Meinl Gourmet-Diskont in Parndorf

Meinl im Diskont-Format. Geschäftsführer Udo Kaubek berichtet von den ersten Erfahrungen in Parndorf

Der Mozart Wiens

  • 2016: 23,2 Millionen Euro Umsatz
  • Parndorf gut angelaufen

Der Gourmet-Tempel Julius Meinl wagt sich ins Wiener Umland. Anfang Dezember eröffnete Meinl am Graben-Geschäftsführer Udo Kaubek ein Geschäft in Parndorf. Ein Gourmet-Diskont mit 300 m2 Verkaufsfläche. Ein gewagter Schritt, verglichen zum eingesessenen Stammgeschäft im ersten Wiener Bezirk. „Es ist gut angelaufen – das zeigen auch die Zahlen, die wir vom Outlet bekommen. Wir schneiden gut im Ranking ab“, so Kaubek. Und das, obwohl rundherum noch teilweise Baustelle ist.

Umsatz. Seinen Umsatz aus 2015 (22,5 Mio. Euro) konnte Meinl am Graben im Vorjahr auf 23,2 Millionen Euro hochschrauben. „Ob sich auch 2017 ein Plus ausgeht, werden wir sehen. Die Sommerhitze war weniger gut für uns.“

Invest. Ein mittlerer sechsstelliger Betrag floss in den Parndorfer Standort. Mit Umsatzprognosen hält sich der Geschäftsführer bedeckt. „Die sind nicht überbordend. Es ist für uns ein Versuch, wir sammeln neue Erfahrungen.“ Die Zielgruppe sei neu, das Einzugsgebiet ist wesentlich größer. „50 Prozent kommen aus Österreich, 50 Prozent aus dem Ausland. Man muss dazu sagen, dass der Branchenmix im ersten Bezirk schlecht geworden ist.“

Sortiment. Dass die Bekanntheit der Marke über die Bundeshauptstadt hinausreicht, zeigen bereits die Einkaufskörbe. „Wir haben erstaunlicherweise festgestellt, dass alles, wo Meinl draufsteht, gut funktioniert.“ Das Eigenmarken-Sortiment – bis hin zu den Tassen mit dem „schwarzen Mohr“ – soll deshalb schon bald aufgestockt werden. Der Angebotsfokus der 1.500 bis 2.000 Artikel ist klar: Trockenware – von Süßem bis hin zu Kaffee, Tee und Confiserie, aber auch Champagner, antialkoholische Getränke und Impulsartikel sind zu finden. Ein erstes Learning: „Alkohol funktioniert gut, Nudeln zum Beispiel nicht.“ Bald soll auch noch eine kleine Kühlvitrine mit temperaturresistenten Waren Einzug finden.

Preispolitik. Der Diskont-Charakter findet sich im Ladenbau nicht unbedingt wieder. Die Kaffeebar ist mit speziellem Marmor ausgestattet, die Sessel im 50er-Jahre-Stil werden in Kürze aus England eingeflogen. Zu den Partnern zählen etwa Hamann Architects, die bereits 2008 beim Schritt von Julius Meinl nach Dubai stark eingebunden waren, und Wanzl. Im Preisgefüge sei dagegen „natürlich ein Unterschied, das war auch die Vorgabe.“ Im Frühjahr wird dann auch noch der Schanigarten in Betrieb genommen. Den Gastro-Anteil will Kaubek dennoch im „überschaubaren Bereich“ halten.

Personal. Mit drei Vollzeit und vier Teilzeitkräften setzt Kaubek voll auf die Selbstständigkeit des Teams. „Der Filialleiter-Posten ist ein verantwortungsvoller. Da verdient man schon mehr als ein Filialleiter zum Beispiel.“ Das Personal-Recruiting sei, im Gegensatz zu Wien, unproblematisch gewesen.

Weitere Kleinformate kein Thema. Ob eine Multiplikation des Konzeptes vorstellbar sei? „Es gibt Anfragen, aber das ist für mich vorerst kein Thema.“

Wr. Neustadt. Ein weiteres Experiment wagte Kaubek in Wiener Neustadt. Dort ist Meinl seit dem Frühjahr am Marienmarkt (Hauptplatz) mit zwei Ständen vertreten. „Dieses Projekt ist im Anlaufen. Die größte Herausforderung ist nach wie vor die Innenstadtbelebung, das Konzept ist aber gut. Ich glaube daran, dass es gelingen kann.“

Mit dem Weihnachtsgeschäft im Allgemeinen zeigt sich Meinl-Boss zufrieden. „Das Geschenk-Business ist wieder im Wachsen, trotz Compliance-Richtlinien.“ Sehr hochpreisige Waren seien rückläufig. „Besonders die inländischen Kunden sind hier eher zurückhaltend.“

Verena Widl