Hofer. In Blitzeseile bekommen alle 450 Filialen einen neuen Schliff. Und einen Marktplatz.

Hofer neu: Erlebnis & Marktplatz

  • Umsatz auf über vier Milliarden Euro ­angewachsen
  • Zielpunkt-Umbau rollt an
  • Gewaltiger Roll-Out von neuem Ladenbau- Konzept
  • Kronegger und Székács ziehen in Geschäfts­führung ein

Paukenschlag bei Hofer. Der Diskont-Primus bringt seine neue Ladenbau-Ausbaustufe in Stellung. Mehrere Filialen wurden bereits auf das neue Design umgestellt, zwei davon erstrahlen besonders „grün“ – Bergland und Amstetten arbeiten völlig CO2-emissionsfrei.
Bis Ende September 2016 soll der Mega-Rollout über die Runden sein. Über 450 Filialen sollen dann in völlig neuem Design erstrahlen.

Neues Ladenbau-Konzept

Mehr Raumgefühl. Konkret: Hofer setzt auf ein größeres Raumgefühl. Die Preisauszeichnung von oben (begründet in der früher üblichen Paletten-Platzierung) ist zum überwiegenden Teil Geschichte. Die Gänge wurden verbreitert. Sortiments-Markierungen (Deckenhänger mit entsprechenden Sortiments-Bezeichnungen) erleichtern die Orientierung. Ebenfalls neu: Der Windfang wirkt durch Glaswände wesentlich luftiger. Überhaupt gilt: Statt Grau taucht Hofer seine Ladenbau-Elemente in sattes, wertiges Braun.

Erstmals Marktplatz. Erstmals wird es in den neu gestalteten Filialen auch einen Hofer Marktplatz, den Obstplatz geben. Oberhalb der Kühlung gibt es Panoramasujets. Auch das Kosmetikmöbel sowie das Weinregal wurden modifiziert. Es geht in Richtung Einkaufserlebnis, bestätigt auch Hofer-Generaldirektor Dr. Günther Helm.

Bildschirm. Der Kunde wird neuerdings mit einem „Welcome-Screen“ begrüßt. Für jede einzelne Filiale individualisiert. Aktuell noch als Standbild konzipiert, wird künftig auch Preis- und Imagewerbung über dem Bildschirm flimmern. Einer der Prototypen steht mit 861 m2-Verkaufsfläche in Amstetten.

BackBox. Die Sattledter arbeiten künftig Sortiments-Highlights besonders heraus. Erster Höhepunkt ist das mitten im Markt zentral gelegene Frische-Dreieck mit BackBox und integrierter CoolBox. „Mit diesem Tool haben wir bereits 420 Standorte ausgestattet“, so Helm. Der Rest soll noch in diesem Jahr folgen.

Der O&G-Bereich wurde in den letzten Monaten massiv ausgebaut. 80 Positionen (Schweiz 100) werden angeboten. Das aktuelle Möbel ist in Holzoptik getaucht. Integrierte Läden sollen den Mitarbeitern die Manipulation erleichtern. Das Holz-Tool ist so angelegt, dass in den oberen Ebenen die losen Früchte Platz finden, unten die voluminöseren Artikel eingeschlichtet werden können.

Wein-Segment. Der dritte Eckpunkt des Frische-Triangles (neben Backbox und O&G) ist der Wein-Bereich. Auch hier herrscht Holz-Optik vor. Neben der Wein-Präsentation im Regal setzt Hofer auf Zweitplatzierung mit zwei von Tischler gezimmerten Vollholz-Möbeln. Insgesamt setzt der Diskonter auf Spot-LED-Beleuchtung. Dabei werden die Frische-Artikel mit warmen Lichtnuancen angestrahlt. Beim Trockensortiment herrscht dagegen weißes, sauberes Licht vor, um die bunten Farben besser herausarbeiten zu können.

Kosmetik-Möbel. Hinterleuchtet wird künftig auch das neue Kosmetik-Möbel. Auch hier arbeitet Hofer mit weißem Licht, um Sauberkeit zu signalisieren. Auf der zweiten Längsseite des Marktes installierte der Diskont-Riese sein Fleisch-, Wurst- und Mopro-Artikel-Regal in SB. Mit zusätzlichen gekühlten Flächen. Im Test: In mehreren Filialen wird im Zuge der Kühlmöbelerweiterung mit dem natürlichen Kühlmittel (Propan) gekühlt. Der erste Prototyp kommt aus dem Hause AHT. Der Banner oberhalb des Kühlbereichs ist dabei Region für Region individualisiert und trägt dabei Landschaftszüge des jeweiligen Bundeslandes. Natürlich, trotz Erlebnis und Qualität, der Preis bleibe die DNA von Hofer.

Non Food II. Das Non Food II- und Aktionsprogramm blieb unverändert. Die Media-Box (mit CDs und DVDs) wurde als Zweitplatzierung aus dem Regalverbund genommen und findet neben den (versperrten) Glasvitrinen mit Premium-Elektro-Artikel seinen Platz.

Hartwurst-Präsentation. Neu ist auch die „Brettl-Jause“, die vis-a-vis des Kühlmöbels positioniert ist. Hier bietet der Diskonter Hartwürste in SB an. Wiederum herrscht die Holz-Optik vor. Das setzt sich auch im Kassen-Bereich fort. Die Kassen-Zone wurde kompakter gehalten. Gesunde Sortimente wurden in den üblichen Produkt-Paletten integriert. Auch hier kommt LED-Spot-Beleuchtung zum Einsatz. Auch der Pack-Bereich wurde ausgedehnt.

Hofer stellt sich neu auf

Umsatz. Ein Vorstoß, der vor allem dem boomenden Frische-Bereich geschuldet ist. Der Diskont-Primus habe die Vier-Milliarden-Marke durchstoßen. „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“, gibt sich Helm bedeckt.

Neue Hauptgeschäftsführer. Bestätigt ist dagegen die personelle Neuaufstellung des Diskont-Primus. Seit 2014 ist Dr. Günther Helm neben Generaldirektor der Hofer KG auch der alleinige Sprecher der Geschäftsleitung und hat somit die Gesamt-Verantwortung über. Ihm werden zwei Hauptgeschäftsführer zur Seite gestellt, denen Fachzuständigkeiten zugeordnet werden.
Die konkrete Zuteilung erfolge erst in den nächsten Monaten. Grob wird es aber um eine regionale, länderspezifische Aufteilung sowie einzelne Ressort-Verantwortung (Verwaltung, Einkauf) gehen.
Während Mag. Michael Kronegger bereits jetzt in Sattledt arbeitet und erste Funktionen übernommen hat, wird der bisherige Ungarn-Geschäftsführer Tibor Székács ab 2017 nach Oberösterreich wechseln.
Friedhelm Dold wird nach 40 Jahren bei Aldi-Süd und Hofer seinen wohlverdienten Ruhestand antreten. Dold leitete die Niederlassung in Rastatt am Rhein. Zuletzt wirkte der Manager zehn Jahre als Geschäftsführer für Hofer und hat dabei die erfolgreiche Entwicklung des Diskonters entscheidend geprägt.

Expansion Österreich

Elf Zielpunkt-Geschäfte. In Österreich will Hofer konsequent der 500-Standorte-Marke zusteuern. Aktuell halten die Sattledter bei 446 Märkten. Heuer wird der Diskont-Primus aber noch kräftig wachsen. Nicht zuletzt mit der Übernahme einiger ehemaliger Zielpunkt-Märkte. Neun Standorte (Marxergasse 29 – 1030 Wien, Gudrunstraße 144 – 1100 Wien, Rotenhofgasse 5 – 1100 Wien, Sechshauser Straße 48 – 1150 Wien, Krottenbachstraße 106 – 1190 Wien, Ruthnergasse 54 – 1210 Wien, Donaucitystraße 9 – 1220 Wien, Rennbahnweg 38 a – 1220 Wien und Preßburger Reichsstraße 5a-11 – 2410 Hainburg) sind fix.
Bei zwei weiteren Märkten gilt es noch Details zu klären. „Wir haben Dank unserer drei starken Teams in Wien Filetstücke bekommen“, so Helm.

Wien in Fokus. Wien bleibt Expansions-Gebiet Nummer eins. Bis Jahresende wird Hofer über 100 Wiener Outlets verfügen. „Wenn der Bevölkerungszuwachs in der Bundeshauptstadt weiter 20.000 Einwohner pro Jahr beträgt, werden wir pro Jahr einen neuen Hofer-Markt alleine in Wien eröffnen.“

Verkaufsflächen. Für die perfekte Sortimentsentfaltung und das Einkaufserlebnis braucht Hofer Verkaufsflächen von 1.000 m2. Doch auch darunter habe der Diskonter die Mittel, nahezu perfekt zu performen. Durchschnittlich kommt Hofer quer über die Armada gerechnet auf rund 872 m2. „In Tirol oder Salzburg sind alleine aufgrund der Raumordnung gar keine größeren Märkte möglich.“

Ausbau Logistik. Zwischen 120 und 160 Millionen Euro investierte Hofer in den letzten Jahren in seine Logistik. Für 2016 will Helm keine definitive Zahl benennen. Aber: Es werde einen neue Erweiterungswelle im Logistik-Bereich erfolgen. „Wo wir mehrere Millionen Euro einsetzen werden.“ Bis 2017 sollen die Drehscheiben in Trumau (NÖ), Stockerau (NÖ) und Loosdorf (NÖ) ausgebaut werden. Damit rüstet sich der Diskonter für neue Expansions-Schritte in Ostösterreich, wird ja Wien von diesen drei Verteilzentren beliefert.

Sortimente

Bio-Linie. Auf Ausbau ist auch das Bio-Sortiment „Zurück zum Ursprung“ gerichtet. Die Palette startete mit elf Artikeln und ist nun nach zehn Jahren bei 400 Artikeln angekommen. Marke und Markenführung werden von Sattledt aus gesteuert. Werner Lampert berät die Oberösterreicher. Helm lokalisiert weitere Potenziale vor allem im Fleisch-Bereich, wenn gleich der Bereich Bio-Fleisch kein einfaches Terrain sei.

Marken. Zudem geht es Hofer weiter um ein „One-Stop-Shopping“-Konzept. Die Frische wird ausgebaut, der Kunde idealerweise mehrmals pro Woche in die Märkte gebracht. Unique-Marken werden eingelistet. Aktuell entfallen aber mehr als 90 Prozent auf Eigenmarken. „Und das wird sich auch nicht ändern.“ Freude machen Helm zudem die Einlistung von Super-Foods wie Chia-Samen oder Goji-Beeren.

Non Food II. Im Non Food II-Bereich will Hofer künftig sensibel auf aktuelle Mega-Trends reagieren. „Die Artikel dort sollen zu unserer Policy passen.“
Artikel mit Strom-Einsparungspotenzial sind auch wichtig. „Wir haben zum Beispiel einen Batterie-Power-Pack angeboten, der sich mit Sonnen-Energie aufladen lässt.“ Verantwortung übernehmen sei die Direktive. Deshalb zimmert der Diskonter weiter an seinem Konzept des emissionsfreien Filial-Betriebs.
Darunter findet die Nutzung der Abwärme von BackBox und Kühlung zur Kühlung und Heizung eines Standorts genauso seinen Platz wie die Umstellung auf natürliche Kühlmittel. Zudem stellten die Sattledter auf Grünstrom um.

Mitarbeiter/Team. Schon 10.203 Menschen finden bei Hofer einen Arbeitsplatz. „Für Frauen mit gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit“, so Helm.
Dabei verfügt Hofer über einen enorm hohen Frauen-Anteil von 82 Prozent. Von den aktuell 364 Lehrlingen sind 246 weiblich. „Wir arbeiten sukzessive an unserer Employer-of-choice-Qualität.“
Auch in den verbundenen Ländern ist das Angebot für künftige Mitarbeiter groß. Das gelte auch für Geschäftsführungs-Positionen. Generell hebt Helm die Team-Leistung bei Hofer besonders hervor. Das leistungsstarke Team wird durch gute Rahmenbedingungen und ein überdurchschnittliches Gehalt gefördert.

Osteuropa/Schweiz

Ungarn. In Ungarn verfügt Hofer (tritt unter Marke Aldi auf) über 112 Filialen. 200 Standorte sind als Ziel definiert. „Die Expansion ist aufgrund der Rahmenbedingungen schwierig.“ Im Fokus stehen aber der Budapester Raum und andere große Städte. Hofer verzeichne aktuell zweistellige Zuwachsraten. Künftig könnte der Diskonter auch sein Tankstellen-Konzept (OMV als neuer Besitzer des ehemaligen Friesacher-Netzes) in Ungarn ausrollen.

Schweiz. Auch in der Schweiz zeigen die Umsatzkurven nach oben. Wachstum, wo alle anderen Marktteilnehmer stagnieren. Dabei setzt Hofer (tritt in der Schweiz ebenfalls unter Aldi auf) auf neue Filialen in urbanen Gebieten (Genf, Basel, Zürich, St. Gallen). Der starke Franken und die damit verbundene Abwanderung der Kunden ins Ausland mache die Performance aktuell schwierig. Derzeit sind 182 Geschäfte am Netz.

Slowenien. Aufgrund einer guten Marktdurchdringung befindet sich der Diskonter in Slowenien nahe am Expansionsende. Dort treten die Sattledter unter der Marke Hofer auf. 78 Geschäfte sind aufgeschaltet. „90 könnten es noch werden.“ Der Hauptfokus liegt auf Ljubljana.

Neue Länder. Der Einstieg in Tschechien und der Slowakei stehe nicht ante portas. „Wir bereiten aber nach wie vor den Markteintritt in Italien vor.“ Dort will der Diskonter von einer Logistikdrehscheibe südlich von Verona Norditalien beliefern. Auch das Expansionsbüro wurde in Verona installiert. Dabei kündigt Helm den Start mit „einer kritischen Masse“ an.
Die BackBox ist übrigens nicht nur in Österreich ein großer Erfolgs-Baustein, sondern schon zu 100 Prozent in Slowenien und Ungarn sowie zu 97 Prozent in den Schweizer Filialen implementiert.

Herbert Schneeweiß