Henkel Zentrale in Wien

90 Jahre Produktion in Wien. Henkel CEE-Präsident Mag. Günter Thumser im REGAL-Exklusiv-Gespräch

Henkel: Marke, Standort und viele Innovationen

  • Ausbau in Wiener Werk heuer auf 300.000 Tonnen
  • Silan Supreme aus Wien ab 2017 für Henkel weltweit produziert
  • Ziel: Verdoppelung des Digitalumsatzes

Regal: Herr Präsident Mag. Günter Thumser, Sie haben 32 Länder in der Verantwortung, wie lief das Jahr 2016?
Thumser: Wir hatten insgesamt ein gutes Jahr in der Region CEE. Rumänien zeigte ein schönes Wachstum ebenso wie die Länder unserer Adria-Region. Auch am Heimmarkt Österreich waren wir gut unterwegs. In der Kategoriebetrachtung sind wir über alle Bereiche hinweg gewachsen.

Die Innovation Duo Caps liefen hierzulande weniger gut.
Die Duo Caps verzeichnen in Österreich einen langsamen Start. Hier hält der Konsument an seiner Dosierhoheit beim Waschen fest. Erfreulich ist aber, dass die Duo Caps in anderen Ländern unserer Region wie beispielsweise in Polen, Tschechien oder Slowakei sehr erfolgreich sind. Dort kommt diese Art von Waschmittel gemessen am Universalwaschmittelmarkt schon auf Anteile von 20 bis 30 Prozent. Und das obwohl in diesen Ländern das verfügbare Einkommen niedriger als bei uns ist. Das ist ein gutes Beispiel, wie sich die Akzeptanz von Innovationen von volkswirtschaftlichen Kennziffern positiv entkoppeln kann.

Henkel produziert seit 90 Jahren am Standort in Wien-Erdberg. Wie geht’s weiter?
Der Standort Wien-Erdberg ist stärker denn je. 2016 kamen wir auf eine Jahresproduktion von 270.000 Tonnen, konnten somit noch einmal 20.000 Tonnen drauflegen. Heuer peilen wir die 300.000 Tonnen-Marke an.

Wie schafft es Henkel, den innerstädtischen Standort über die Jahre hinweg so gut zu entwickeln?
Da gibt es mehrere Erfolgsfaktoren. Zum einen herrscht ein interner Wettbewerb. Wir benchmarken uns permanent mit unseren Werken in Polen, Ungarn, Serbien. Wir haben uns frühzeitig entschieden, die Pulverproduktion zu verlagern und uns voll auf Flüssigwaschmittel zu fokussieren. Das brachte einen enormen Effizienzschub. Heute sind wir innerhalb des Henkel-Konzerns weltweit der größte Flüssigwaschmittelproduzent. Gerade haben wir eine 11. Linie in Vollbetrieb genommen. Wir produzieren ab 2017 in Wien das neue Silan Supreme für Henkel weltweit. Die größte Herausforderung bleibt die Logistik. Hilfreich ist unser 53.000 Palettenstellplätze umfassender Logistikstandort in Wien-Meidling.

Ein Innenstadtstandort ist gegenüber Standorten auf der grünen Wiese benachteiligt.
Klar. Aktuell werden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft 12-stöckige Wohnhäuser mit Balkonblick auf unsere Produktion gebaut. Ein Wahnsinn.

Investitionen?
Wir investieren permanent in Sicherheit und Umwelt. Heuer fließen wieder insgesamt zehn Millionen Euro in die Standorte Wien-Erdberg und Wien-Meidling.

Was sind Ihre wirtschaftspolitischen Forderungen?
Bundeskanzler Kern hat in seiner Rede vieles angesprochen. Jetzt warten wir dringend auf die konkrete Umsetzung der angekündigten Reformen. Wir brauchen Taten statt Worte. Ein wichtiger Punkt ist die Arbeitszeitflexibilisierung. Die hohe Besteuerung der Lohn- und Arbeitskosten gehört gesenkt. Im Vergleich zu Deutschland haben wir um über 17 Prozent höhere Lohnnebenkosten. Zudem gibt es in Österreich eine Abgabenbelastung für Unternehmen jenseits der 50 Prozent! Das ist leider Spitze. Bürokratieabbau ist ein Dauerbrenner.

Der Henkel-Konzern hat vor kurzem in der Düsseldorfer Zentrale sein Strategiepapier „Henkel 2020+“ vorgelegt, das vier Prioritäten setzt: Wachstum vorantreiben, Digitalisierung be-schleunigen, Agilität steigern, in Wachstum investieren. Inwieweit schlägt das auf Österreich durch?
Digitalisierung ist zum Beispiel ein wichtiges Thema. Hier arbeiten wir eng zusammen mit unseren Handelspartnern, die ihre jeweiligen Online-Plattformen betreiben. Eine Verdoppelung des Digitalumsatzes wird uns auf jeden Fall gelingen. Gerade bei Waschmittel gehen wir von einer Dynamisierung des Geschäftes aus. Bei Weichspüler ist der Vertrieb über Online-Kanäle aufgrund des Duftes, den der Konsument oft schon am Regal ausprobieren möchte, weniger ein Thema.
Mit unserer Vollstruktur von Produktion und Verwaltung können wir auf den Markt bezogene Entwicklungen stärker und schneller vorantreiben. Um den Konsumenten zu verstehen, stehen wir traditionell in enger Kooperation mit dem Handel und liefern Consumer-Insights.

Ausblick auf 2017?
In unserer Strategie Henkel 2020+ beträgt der Wachstumskorridor beim globalen Umsatz zwei bis vier Prozent. In Österreich wollen wir über dem Markt wachsen. Der Werbedruck wird auf Vorjahresniveau liegen. Wir forcieren auch heuer unter anderem wieder das Thema Nachhaltigkeit. Stichwort Niedrigtemperatur mit 20 Grad, Kompaktierung mit weniger Chemieeinsatz. Konkret haben wir bereits bei der Silanflasche den Recyclatanteil auf 50 Prozent erhöht.

Danke für das Gespräch.

Robert Falkinger