Kastner: 155 mal Nah&Frisch sowie starke Gastro-Schiene

Kastner: Turbo

  • Gruppen-Umsatz legt um drei Prozent zu
  • Wachstumsmotor bleibt Bio: Biogast wächst um 9,8 Prozent
  • Sechs Millionen Euro Investition in Flotte

Zwettl. Im Herzen des Waldviertels. Mit his­torischer Altstadt. Drei­faltigkeitssäule. Zisterzienserstift oder dem Barockschloss Rosenau. Doch nicht nur der geschichtliche Flair ist omnipräsent. Auch ein Familienunternehmen drückt der Bezirkshauptstadt längst den Stempel auf. Kastner. Alleine 31 Millionen Euro Wertschöpfung pumpt der Familienbetrieb jährlich in die Regionen. In Form von Steuern, Abgaben oder Löhnen. 1.600 Mitarbeiter sind direkt oder indirekt vom Wohl und Wehe des Großhändlers Kastner abhängig. „Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst“, so Geschäftsführer Christof Kast­ner, der just zu seinem 50. Geburtstag neue Rekordwerte prognostiziert.

Sind 2015 noch 206,27 Millionen Euro erwirtschaftet worden, so wird diese Zahl trotz deflationärer Preisspiralen steigen. „Wir liegen in der Gruppe rund drei Prozent im Plus“, so Kastner im REGAL-Gespräch. Zuwachsraten gibt es in sämtlichen Kastner-Bereichen.

Bio. Am stärksten im Bio-Bereich. „Wir sind hier zu einer echten Größe geworden.“ Mehr als 40 Millionen Euro lukriert das Zwettler Großhandelshaus biologisch. „Das sind 20 Prozent unserer Umsätze.“ Der wichtigste Motor dabei: Biogast. 15.000 Artikel sind mittlerweile aufgeschalten. Mit einem Stock von 1.500 Kunden. In- und Ausland. Denn längst werden auf Zuruf auch Kunden aus den Nachbarländern beliefert. Deutschland. Tschechien. Slowakei. „Uns ist aber der Heimmarkt Österreich wichtig“, so Biogast Geschäftsführer Horst Moser. Der den Bio-Gesamtmarkt für Bio-Supermärkte mittlerweile als mehr als 200 Millionen Euro schwer benennt. „Mit weiterer Wachstumsgarantie.“ Alleine heuer steht ein Plus von neun Prozent zu Buche.
Die Bewegung im Bereich Bio ist enorm. „3.000 Artikel werden jährlich abgetauscht. Zwei Drittel davon lieferantenseitig.“ Mit 15.000 Produkten im Portfolio ist zwar der Zenit erreicht. Dennoch habe der Bio-Boom folgen für die Zwettler Lager-Drehscheibe. „Wir kommen langsam an unsere Kapazitätsgrenzen“, so Kastner. Ein Master-Plan zum Bewältigen der Engpässe liegt vor. Absiedelung des Abholmarkts. Erschließung von weiteren Lagerflächen um 8.000 m2. „Das ist noch Zukunftsmusik.“ Denn heuer wurden noch 200.000 Euro in die Revitalisierung des C&C-Standorts gesteckt.

Pläne im C&C-Bereich. Genauso wie weitere 4,5 Millionen Euro für die Neuaufstellung des Flaggschiffes in Eisenstadt. „Hier werden wir an allen Schräubchen drehen. Innen werden neue Maßstäbe gesetzt. Und außen wollen wir mit einer Fassade, die dem Schilfgürtel nachgeahmt ist, punkten“, so Kastner. Doch das Investitionspaket ist noch wesentlich dicker: „Wir haben auch für die Nah&Frisch mehrere hunderttausend Euro bereitgestellt“, so der Geschäftsführer. Macht für 2016 einen Invest-Brocken von sechs Millionen Euro. „Beträge, die wir aus dem Cash Flow finanzieren.“ Die Eigenkapitalquote liegt mittlerweile bei 55 Prozent.
Umbauvorhaben. Und auch für 2018 liegen neue Umbaupläne auf den Tisch. „Wir wollen Amstetten und Wien auf den neuesten Stand bringen.“

Gastro. Schon jetzt explodieren die Gastro-Dienst-Erlöse. „Wir liegen heuer bei Zuwachsraten von sieben Prozent.“ Sicher ist: „Wir wollen unsere Präsenz in West-Österreich erhöhen.“ Schon jetzt ist Kastner öster­reichweit tätig. „Wir fahren Innsbruck drei Mal pro Woche an.“ Bis Salzburg werden sämtliche Kundenbeziehungen mit eigener Logistik bestritten. In Vorarlberg und Tirol werden entsprechende Dienstleister herangezogen. Ein Umschlaglager ist in Oberösterreich ebenfalls bereits am Netz.

Auf Wachstum gepolt. Rahmenbedingungen, die den Zwettlern auch bei möglichen Expansionsschritten bei Nah&Frisch weiterhelfen könnten. Das Kastner-Reich führt schon jetzt von Allerheiligen bis nach Wildon. Burgenland. Nieder­österreich. Wien inklusive. Jeder Ausbauschritt brauche ausgeklügelte Logistik-Lösungen. „Wir können entsprechende Summen aus dem Cash Flow finanzieren.“
Nah&Frisch. Aktuell sind 155 Nah&Frisch-Geschäfte am Netz. „Drei Eröffnungen sind für 2016 noch geplant.“ Bisher wurden neun Standorte und acht Geschäftsübernahmen durchgeführt. Dazu 17 Projekte im Ladenbau und 15 in der Regaloptimierung vom Stapel gelassen. „Es gibt Leben in den Geschäften. Wir konnten auch die Rohaufschläge weiter erhöhen.“ Insgesamt zeigt sich der Großhandel aktuell mit einem Prozent im Plus.

Online. Einen Boom erkennt Kastner auch im Online-Bereich mit der Tochter-Unternehmung myproduct.at. „Wir haben aktuell eine neue Kooperation mit der AUA laufen, wo wir den Passagieren im Flugzeug bei Langstrecken-Flügen Online-Einkauf ermöglichen und dann zuhause die Produkte zur Verfügung stellen können.“ Darüber hinaus wird im Oktober eine adaptierte Form des Kastner Online-Shops vom Stapel gelassen. „Wir bieten dabei 70.000 Artikel an.“ Die Highlights sind dabei eine ausgeklügelte Suche, das Ermöglichen von Bestellkommentaren und eine Klick-vor-Tastatur-Funktion.

Herbert Schneeweiß