Gutes Personal zu finden ist laut Rewe Vorstandsboss Frank Hensel weiter ein Problem.

Frank Hensel, Vorstandschef

Rewe: Plus 4 Prozent

  • Rekord: Hensel pumpt 500 Mille in den Markt
  • Umsatz steigt heuer um vier Prozent. Bravo!

Rewe erhöht heuer die Investitionen kräftig. „Nach 400 Millionen in früheren Jahren investieren wir heuer 500 Millionen Euro“, gibt Vorstandschef Frank Hensel bekannt. Satte 300 Millionen davon, auch viel mehr als früher, entfallen auf Österreich. „Das ist vor allem wegen Zielpunkt, wo wir die 25 übernommenen Märkte rasch umstellen“, so Hensel.
Auch die gesamte Rewe kann nach den Rekordgewinnen des letzten Jahres die Investitionen von 1,3 Milliarden Euro (2015) aufstocken. Rewe-General Alain Caparros. „Wir erhöhen heuer die Investitionen auf 1,6 Milliarden Euro.“

80 neue Märkte in Österreich. Insgesamt wird es heuer 61 Umbauten geben und netto 80 neue Märkte. Aber auch das übernommene Zielpunkt-Lager in Wien-Inzersdorf kostet nun Geld. Dieses wird nun, so Manager Alfred Propst auf REGAL-Frage, in den nächsten 18 Monaten zu einem Frische-Lager für Ost-Österreich umgebaut.
Dass Billa mit selbständigen Kaufleuten oder Franchise startet, schließt Hensel gegenüber REGAL mittelfristig nicht ganz aus. Wachstumstreiber war in Deutschland im Vorjahr das Rewe Supermarktgeschäft (+4,4%). Herausragend, so Caparros, war dabei die wirtschaftlich Entwicklung der mittelständischen Rewe-Kaufleute, deren Umsatzplus von 7,8 auf 10,6 Prozent anstieg.

Umsätze. In Österreich erhöhte sich der Umsatz von Billa, Bipa, Merkur und Adeg um 1,6 Prozent auf rund sechs Milliarden Euro; dazu trugen Billa und Merkur in ­Österreich mit einem Plus von 1,9 Prozent bei. Heuer kann Rewe durchaus ein Plus von vier Prozent erreichen.

Der Gesamtmarkt wächst heuer um zwei Prozent, prognostizierte Hensel, es komme endlich wieder zu einem realen Plus. Dieses gebe es auch beim Personal, verglichen zum Vorjahreszeitraum zähle man bei Rewe Österreich 1.050 Mitarbeiter mehr. „Der Handel funktioniert weiter als Jobmotor“, so Hensel. Auf 1,5 Ausbildungstage pro Jahr komme man derzeit bei Billa. Das Finden von gutem Personal sieht Hensel weiter als Problem.
Von der Steuerreform profitiere der Lebensmitteleinzelhandel ebenso. „Ich finde es gut, dass wir überhaupt eine bekommen haben“, sagt Hensel. Man hätte die Steuerreform aber besser bewerben müssen. „Ich hoffe, dass es keine Einmalaktion für die nächsten zwanzig Jahre ist.“

Onlinehandel kostet Geld. Der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz könnte in den nächsten Jahren auf bis zu fünf Prozent wachsen, jetzt koste er noch Geld. Wann damit schwarze Zahlen geschrieben werden, könne er nicht sagen. Es werde jedenfalls weiter in Digitalisierung investiert, sie sei die größte Revolution, „die je stattgefunden hat.“

Nachhaltiges ­Handeln. Schon lange in das Tagesgeschäft der Rewe Einzug gehalten, hat das Thema Nachhaltigkeit. „Es ist Teil unserer Unternehmensstrategie und unserer Kerngeschäfts und zieht sich durch sämtliche Bereiche“, skizziert Hensel und betont: „Wir wollen und müssen zukunftsorientiert handeln. Die nachhaltige Ausrichtung ist auch für den wirtschaftlichen Erfolg und das Wachstum der Rewe ausschlaggebend. Wir wollen eine breite Auswahl an wertvollen Lebensmitteln zur Verfügung stellen.“

Grüne Produkte. Ein Schwerpunkt in der Nachhaltigkeitsstrategie sind grüne Produkte. So stieg der Ja! Natürlich-Umsatz im Vorjahr von 355 auf 368 Millionen Euro. „Ein Plus von vier Prozent“, erklärt Hensel und führt aus: „Bio insgesamt wuchs in der Rewe International um sieben Prozent.“ Der Bio-Anteil bei O&G kommt auf 15 Prozent, bei Eiern auf 35 Prozent.

Pro Planet. Erfreulich ist laut Hensel die Entwicklung der mit dem unternehmenseigenen Gütesiegel „Pro Planet“ ausgezeichneten Produkte – nachhaltige Produkte im konventionellen Bereich. „Waren es bei der Einführung im Jahr 2010 noch sieben Millionen Euro Umsatz, ist dieser seither auf 110 Millionen Euro angewachsen“, freut sich Hensel und führt weiter aus: „Die Fairtrade-Produkte konnten 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zulegen. Und Produkte mit MSC-Siegel steigerten den Umsatz um neun Prozent.“

Plastiksackerl an Kas­sa bald passé. Einen Meilenstein im österreichischen Lebensmittelhandel setzt die Rewe auch, in dem sie sich vom Plastiksackerl an der Kassa verabschiedet. „Nach einer kurzen Übergangszeit wird das Plastiksackerl 2017 in sämtlichen Vertriebsschienen der Rewe an der Kassa ausgedient haben und stattdessen mit Permanent- und Papier-Tragetaschen ersetzt“, kündigt Hensel an und erklärt: „Es geht vor allem darum, dass wir die Kunden dafür begeistern, eine Mehrfachnutzung entsprechend zu leben.“ Bereits jetzt liegen keine Knotenbeutel an der Kassa mehr auf, sondern nur noch in der O&G-Abteilung.

Green Building. Zügig vorangetrieben wird auch das Thema Energieeffizienz. „2008 wurde eine Billa Filiale als erster Lebensmittelmarkt in Europa mit Green Building ausgezeichnet. Und noch heuer soll bereits die 1.000 Energiesparfiliale eröffnen“, betont Hensel und skizziert: „Mit dieser Maßnahme kann jährlich der Stromverbrauch einer Stadt mit 30.000 Haushalten eingespart werden.“

Gregor Schuhmayer