Vorstandssprecher Robert Nagele

Vorstandssprecher Robert Nagele über Expansion

Der neue Billa-Chef & seine Pläne

  • Neuer Big-Pilot-Markt mit Drive-in in der Wiener Perfektastraße; 2018: Sechs neue Mega-Billas
  • Bis 2023 soll Flotte auf 1.200 Standorte wachsen, aktuell: 1.075
  • Eigenmarken-Anteil klettert auf 27 Prozent

Wuchtige Expansions-Pläne bei Billa. Die gelb-rote Supermarktkette soll in den nächsten fünf bis sechs Jahren gewaltig anwachsen. Bis 2021 will Billa-Chef Robert Nagele mit 1.120 Geschäften auf Umsatzjagd gehen. 2023 soll die Billa-Armada 1.200 Standorte zählen. „Weiße Flecken gibt es genug“, so Nagele. Wien und West-Österreich sind die Haupt-Targets. Darüber hinaus will Billa sein Netz sukzessive adaptieren. „Wir wollen bestehende Standorte weiterentwickeln“, stellt Nagele klar. Mit Ende 2017 wird Billa über 1.075 Märkte verfügen.

60 Projekte per anno. Pro Jahr stehen 15 bis 20 neue Geschäfte sowie 40 Umbauten auf der Agenda. Innerhalb von drei Jahren soll darüber hinaus die gesamte Flotte auf das aktuelle POS-System (den Landhaus-Stil) umgestellt sein.

Neulengbach bereits fix. Dabei will Nagele mit unterschiedlichen Formaten angreifen. Die üblichen Billa-Größen mit 800 m2 sind eine Schlagrichtung, besonders forciert wird darüber hinaus der neu adaptierte Big-Billa-Typ mit rund 1.500 m2. „Wir werden 2018 etwa bereits sechs neue Multiplikationen realisieren.“ Neulengbach ist bereits unterzeichnet, weitere Flächen für Kärnten und das Burgenland sind angedacht. Ob es sich dabei um einen Markt in Frauenkirchen handelt, lassen die Vorstände offen.

Weitere Multiplikationen. Die Drive-in-Lösung bleibt aktuell jedoch noch auf den Pilot-Markt in der Wiener Perfektastraße reduziert. „Wir wollen aus den Erfahrungen lernen und dann erst weitere Standorte aufschalten.“ Eine handvoll Möglichkeiten ortet Nagele dennoch für 2018, grenzt aber ein: „Wir gehen davon aus, dass Drive-in nur im städtischen Gebiet eine Relevanz hat.“

Neue Formate. Weitere innovative Formate schließt der Billa-Vorstand in der künftigen Expansion nicht aus: Terminals, Abholboxen oder Drive-in als Solo-Lösung. Fix ist eine größere Verflechtung zwischen Online und Offline. „Wir wissen noch nicht, wo die Reise hingeht. Wir wollen dafür bereit sein.“ Die aktuellen Vorzeichen sind auch für online positiv. „Der Online-Umsatz ist gleichzusetzen mit den Erlösen von rund sechs Billa-Filialen. Die Zuwachsraten liegen heuer bei 60 Prozent.“

Vorbild: Leclerc. Dazu suchen die Billa-Chefs auch Anleihen aus Europa. Beispiel Leclerc. „Natürlich haben wir uns in Frankreich einiges von den Rewe-Partnern abgeschaut. Bei Leclerc werden bereits zwischen zehn und 15 Prozent über Drive-In erwirtschaftet.“

Neuer Big-Billa. Das Ergebnis: Der neue Mustermarkt in der Wiener Perfektastraße. Dabei greift Billa mit 1.329 m2 Verkaufsfläche an. „Wir haben den bestehenden Markt um 130 m2 vergrößert und rund zwei Millionen Euro investiert“, so Nagele gegenüber REGAL. Das Landhaus-Konzept, das im Wiener Umland erstmals vorgestellt wurde, wurde geschärft, neue Highlights gesetzt.

Drive-in. Fünf moderne Eckpfeiler stellte das Vorstands-Duo auf, der Mega Coup wurde dabei außerhalb der Filiale vom Stapel gelassen. Stichwort: Drive-In. Drei Stationen, drei Linien, wurden in der Nähe der Laderampe aufgeschalten. „Kunden können online bestellte und mittels Kreditkarte bezahlte Ware innerhalb von drei Zeitfenstern abholen. Der Konsument fährt mit dem Auto vor, meldet sich an, die Produkte werden ihm in den Kofferraum gestellt. Er muss nicht einmal aussteigen“, so Billa-Vorstand Mag. Josef ­Siess. Bei Bestellungen vor 12 Uhr ist die Ware noch am selben Tag abholbereit.

Eigenmarken-Anteile steigen. Innerhalb der Filiale setzt Billa auf einen wuchtigen Ausbau von Bedien- und Service-Theken. Völlig neu dabei: Die Snäckerei. „Wir haben inklusive Gastro und Convenience 13 Laufmeter zur Verfügung.“ 200 neue Produkte (warme und kalte Snacks) wurden integriert. Der Großteil in Eigenmarke: „Wir haben mittlerweile einen Eigenmarken-Anteil von 27 Prozent“, so Siess.

Snäckerei im Fokus. Vom Convenience-Vorstoß ist Nagele überzeugt, das Konzept werde künftig auch in kleineren Märkten zum Einsatz kommen. „Wir werden diese Einheit nicht nur bei großen Billa-Standorten sehen.“

Ananasschneider und Müsli-Dispenser. Nur in Ausnahmefällen wird es dagegen die Ananasschneide-Maschine geben. Der Dispenser mit Nüssen und Müsli in SB ist ebenfalls ein Testlauf. „Hintergrund ist, dass wir den Kunden mehr Wahlfreiheit geben wollen.“ Premiere gibt es für die Realisierung einer 3D Hologramm Abbildung. „Dabei handelt es sich um die Zusammenarbeit mit einem Londoner Start-up“, so die Projekt-Verantwortliche, ohne weitere Details zu nennen.

Produktionsbereich der Feinkost ist einsehbar. Das Herzstück bildet die Feinkost. Dabei wechseln sich Bedien- und SB-Elemente ab. „Wichtig war uns, dass die Produktion sichtbar bleibt.“

700 zusätzliche Artikel. Insgesamt wurde das Billa-Sortiment kräftig aufgestockt. 16.700 Produkte werden in der Wiener Perfektastraße präsentiert. Ein neuer Top-Wert. „Wir haben für dieses Format über 700 zusätzliche Produkte eingelistet.“ Dabei spricht Nagele von weiterführenden Artikeln im Ethno-Bereich. Neu ist zudem ein Regalmeter für Wiener Spezialitäten, auch ein Corso-Meter wurde eingeführt.

Electronic Shelf Labeling geht in Roll-out. Vollständig realisiert ist ESL. „Obwohl wir mit Zusatzkosten zwischen 50.000 und 60.000 Euro ausgehen müssen, gehen wir in den Roll-out“, so Nagele. Die Komplett-Umstellung der Flotte sei nicht vor 2022 abgeschlossen. Aktuelle Testläufe haben bestätigt: Beschwerden hinsichtlich falscher Preisauszeichnung sanken gegen null, die frei werdenden Personal-Ressourcen ließen zudem die Anteile der Bedien-Sortimente nach oben klettern.

Digital Science und Self-Checkout. Dazu besetzt Billa bei jeder Neueröffnung das Thema Digital Science. „Wir wollen den Kunden mit Bildschirmen unsere Angebote näher bringen.“ Ebenfalls weiter auf der Agenda: Ausbau von Self Checkout. „Es gibt Standorte (etwa Wien Singerstraße), wo bereits 50 Prozent der Kunden Self Checkout wählen. In Graz sind es 30 Prozent.“ Dabei handle es sich im besten Fall um einen Umsatzanteil von 30 Prozent, der über SB-Kassen läuft.

Herbert Schneeweiß