Billa-Vorstand Robert Nagele

Billa-Vorstand Robert Nagele über den digitalen Wandel

Billa setzt tolle Akzente

  • Dynamische Preisauszeichnung, Omnichannel Retailer
  • Umsatz in Richtung vier Milliarden Euro
  • 900.000 Kunden pro Tag
  • Billa Rundum-Versorger mit Filialen, Online, Abo-Bestellungen, Click & Collect, Digital POS, Dynamic Pricing

Billa sieht sich als Vorreiter, wenn es um den digitalen Wandel im Handel geht. „Bereits vor 17 Jahren haben wir mit unserem Online-Shop gestartet. Heute setzen wir alles daran, immer am neuesten Stand zu sein und forcieren Weiterentwicklungen im digitalen Bereich. Billa punktet vor allem mit der Frische im Online-Bereich“, so Billa-Vorstand Robert Nagele.
In Kürze wird die erste Click & Collect-Filiale in Wien eröffnen, bei der vorab bestellte Einkäufe abgeholt werden können. Erfreulich: Im Online kommt etwas mehr als 50 Prozent von der Frische.

Dynamic Pricing ist ebenfalls in der Pipeline und soll auch stationär angepasst werden. In den nächsten fünf Jahren erwartet sich Nagele die Einführung dieser Preissysteme, um hier „Waffengleichheit mit dem Online herzustellen“.
Dabei spricht der Billa-Vorstand davon, einzelne Sortimentsteile, individuell in jedem Standort je nach Lagerstand, automatisch zu reduzieren oder bei Verknappung erhöhen zu können. „Möglich macht diese Innovation erst ESL (Electronic shelf labeling)“, so Nagele. Der Roll-Out der elektronischen Preisauszeichnung dürfte REGAL-Informationen zufolge 2018 erfolgen.

Kundenkarten-Daten sind auch für die zukünftige Shop-Bestückung von Bedeutung. Mit rund 900.000 Kunden pro Tag (ca. 850 pro Filiale/Tag) ergeben sich zahllose Touchpoints mit den Konsumenten. „Monatlich werden 1,5 Milliarden Datensätze analysiert, um Promotions zu steuern, Standorte zu planen und Angebote auszuarbeiten.“
Vorteils-Club-Kunden gibt es vier Millionen, davon sind 1,5 Millionen Heavy User.

Digital POS. Für Nagele wird das Thema Digital POS immer wichtiger. „In unseren Filialen werden wir immer mehr mit Monitoren arbeiten“, so der Billa Vorstand und erklärt zudem: „Auch im Mitarbeiterbereich wird auf diese Technik zurückgegriffen. Beispielsweise im E-Learning-Bereich mit Tutorials und Lernvideos.“
Das Thema WLAN ist abgearbeitet. „Es sind seit diesem Sommer alle Filialen mit Wlan ausgestattet. Ebenso ist auch die Billa Online-Shop-App auf Schiene.“
Globaler Mitbewerb. Der Lebensmittelmarkt in Österreich hat ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro. Damit wird es künftig auch für globale Anbieter wie Amazon interessant sein, wenn fünf bis 20 Prozent des LEH auf digitale Marktplätze abwandern könnten. „Schon heute stellen Foodora, Uber Eats und Co. einen starken Mitbewerb im Spannungsfeld zwischen LEH und Gastronomie dar,“ sieht Nagele die Situation.

Rundum-Versorger. Billa stellt sich immer mehr in Richtung 360-Grad-Vollversorgung auf. „Wir brauchen den stationären Handel. Wir brauchen online, Abo-Bestellungen und Click-and-collect.“ Dem Billa-Vorstandsdirektor ist vor allem eine Rundum-Versorgung der Kunden wichtig. „Wir sind ein Omnichannel-Retailer: Billa überall, zu jederzeit und an jedem Ort. Wir beliefern jede Postleitzahl. Das ist ein Kundenservice, den wir anbieten.“
Smart-App. Pro Filiale gibt es laut Nagele einen Verantwortlichen, der mit einem Smartphone und einer entsprechenden App ausgestattet ist. „So können hier beispielsweise Temperatur-Dokumentation, Leistungsüberprüfungen oder Reklamationen schneller an die Zentrale übermittelt werden“, erklärt der Vorstandsdirektor und fügt hinzu: „Wenn es ein Problem bei der Anlieferung geben sollte, dann kann der Marktleiter ein Foto übermitteln.“

Mitarbeiter-App. Auch die App für die Mitarbeiter gehört schon zum Standard-Repertoire. Hier loggt sich der Mitarbeiter mit Personalnummer ein und kann dann auch auf Informationen zugreifen. „Über 7.000 Mitarbeiter haben die App bereits downgeloadet. Ebenfalls ist hier die Mitarbeiter-Kundenkarte hinterlegt.“ Zu den Themen der Zukunft zählen laut Nagele 3D, robotics und Artificial intelligence.

Umsatz. Billa erwirtschaftete im Vorjahr mit 1.056 Filialen laut RegioData einen geschätzten Umsatz von 3,57 Milliarden Euro. Der Umsatz pro Standort beträgt 3,4 Millionen Euro. Billa kommt laut RegioData auf eine Flächen-Produktivität von 6.000 Euro und einen Marktanteil von knapp 18 Prozent.

Gregor Schuhmayer