Interview: Spar-Vorstandsdirektor Hans K. Reisch über Investitionen, Trends im Ladenbau und neue Projekte

Spar schaffte magische 30-Prozent-Marke

  • Expansion: 100 Neubauten und Modernisierungen
  • Spar-Konzern investiert heuer 550 Mio. Euro
  • Neue Projekte in Modena und Bologna

REGAL: Wie sieht die Expansionsstruktur für 2016 aus?
Reisch: Im Filialbereich sprechen wir von 70 ­neuen Standorten, Standortverlegungen, Relaunches und Modernisierungen.

Wie viele davon sind Neubauten?
Es wird 25 Neueröffnungen geben, inklusive Standortverlegungen.

Die Zielpunkt-Standorte kommen zu dieser Zahl von 70 noch hinzu?
Ja. 25 mindestens.

Wo sind diese?
Der Schwerpunkt ist Wien und ein paar sind in Niederösterreich, dem Burgenland und in der Steier­mark.
Wie wirkt sich die Übernahme der Zielpunkt-Märkte auf den Marktanteil der Spar aus? Nachdem die Zielpunkt-Umsätze nicht mehr re­levant waren, ist das schwierig abzuschätzen. Wir können nur sagen, ob der Standort für uns interessant ist oder nicht. Auch das Besetzen von weißen Flecken spielt hier eine große Rolle. Aber die Marktanteilsentwicklung, die dadurch passiert, ist eher vernachlässigbar.

Und unabhängig von Zielpunkt?
Wir sind bei gut über 30 Prozent Marktanteil. Für uns eine schöne Situation, wir wollten immer über die 30er-Marke gehen. Das haben wir geschafft.

Was wird insgesamt investiert?
550 Millionen Euro im In- und Ausland.

Wieviel davon geht nach Österreich?
Rund die Hälfte der 550 Millionen.

Die Flotte der Spar-Kaufleute wuchs von 2014 auf 2015 um zehn Standorte auf 784. Wird es heuer in einer ähnlichen Größenordnung weitergehen?
Das kann man noch nicht sagen, weil noch nicht entschieden ist, ob es Filialabgaben gibt oder nicht. Es wird aber sicher auch im Einzelhandelsbereich Expansion geben.

2015 gab es viele Neueröffnungen im Spar-Universum. Ein erstes Resümee über die Entwicklung?
Wir sind innerhalb unserer Pläne in allen Neueröffnungsbereichen, ganz egal, welches Format.

Wo gibt es das größte Wachstum?
Wenn Sie damit meinen, welcher Vertriebstyp das größte Wachstum erzielt, so kann ich dazu nur sagen, dass das standortspezifisch ist.

Ein Blick in die Bundesländer. Wo setzt die Tanne ihre Schwerpunkte?
Im Osten Österreichs. Ein Schwerpunkt für uns ist weiterhin Wien. Aber die Expansion zieht sich durch alle Bundesländer. In Oberösterreich sind wir stark expansiv. In Tirol haben wir einige schöne Projekte, auch in Vorarlberg wachsen wir weiter.

Welche konkreten Projekte gibt es?
Wir werden zum Beispiel im Herbst in Wien Floridsdorf den total erneuerten Interspar eröffnen. Im November wird der Interspar in Mistelbach in neuem Glanz erstrahlen.

Auch in Sachen Logistik hat die Spar für heuer noch große Eröffnungen vor sich.
In Wels läuft der Probebetrieb der dritten Baustufe. In Ebergassing sind wir gerade dabei, in einen Probelauf zu gehen. Die offizielle Inbetriebnahme der beiden Lagerhäuser wird im Juni sein.

Was werden sortimentsseitige Schwerpunkte sein?
Ausbau der Regionalität, der Lokalität und der Convenience. Spar enjoy ist weiterhin ein starkes Thema.

Wo liegt der Eigenmar­ken-Anteil derzeit?
Bei 39 Prozent.

Tendenz steigend?
Es wird natürlich immer wieder neue Produkte geben, das Sortiment wird laufend erweitert und verändert. Einführungen neuer großer Produktlinien sind aktuell keine geplant.

Wie viele Spar-Märkte sind energietechnisch auf gutem Stand?
Jeder neu eröffnete Standort verbraucht bereits jetzt um 50 Prozent weniger Energie gegenüber einem herkömmlichen Markt. Wir sparen derzeit 40 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr. Alle Standorte sind ÖGNI-Gold-zertifiziert. Der Eurospar Ried hat sogar eine ÖGNI-Zertifizierung in Platin erhalten. Wir verzichten inzwischen komplett auf fossile Brennstoffe, haben zu 100 Prozent LED in den Märkten. Somit sind wir im Energie-Bereich sicher federführend.

Wo geht die Reise hin?
Das ist ein laufender Prozess, der das Ziel verfolgt, bis 2050 um 50 Prozent weniger Energie zu verbrauchen und um 90 Prozent weniger Treibhausgase zu produzieren als 1990.

Gibt es hier genügend Angebot von österreichischen Herstellern?
Wir arbeiten sehr gut mit unseren Investitionsgüter­lieferanten zusammen. Zum Teil haben wir auch die Entwicklung gemeinsam mit ihnen gemacht – etwa mit Zumtobel bei LED-Beleuchtung.

Stichwort elektronische Preisbeschilderung. Seit langem ein Thema, warum tut sich ESL in Öster­reich dennoch schwer?
ESL hatte eine sehr langsame Entwicklung. Die Entwickler haben lange nicht das Richtige auf die Welt gebracht. Inzwischen sind wir bei einem elektronischen Papier, das besser lesbar ist als jedes herkömmliche Regal-Etikett. Damit könnte das Thema jetzt gesellschaftsfähig werden. Jetzt verhindert „nur mehr“ die Preissituation einen Roll-out. Die Endstufe wäre die Steuerung über Solarpanels. Da gibt es bereits erste Entwicklungen.

Was sind die Entwicklungen im Kassen-Bereich. Auch das Thema Tunnelscanner ist etwa ein „ewiger Dauerbrenner“.
Der Tunnelscanner an sich wäre nicht das Problem, sondern die RFID Chips, die man auf jeden einzelnen Artikel hinaufgeben müsste. Die Technologie würde bestehen, aber es ist noch nicht umsetzbar. Wo wir Entwicklungspotenzial sehen, ist beim Thema Self-Checkout ohne Bargeld, via NFC. Wir machen dazu erste Tests in Graz und in Wien an der WU. NFC ist überhaupt ein wichtiges Thema. Unter den Kartenzahlungen kommen bereits 40 Prozent über kontaktloses Bezahlen. Wir kommunizieren dieses Thema immer mehr, etwa auch über das Flugblatt.

Ein Blick auf die ausländischen Märkte?
In Ungarn läuft es sehr positiv. Die extreme Lebensmittelaufsichtsgebühr von bis zu sechs Prozent des Umsatzes ist zum Glück vom Tisch.

In Norditalien ist Spar mit über 550 Standorten vertreten.
In Italien freuen wir uns über unsere ersten Märkte in der Emilia Romagna. Hier werden wir weiter expandieren. Modena oder Bologna stehen am Plan.

In Kroatien wurden vor zwei Jahren 20 Diona-Standorte übernommen.
In Kroatien sind wir innerhalb unserer Pläne. Die Diona-Standorte entwickeln sich gut und die Expansion schreitet weiter voran. So haben wir kürzlich in Split einen neuen Interspar eröffnet. Slowenien ist ein Dauerbrenner im positiven Bereich mit schönen Ergebnissen.

Neue Länder?
Vorerst nicht. Wir müssen unsere Hausaufgaben in den bestehenden Märkten machen.

Vielen Dank für das Gespräch.