Hofer-General Dr. Günther Helm

Hofer setzte 2016 über 4 Milliarden um

Hofers Ziel: 500 Märkte

  • Neuer Vorstoß bei Fleisch und Wurst: 14 Fairhof-Produkte aufgeschaltet
  • Flotte soll auf rund 500 Geschäfte wachsen

2015 durchbrach Hofer erstmals die vier Milliarden Euro Umsatz-Marke. 2016 legte der Diskontprimus noch eine Schippe drauf. „Wir sind noch einmal gewachsen. Wenn der Mitbewerb jubelt, sind wir gerade zufrieden“, gibt sich Hofer-General Dr. Günther Helm kämpferisch. Hofer hält demnach sein Tempo, liegt mittlerweile bei gut über vier Milliarden Euro und legte ein Umsatzrekordjahr hin. Mehr noch: Die Diskont-Flotte ist mit seinen 480 Märk­ten eigenen Angaben zufolge bei einem Marktanteil von 21 Prozent angekommen.

Tendenz weiter steigend. „Wir gewinnen laufend Prozentpunkte dazu.“ Die Erfolgsfaktoren für die Entwicklung liegen für Helm auf der Hand: Starke Expansionstätigkeit, Sortiments-Vertiefung, BackBox und Frische-Vorstoß.
Bis September 2016 wurden alle Hofer-Märkte in einem General-Relaunch entsprechend adaptiert. Dazu kamen generelle Entwicklungen im österreichischen LEH. „Natürlich konnten wir auch von der Zielpunkt-Pleite profitieren, einerseits was ehemalige ZIP-Kunden betrifft. Andererseits mit neuen Standorten.“ So brachte der Diskonter elf ehemalige ZIP-Flächen ans Netz.

Und auch 2017 stehen die Zeichen auf Expansion: „Wir werden heuer noch die 100. Filiale in Wien eröffnen können. In der stark wachsenden Bundeshauptstadt sind überhaupt noch künftig Wachstumsfelder zu heben.“ Das Mittelfrist-Ziel von 500 Hofer-Geschäften ist schon heuer in Griffweite. „Wir werden die Zahl 2017 noch knapp verfehlen.“

Einen weiteren Wachstumsschub und Umsatzsprünge rechnet sich Helm mit kontinuierlicher Frequenzerhöhung aus. Hofer will sich deshalb mehr als One-Stop-Shopping-Stelle etablieren. Überlegungen hinsichtlich Kaffee-Ecken oder Flaschen-Rücknahmegeräten sind eine Schlagrichtung. Eine andere: „Die Stärkung des Frischeangebots“, so der Generaldirektor. Schon 2016 besuchten neun von zehn Österreichern einen Hofer-Standort. „Eine beachtliche Marke, die nur schwer zu toppen ist. Es geht aber darum, die Besuchs-Häufigkeit zu erhöhen.“

Lose Artikel bei Obst und Gemüse, aufgebackenes Brot und Gebäck – beides wurde bereits erfolgreich realisiert. Nun zimmert der Diskonter an einem Vorstoß bei Fleisch und Wurst. Der Hintergrund: „Wir wollen die herkömmlichen, konventionellen Fleisch- und Wurstartikel mit einem Zusatz-Benefit versehen.“

Konkret geht es dabei um eine Zusammenarbeit mit Fleisch- und Wurstverarbeiter Hütthaler und der neuen Dachmarke „Fairhof“. 14 Produkte werden gelistet. Sieben neue Innovationen verdrängen bestehende Artikel, sieben kommen komplett neu in das Sortiment. „Wir haben bei den letzten Ladenbau-Entwicklungen die nötigen Kühlflächen geschaffen.“

Dabei bietet Hütthaler die 14 Fairhof-Artikel exklusiv für Hofer an. Für den Diskonter gelten die Exklusiv-Verträge nicht: „Wir setzen zum Start auf Hütthaler, hoffen aber, dass sich die gesamte Branche Richtung dieser neuen Maßstäbe konzentriert.“

Konkret: Die Range ist zwischen der herkömmlichen konventionellen Ware und der Bio-Marke Zurück zum Ursprung positioniert. „Je nach Artikel werden die Produkte zwischen 15 und 20 Prozent mehr kosten als die ursprüngliche Ware.“ Dadurch profitieren auch die Landwirte, die künftig 0,414 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht auf den Börsenpreis (sowie eine Börsenabsicherung von mindestens netto 1,40 Euro) erhalten.

Möglich macht das ein neues Hütthaler-Tierwohl­programm, das auf den AMA-Gütesiegelkennzeichnungs-Katalog aufsetzt und weitere Tierwohl-Maßnahmen festschreibt. Die Eckpunkte: Statt 0,7 m2 Platz gibt es für Fairhof-Schweine 1,4 m2 Platz (beinhaltet einen Auslauf auf mindestens 25 Prozent der Stallfläche). Stroh-Einstreu ist als geeignetes, organisches Beschäftigungsmaterial verpflichtend. Die Fütterung der Tiere erfolgt dabei stets aus heimischem Naturfutter sowie gentechnikfreiem Donausoja. Auch die Schlachtung soll schonend erfolgen: Vorgesehen ist ein Abtransport der Tiere aus einem Umkreis von 50 Kilometer rund um den Schlachthof.

Die produktionsseitige Tren­­nung zwischen konventioneller und Bio-Ware ging bei Hütthaler längst in Fleisch und Blut über. Und wird auch beim Tierwohl-Segment akribisch umgesetzt. Und dennoch: „Wir planen 2017 ein neues Werk hochzuziehen.“

Im neuen Standort wollen die Oberösterreicher Schlachtung, Zerlegung und Teile der Produktion zusammenziehen. „Wir werden künftig auch die Aufgaben innerhalb der einzelnen Stätten umverteilen“, so Hütthaler. Für die konventionelle Ware wird künftig das bisherige Werk im Herzen Schwanenstadts zuständig sein. Im Neo-Betrieb wird Bio- und Tierwohl-Artikel produziert. Mehrere Millionen Euro werden die Ober­österreicher für den neuen Vorstoß bereitstellen. „Wir sind aktuell in der Einreichung, wollen aber noch heuer starten“, so Dr. Florian Hütthaler im REGAL-Gespräch.

Auch der Export bleibt ein Standbein. „Wir liegen hier bei einem Anteil zwischen zehn und 15 Prozent.“ Mit Platzierungen in Slowenien, Ungarn, Schweiz oder Deutschland. Im größten Nachbarland sieht Hütthaler auch Potenzial für die Tierwohl-Artikel. „Vielleicht können wir auch mit den LEH-Partnern mitwachsen.“

Herbert Schneeweiß