Kauffrau übernimmt Zielpunkt

Bravo Zsabetich

  • Umsatz des Standorts soll sich bei drei Millionen Euro bewegen
  • Allein 500.000 Euro Invest für Ladenbau
  • Holz-Optik verblüfft, LH Niessl bei Eröffnung

Spar-Paradekauffrau Bettina Zsabetich baut ihre Filial-Flotte im Burgenland neuerlich aus. Nach Standorten in Breitenbrunn (350 m2), Purbach (560 m2) und Mönchhof (470 m2) brachte sie ihren vierten Markt ans Netz. Ein neuer Standort in Illmitz am Neusiedler See.
Das Besondere: Der Standort gehörte der ehemaligen Zielpunkt-Flotte an. „Für mich war sofort klar: Ich möchte diesen Markt haben“, so die selbstbewusste Sparianerin. Sie hatte sofort eine Vision, eine Idee und setzte diese nach dem „Go“ der Ost-Spar sukzessive um.

Dabei blieb kein Stein auf dem anderen und Zsabetich setzte ihre Pläne konsequent um. Rund 500.000 Euro stellte sie alleine für den Ladenbau auf. Ein Investment, mit dem die Sparianerin auch völlig neue Wege beschreitet. „Ich habe voll auf das Spar-Ladenbau-2.0-Konzept gesetzt und etwa dem selbst entwickelten Marktplatz kombiniert.“ Herausgekommen ist: „Betty ist nicht Mainstream. Ich bin speziell. Und der neue Markt ist es auch.“

Das wiederkehrende Element heißt Eiche. Bekannt von den Wein-Eichenfässern der Region ist sie auch im Neo-Markt omnipräsent. Im Eingangsbereich. Bei der Feinkost-Theke. Beim Regional-Meter. Im Marktplatz. Oder in der Kassenzone.
In jedem dieser Herz-Stücke arbeitet Zsabetich mit der Holz-Optik. Im Eingangsbereich noch von einem übergroßen Panorama-Bild mit lokalen Produzenten untermalt sowie Fotos der Regional-Kaiser in der Nähe der eingelisteten Produkte. „Ich habe vielleicht nur zwölf lokale Produkte, aber die habe ich dann wirklich exklusiv.“ Etwa Paradeiser auf Stroh angebaut vom Biohof Leyrer.

Zsabetich wollte das Gefühl und Leben des Sees in den Markt holen. „Das ist ihr perfekt gelungen“, erklärten Landeshauptmann Hans Niessl und Spar Direktor Mag. Alois Huber bei der Eröffnung unisono.

Doch auch im Sortiment ging die Spar-Kauffrau neue Wege. So hievte sie den Geflügel-Bereich in die Bedien-Theke. „Das war mir ein besonderes Anliegen. Für mich ist dieser Schritt schlüssig.“ Speziell ist darüber hinaus der Marktplatz. Hier setzt Zsabetich auf ein neues Präsentationstool (originale Bauernkisten).
Insgesamt stehen 580m2 Verkaufsfläche und 60 Parkplätze zur Verfügung. Dennoch setzt die Sparianerin auf Eurospar-Sortimente. Gerade im Non Food II-Bereich. „Ich sehe mich in Illmitz als Warenhaus. Wir haben 3.000 Einwohner, sind an der äußersten Grenze Österreichs. Geographisch am tiefsten Punkt des Landes. Deshalb muss ich bei diesem speziellen Standort auch ein spezielles Sortiment anbieten.“ Zsabetich listet Klein-Elektrogeräte und auch Geschenksartikel ein.

Das Geheimnis liege dabei im „selbstständigen Handeln.“ „Es stimmt, der Großhandel bietet mir eine Rohspanne zwischen 24,5 und 25 Prozent. Na und? Das ist ein perfektes Rüstzeug. Es liegt am Kaufmann, seine Spanne so zu gestalten, dass er auch überleben kann. Zumindest ein Plus von drei Prozent Ertrag liegt in den Händen der Kaufleute.“ Es gelte die Flexibilität auszunutzen. „Das kann eine Filiale nicht in dieser lokalen Dimension. Ein Kaufmann muss bei vergleichbarem Standort immer noch ein Plus von fünf bis zehn Prozent mehr herausholen.“
Auch gegen steigende Aktionsanteile (je nach Standort zwischen 35 und 50 Prozent) hat Zsabetich nichts. „Wir brauchen Aktionen. Wir brauchen Eigenmarken, um uns im Markt behaupten zu können. Und ich muss margenschwache Artikel ja nicht immer in Augenhöhe präsentieren.“
In Illmitz startete die Kauffrau bewusst zurückhaltend. „Ich brauche nicht gleich mit brutalen Aktionen zu beginnen. Wir wollten mit einer starken Frequenz loslegen und diese auch halten, brauchen keine Lockangebote.“
Der Start ging auf. 1.000 Kunden kamen in den ersten Tagen. Und das in einem Ort von 3.000 Einwohnern mit Billa inklusive. Pro Jahr zielt Zsabetich auf einen Umsatz von drei Millionen Euro ab. Damit erhöht sich der Gesamt-Umsatz der Armada auf mehr als elf Millionen Euro.

Die Anforderungen an die übernommenen Zielpunkt-Mitarbeiter ist hoch. „Es gibt große Unterschiede in den Arbeitsweisen, aber auch in der Bedeutung von Sauberkeit. Wirklich top sind die Mitarbeiter puncto Freundlichkeit.“ Für das Gemeinschaftsgefühl leistete Zsabetich schon zum Start einen Beitrag und stattete das gesamte Team von 58 Mitarbeitern mit der altburgenländischen Weingarten-Arbeitskleidung aus. „Das passt zu uns. Wir wollten uns für unsere Region speziell präsentieren.“ In einem ist sich Betty mit der Illmitzer Bevölkerung jetzt schon einig: „Die Illmitzer können Feste feiern und ich kann das auch“, lacht Zsabetich.

Herbert Schneeweiß