Spar-Vorstand: Mag. Rudolf Staudinger, Mag. Fritz Poppmeier, Dr. Gerhard Drexel, Hans K. Reisch (v.l.n.r.)

REGAL Exklusiv-Gespräch mit Spar-Präsident Dr. Gerhard Drexel

Drexel: Spar mit 40 Prozent Eigenmarken

  • Spar Wachstum 2017: rund 4,5 Prozent in Österreich
  • Wachstumssieger 2017: selbstständige Kaufleute 2016: Interspar
  • Wie reagiert Spar auf Online-Mitbewerber?

Regal: Herr Präsident Drexel, wie geht’s der Spar? Mit welchem Ergebnis rechnen Sie für das Rekordjahr 2017?
Drexel: Wir werden 2017 das Rekordjahr 2016 im Umsatz nochmals deutlich übertreffen. In Österreich mit einem Wachstum zwischen 4–5 Prozent, im Ausland mit einem Wachstum von rund 10 Prozent. Hierzu hat vor allem die komplette Übernahme von Billa in Kroatien beigetragen.

Zur Erinnerung für unsere Leser: Der Spar-Umsatz im Inland betrug 2016 rund 6,4 Milliarden Euro und im Ausland 4,8 Milliarden Euro. Insgesamt erzielt Spar (inkl. Töchter) 13,8 Milliarden Euro. Zur Frage: Welche Vertriebsschienen waren 2017 besonders stark?
Unsere klar positionierten Vertriebsschienen sind ein ganz bedeutender strategischer Wettbewerbsvorteil der Spar. Unser Spar-internes Ranking, welche Vertriebsschiene in Österreich das stärkste Wachstum erzielt, sieht jedes Jahr etwas anders aus. So erzielte im Jahr 2016 in Österreich Interspar mit 6 Prozent das stärkste Umsatzwachstum aller Vertriebsschienen. Im Jahr 2017 liegen unsere selbstständigen Spar-Kaufleute – was das Umsatzwachstum auf der bestehenden, unveränderten Fläche betrifft – mit rund vier Prozent zum Vorjahr ganz vorne. Im Jahr 2016 war die Interspar der Wachstumssieger gewesen.

Der Eigenmarkenanteil bei Spar ist wieder gestiegen. Was hat die Spar von immer mehr Eigenmarken? Wo sind die strategischen und ertragsmäßigen Vor­teile?
Der Umsatzanteil, den wir mit unseren Eigenmarken erzielen, hat in Österreich die Schallmauer von 40 Prozent bereits überschritten. Wir nennen diesen Wert Spar-intern unseren „Unabhängigkeits-Index“.

Warum?
Weil wir bei unseren Eigenmarken in der Entwicklung, Gestaltung und Führung des Sortiments unabhängig sind und nicht vom Wohlwollen einiger marktmächtiger internationaler Markenartikel-Konzerne abhängig sind. Auch sind wir nicht so leicht vergleichbar und anders. Die strategischen Vorteile von Eigenmarken sind deshalb vielfältig: stärkere Differenzierung und Profilierung, höherer preispolitischer Spielraum, maximale Innovations­orientierung und frühes Antizipieren von Sortimentstrends beispielweise durch unsere innovativen Eigenmarkenlinien Spar Vital, Spar free from, Spar Premium, Spar Veggie und Spar enjoy.

Welche Investitionen stehen im kommenden Jahr in Logis­tik und Distribution (Läger) an?
Konzernal haben wir im Jahr 2017 im In- und Ausland ein Investitionsvolumen von rund 650 Millionen Euro gestemmt. Die Investitionspläne für 2018 sind gerade in der finalen Phase und werden sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Großen Wert legen wir darauf, dass das jährliche Investitionsvolumen jeweils durch den Cash-flow – also aus den selbst erarbeiteten Mitteln – finanziert wird.

In der Logis­tik …
Was die Logistik betrifft, so wollen wir im neuen Jahr mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums in der Nähe von Padua beginnen – für die Versorgung unserer Märkte im Nord-Osten von Italien. Ein beträchtlicher Teil der Investitionssumme fließt natürlich wie jedes Jahr in die Erneuerung unserer Standorte und zudem in den Ausbau der Tann-Betriebe in Wörgl und Graz.

Ein anderes Thema: Was werden die „Umsatztreiber“ 2018 sein? Welche Consumertrends zeichnen sich ab?
Die wesentlichen Konsumententrends werden auch 2018 Convenience, Bio, Premium, Regionalität, manufakturelle Herstellung, Veggie, „free from“ und vor allem gesunde Ernährung sein. Hier setzen wir seit exakt zehn Jahren mit unserer gesunden Eigenmarke „Spar Vital“ die Trends.

Wie steht’s um Problemstoffe wie Zucker oder Palmöl?
Anfang 2017 haben wir einen branchenweiten Startschuss zum Thema Zuckerreduktion gesetzt. Wir wollen in den nächsten Jahren über 1.000 Tonnen Zucker in unseren Eigenmarken einsparen und hoffen, dass auch die Markenartikelindustrie die Zeichen der Zeit erkennt. Auch das Thema Palmöl gehen wir ganz konsequent an und werden im Laufe des nächsten Jahres bei unseren Spar-Eigenmarken den kompletten Ausstieg vorantreiben.

Der Handel ist  zur  Zeit geprägt von Overstoring, Underpricing und  Verdrängungswettbewerb. Was macht Spar – etwa im Bereich Werbung,  Marketing, Laden Lay Out etc. – um in dieser Konfrontation gut zu bestehen.
Sie haben Recht: „Overstoring“ und „Underpricing“ – so lässt sich die Situation im Lebensmittelhandel auf den Punkt bringen. Auf dieses Situationsbild antworten wir mit konsequenter, unternehmensweiter Erneuerung, Wachstum und Evolution. Wir wollen uns immer weiterentwickeln und uns Schritt für Schritt ein Stück weit neuerfinden.

Gibt es dafür Beispiele?
Diese unsere Einstellung sehen Sie sehr gut bei unseren zuletzt neu eröffneten Märkten, wie z.B. Interspar Imst, Eurospar Eferding und Oberndorf, Spar-Supermarkt Salzburg-Nonntal, aber auch bei unserem neuesten Shopping-Center Huma Eleven in Wien-Simmering.

Seinerzeit haben Sie gegen TTIP gekämpft. REGAL hat das übrigens unterstützt und kompensiert. Wogegen kämpfen Sie heute?
Gerade als Lebensmittelhandels-Unternehmen tragen wir eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass bei Freihandelsabkommen zwischen Staaten mit hoch entwickelten Rechtssystemen – wie z.B. CETA – Sonderklagerechte ausländischer Konzerne sowie internationale Schiedsgerichte strikt abgelehnt werden.  So könnten internationale Konzerne über diese Sonderklagerechte quasi über Nacht alles aushebeln, was uns in Österreich und in der EU bisher hoch und heilig war: das Verbot von Gentechnik-Lebensmitteln, das Verbot von Hormonfleisch, das Verbot von unzähligen giftigen Chemikalien und Pestiziden, Schutzstandards für Arbeitnehmer, Tierwohl und Umwelt. Das Gefährlichste ist, dass dann diese internationalen Schiedsgerichte über so wesentliche Lebensfragen letztinstanzlich entscheiden und damit über unseren Höchstgerichten stehen!

Und Glyphosat?
Ganz aktuell setzen wir uns auch dafür ein, dass das Umweltgift Glyphosat in Österreich – mit einer kurzen Übergangsfrist – so schnell wie möglich verboten wird. Leider gab es ja auf EU-Ebene eine – aus meiner Sicht unverantwortungsvolle – Entscheidung für eine Verlängerung um fünf Jahre.

Was sind die aktuellen Sorgen der Spar im Großhandel bzw. wo drückt ihre Kaufleute der Schuh?
Wir sehen die Spar als „Retail driven Company“ und trennen deshalb nicht in separaten Großhandel da und Einzelhandel dort. Spar muss sich als erfolgreiches Gesamtsystem, als strahlende Marke im Wettbewerbsumfeld behaupten. Und da darf ich mit Freude darauf verweisen, dass es uns in Österreich in den vergangenen sieben Jahren gemeinsam mit unseren Kaufleuten sechs Mal gelungen ist, Wachstumsführer im Lebensmitteleinzelhandel zu sein.

Herausforderung Nummer eins für Spar ist das neuerliche Wieder-Ansteigen der Diskonter. Diese sind näher an den Supermarkt herangerückt (mehr Frische, Backstationen, Laden-Layout, Markenartikel). Wie reagiert die Spar darauf?
Wie schon seit vielen Jahren mit einer Doppelstrategie: Einerseits noch mehr Erlebnis, Qualität, Service, Lebensmittelvielfalt und -opulenz in unseren Märkten, andererseits durch Einstellung jedes Diskontpreises durch unsere „Diskontwaffe“ S-Budget und unser Marketingprogramm „Lieblingsmarken immer billig“.

Die zweite Herausforderung für Spar wird in den nächsten Jahren  das Internet. Zwar spielt das zufolge der hohen Logistikkosten derzeit im LEH noch keine große Rolle, denn kein Händler im LEH verdient daran, doch in Zukunft wollen Kunden mehr Digitalisierung auch im Shopping. Wie reagiert die Spar darauf: Mit eigenem Online bzw. mit Veränderungen im den Märk­ten wie mehr Frische, mehr Beratung, mehr Gastro, mehr Individualisierung der Märkte (standortspezifische Sortimente, Regionalität etc.). Was ist die Antwort auf den zu erwarteten Angriff von Online Shopping?
Auch wenn es nicht besonders populär klingt: Ich meine, dass derzeit – Betonung auf „derzeit“ – die Bedeutung des Online-Handels mit frischen Lebensmitteln in den von uns bearbeiteten Ländern überschätzt wird. Der Anteil am Umsatz jener LEH-Unternehmen, die zusätzlich zum ladengebundenen Geschäft Online-Shopping mit frischen Lebensmitteln anbieten, beträgt zwischen 0,5 bis 2 Prozent. Auch der Anteil der sogenannten „Pure Player“ am LEH-Volumen ist in Österreich und den Nachbarländern derzeit nicht höher. Aber dennoch nehmen wir die Entwicklung sehr ernst. Bereits zum Jahrtausendwechsel sind wir pionierhaft mit der Interspar-Weinwelt in den Online-Handel eingestiegen und haben diesen bis heute perfekt weiterentwickelt – mit vielen positiven Synergien zu unserem stationären Geschäft. In den Online-Handel mit frischen Lebensmitteln sind wir mit „Interspar.at“ im September 2016 eingestiegen und bieten hier einen perfekten Service für alle Kunden in Wien und Umgebung sowie Salzburg und Umgebung.

Vielen Dank Herr Präsident!

Manfred Schuhmayer