Koch: „Auf der Fläche ist vor allem die Frische gefragt.“

Metro-Vorstandsvorsitzender Olaf Koch macht erste Schritte auf verkleinerter Fläche und rechnet damit, dass die Belieferung rasant ansteigen wird

Metro: Bald im Klein-Format?

  • Online-Bestellung und Zustellung werden massiv ausgebaut
  • Kommt bald der 2.000-er Markt im Alpenland?

Kleinformate sind in. Und offensichtlich auch für Großverbrauchermärkte reizvoll. Denn einen 2.000 m² großen Metro-Markt kann sich Vorstandsvorsitzender Olaf Koch durchaus auch für Österreich vorstellen. Zuletzt ging dieses Format in Frankreich ans Netz. „Online-Bestellungen werden zunehmen, auf der Fläche ist vor allem Frische gefragt“, meint Koch. Das letzte Flaggschiff in St. Pölten umfasste immerhin 8.500 m². Kleinere Verkaufsflächen sieht Koch künftig vor allem in Innenstadtlagen. Der Austro-Schwerpunkt für 2018 liege jedoch im Bereich Modernisierung.

Steigende Belieferung. Die Belieferung nimmt in der Gruppe inzwischen einen Umsatzanteil von 4,6 Milliarden Euro ein. 16 Prozent. Ein Fünftel davon wird online bestellt. „Das wird rasant steigen. Wir gehen davon aus, dass der Online-Anteil der Bestellung in den nächsten zwei Jahren drei Viertel ausmachen wird“, so Koch gegenüber REGAL. Die offizielle Zielvorgabe des Konzerns: Bis 2020 soll die Belieferungsquote bei 20 Prozent liegen.

Wachstum mit Food. Kürzlich gab Metro seine Umsatzzahlen für das Geschäftsjahr 2016/2017 bekannt: Der Konzern kommt auf 37,1 Milliarden Euro Umsatz. Das flächenbereinigte Umsatzwachstum lag bei 0,5 Prozent. Während Metro Wholesale – insbesondere Food mit 2,1 Prozent Plus – an Wachstum zulegte, sorgte die Verbrauchermarktkette Real für ein dünnes Minus. Einzig im Online-Geschäft konnte Real seinen Umsatz ausbauen. In Deutschland schrieb Metro (Wholesale, Real und Holding) ein flächenbereinigtes Minus von 1,7 Prozent. Auffallend: Besonders seine Immobilienerträge schraubte Metro in die Höhe – von 153 auf 175 Millionen Euro.

Digitalisierungs-Push. Für das kommende Jahr hat die gelb-blaue Kette das im Visier, worauf es besonders viele abgesehen haben: Digitalisierung. Mit seinem „Accelerator-Programm“ will Metro mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Metro wird zum (gratis) Website-Anbieter für Gastronomie-Kunden und will damit die Bindung zu genau diesen stärken. Zusätzlich nimmt das Großhandelsunternehmen noch Start-ups mit.

Fragmentierter Markt. Seit 2013 hat Metro das Thema Digitalisierung in den Fokus gerückt und dafür eine eigene Unit (HoReCa.digital) geschaffen. Investiert werden jährlich 30 Millionen Euro. „HoReCa umfasst europaweit einen Umsatz von 420 Milliarden Euro. Das Einkaufsvolumen beträgt 120 Milliarden Euro“, so Koch. Das Potenzial sei groß. Das Problem: Der Markt ist kleinstrukturiert, stark fragmentiert. Die größte Herausforderung für Gastronomen: Kunden auf sich aufmerksam zu machen und zu gewinnen.

Metro will helfen. Gemeinsam mit TechStars aus den USA sollen bis 2020 eine halbe Million Gastronomen mit einem Auftritt im Word Wide Web ausgestattet werden. Extra-Services, wie etwa ein Tisch-Reservierungstool oder Kassensys­teme, inklusive. Zusätzlich werden den Gastronomen Daten – etwa die Tischproduktivität – zur Verfügung gestellt. Alles kostenfrei, vorerst. Die passenden Hintergrundlösungen liefern Start-ups aus aller Welt. Diese bezahlen auch einen Beitrag an Metro. „Die Zahlen sprechen für sich. Bei den Kunden steigerten sich die Rechnungen um bis zu 40 Prozent, die Lebensmittelverschwendung ging um bis zu 15 Prozent zurück, weil der Bedarf genauer geplant werden kann“, erklärt Koch.

Der Roll-out findet in 13 Ländern statt. Bisher wurden die digitalen Tools in 500 Betrieben in ganz Europa getestet. Wien ist eine der fünf ausgewählten Großstädte. 83 Kunden waren dort Teil des Pilot-Projektes. Warum Österreich? „Die Bevölkerung ist modern und wir haben eine junge und motivierte Metro-Geschäftsführung“, lacht Koch.

Digitalisierungs-Offensive auch für Retail geplant. Eine ähnliche Offensive ist in einem zweiten Schritt auch für den Handel geplant. „Hier wollen wir vor allem kleine Händler in Sachen Kasse, CRM, Services unterstützen. Besonders in Polen, Russland oder Rumänien wird das gefragt sein.“

Verena Widl