduktionen. Insgesamt kann Rewe mit dieser Vereinbarung seine Marktstellung in Wien behaupten.

Die Rewe-Auflagen sind zum Teil weitreichend. An vier Standorten müssen sogar jeweils zwei nahegelegene Filialen geschlossen werden. Anfänglich hat sich Rewe sogar für die Märkte in der Gonzagagasse (Wien 1), am Rennbahnweg (Wien 22) oder Klosterneuburgerstraße (Wien 22) interessiert, was von der BWB nicht genehmigt worden ist. Ursprünglich hat Rewe für 28 andere Märkte auch noch angefragt, wofür keine Bewilligung erfolgte. Naturgemäß waren die Top 30 Zielpunkt-Märkte bei allen Ketten heiß begehrt.

In Hohenau an der March (NÖ) wird Bipa einziehen, nach Obersiebenbrunn kommt Billa. Der ehemalige Zielpunkt in Hohenau liegt strategisch sehr günstig zwischen Hauptstraße und Anfahrt zum Bahnhof und hat zudem einen großen Parkplatz.

Denn’s Biomarkt übernimmt zumindest fünf Märkte, darunter sind zwei Top-Outlets, nämlich in der Alser Straße 28 in Wien sowie in der Inneren Stadt (Singerstraße). In Bruck an der Leitha wiederum hatte Zielpunkt einen Markt im bekannten Fachmarktzentrum. Doch dort ist auch ein Eurospar. Spar soll angeblich eine Klausel haben, dass im Falle eines Zielpunkt-Abzugs kein Nachmieter aus dem LEH einziehen darf. Kirchberg an der Pielach bekommt Billa.

Spar hat insgesamt 27 Märkte bewilligt bekommen, davon 16 ohne Auflagen. Spar hat aufgrund der niedrigeren Marktanteile in Wien weniger weitreichende Auflagen erhalten. So müssen fünf nahegelegene Märkte bei Zielpunkt-Standorten geschlossen werden, zwei Flächenreduktionen erfolgen und vier Kaufleute als Betreiber agieren. Drei Standorte dürfen nicht übernommen werden, darunter St. Gallen (Stmk.) und die Wiener Ungargasse 64, die übrigens beide auch Rewe nicht übernehmen darf. Spar wird für Umbauten und Modernisierungen einige Monate benötigen.

Übernahmen. Im burgenländischen St. Margarethen wurde mit Penny gerechnet, in Horitschon mit Rewe. Allerdings: Das ist aufgrund der BWB-Auflagen nun nicht mehr möglich, jetzt wird wieder mit Interessenten verhandelt. In St. Margarethen soll der bestehende Spar verlegt werden, lauten örtliche Gerüchte. Nach Illmitz im Seewinkel kommt Spar (Kauffrau Zsabetich). Kastner (Nah&Frisch) prüft angeblich einen Standort in NÖ (Pfaffstätten). Lidl übernimmt die beiden Wiener Standorte Schanzstraße (15. Bezirk) und Thaliastraße (16.) und bis zu acht weitere Märkte in Wien. Der ehemalige Zielpunkt in Bad Vöslau (NÖ) wird von Pagro Diskont (140 Shops) übernommen. Eröffnung: 14. April.

Das FMZ in Siegendorf im Burgenland (zwischen Eisenstadt und Sopron/Ödenburg) wurde an eine Tochterunternehmung der Firma Novomatic veräußert. Ursprünglich waren Penny und Bipa vorgesehen, den Zuschlag erhielt Zielpunkt, weil Baugenehmigungen auf sich warten ließen. Das FMZ soll bis 2017 neu aufgestellt werden. Geplant ist ein Um- und Ausbau. Deshalb wurde aktuell eine Nachmietung in Folge des Zielpunkts noch nicht angestrebt. Als möglicher Kandidat für den künftigen Lebensmittler im FMZ werden Billa (Standortabtausch) oder Penny gehandelt.