Anuga in Köln: Österreich mit 119 Ausstellern dabei. Neue Trends

Handel in Köln

  • Trendprodukte: Protein, Ready-to-go, vegetarisch
  • 7.400 Aussteller aus der ganzen Welt

Die internationale Leistungsschau für Lebensmittel ging in ihre nächste Runde. Die Anuga – der zweijährliche Stimmungsbarometer für die Branche, wo Preisentwicklungen diskutiert und Trends abgesteckt werden – enttäuschte auch heuer nicht.
Die Aussteller-Meinungen waren in einem Punkt ähnlich: Großes Interesse kam von asiatischer Seite – sowohl bei Besuchern als auch Herstellern. Letztere zeigten nicht nur essbare Insekten, sondern auch eine breite Bio-Range. Insgesamt kamen 165.000 Fachbesucher aus knapp 200 Ländern zur diesjährigen Veranstaltung. International stark vertreten waren heuer die USA, China, Japan, Südamerika, der Nahe Osten und Afrika. Darunter Vertreter großer Namen wie Carrefour, Coop, Müller, Migros, Edeka, Spar und Tesco. Auf Ausstellerseite waren es 7.400 aus 107 Ländern.
Österreich reiht sich mit 119 Ausstellern an die 14. Stelle. 13 davon sind Neuzugänge. So manche Markenartikler nahmen heuer allerdings nicht teil. Immer wieder fällt der Name PLMA in den Gesprächen mit Produzenten. Die Eigenmarken-Messe in Amsterdam scheint sich zur größten Konkurrenzveranstaltung zu entwickeln. Kein Wunder – ist in Österreich der Marktanteil der Handelsmarken am stärksten gestiegen: Um 2,8 Prozentpunkte auf 43 Prozent (Quelle: PLMA Internationales Jahrbuch der Handelsmarken 2017, Nielsen).
„Die Anuga ist für Berglandmilch dennoch ein Fixpunkt“, sagt Geschäftsführer DI Josef Braunshofer. Besonderes Potenzial ortet er etwa mit den Schärdinger Sortimenten FrüchteTraum und Meine Linie. „Die Absatzzahlen steigen beim neuen Meine Linie Vanille-Kurkuma-Drink monatlich.“ Im Fokus hat Braunshofer Deutschland, Italien, Griechenland und Spanien. Besonders am deutschen Markt will der Geschäftsführer mit einem neuen Sortimentskarton, gefüllt mit Tirol Milch Käsen, punkten.

Guter Ruf. „Wir sind zufrieden. Besondere Aufmerksamkeit bekommen unsere Mad Dog Saucen“, so Geschäftsführer Peter Spak im REGAL-Gespräch. 60 Prozent lukrieren die Wiener auf Auslandsmärkten. „Exportländer sind auf der Anuga im Fokus. Interessant ist, dass heuer weniger Israelis, dafür viele Afrikaner zu unserem Stand kommen.“ Zum ersten Mal dabei ist Salinen Austria. „Wir merken, dass österreichische Produkte einen guten Ruf haben.“ Anfragen kamen etwa aus China oder Shanghai. „Wir können in diesen Ländern die hohen Anforderungen mit unserer Qualität erfüllen.“
Mit 36 Prozent Exportanteil hat auch Mautner Markhof den Auslandsmarkt stark im Blickfeld. Deutschland, Schweiz, Italien, Spanien und Kroatien stehen oben auf dem Radar. „Der Renner sind unsere Spezial-Essigkreationen. Der Apfel-Balsam-Essig aus dem Barriquefass ist bereits jetzt eines unserer stärksten Exportprodukte“, sagt Geschäftsführer Jürgen Brettschneider gegenüber REGAL. 30 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen im LEH, neun Millionen mit Food Service. „Dieser Bereich ist in Öster­reich bei uns am stärksten wachsend.“

Neuheiten. Österreichs Produzenten konnten sich zudem bei der Innovationsausstellung „Anuga taste“ wieder kräftig behaupten. Aus mehr als 2.300 Produktneuheiten wurden von einer Fachjury 67 Top-Innovationen ausgewählt. Sechs davon stammen aus Österreich.

Eiweiß, Smoothies & Superfood. Ganz oben am Trendbarometer steht Protein, umgangssprachlich Eiweiß. Protein als Zugpferd in Eis, Süßwaren, Getränken, Chips und ­Joghurt. Vieles im Neuheiten-Regal ist Altbekannt, aber mit neuen Rohstoffen und Geschmäckern versehen. Etwa Chips mit Minze und Chilli, Nudeln mit Linsen, Eicheln oder Kurkuma. Neben Smoothie-Kreationen und kaltgebrühten Tee- und Kaffeegetränken ist Convenience gefragt. Kokosöl in der Sprühdose oder eine fertige Frühstücksschale mit Acai sind nur zwei Beispiele unter den Gewinnern. Immer wieder verwendete Inhaltsstoffe, die sich wie ein roter Faden durch die prämierten Produkte ziehen, sind Chia, Kokos und Algen. Besonders viele Innovationen kommen aus dem vegan/vegetarischen Sektor. Vom veganen Streichfett bis hin zu vegetarischen Burgern aus Pilzen und veganem Thunfisch.

Am Fleischlos-Umsatzkuchen knabbert auch VeggieMeat mit der Marke vegini. „Der Kunde schaut vermehrt auf Qualität und auf die Zutatenliste, der Preis rückt in den Hintergrund“, sagt Peter Oberpacher, Vertrieb. Mit Listungen bei Eurogast, AGM und Kastner zeigt sich Oberpacher zufrieden – sieht aber auch noch Aufklärungsbedarf, „besonders in der Gastronomie.“ 50 Prozent des Geschäfts setzt VeggieMeat durch das Exportgeschäft um.
Aber auch die Fleisch-Branche zeigt sich einfallsreich. Landhof Loidl etwa präsentierte eine neue Salami, Grill Hot Dogs und setzt bei seinen Produkten für die Grillsaison auf das Thema Fußball-EM 2018. Und die „die Ohne“-Spezialitäten haben wieder Kurs aufgenommen. „Wir haben die Durststrecke durchtaucht, fleischlos läuft wieder gut“, heißt es von Unternehmensseite.

Exportfakten. Dass gerade im Export die rot-weiß-rote Markenkraft besonders gefragt ist, zeigen die Zahlen: 8,1 Milliarden Euro betrug das Produktionsvolumen der österreichischen Lebensmittelindustrie im Vorjahr.
Für viele Unternehmen ist das ­Exportgeschäft ­Wachstumstreiber. Trotz Ukraine-Russland-Krise konnten die Ausfuhren heimischer Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie um 3,6 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zulegen.
Wachsende Zahlen weist auch die AMA für das erste Halbjahr 2017 aus: Auf 5,5 Milliarden Euro schnellten die Agrarexporte hinauf. Ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Das Ranking führt Deutschland an. Die Top-Drei-Märkte nach Exportvolumen: Deutschland (+ 6,9 %), Italien (+ 7,3 %), USA (+ 12,6 %). „Besonders wichtig sind internationale Zertifizierungen für das Exportgeschäft“, so Mag. Franz Ernstbrunner von der Außenwirtschaft Österreich.

Verena Widl