Im Interview: Ja! Natürlich Geschäftsführerin Mag. Martina Hörmer

Ja! Natürlich: Große Pläne 2017

  • Wachstumsmotor Billa
  • Ja! Natürlich hält bei Billa 12 bis 13 Prozent vom Umsatz, bei Merkur 13 bis 14 Prozent

REGAL: Ja! Natürlich wuchs 2014 um 4,4 Prozent auf 355 Mio. Euro. 2015 betrug das Wachstum 3,6 Prozent und der Umsatz 368 Mio. Euro. Wurde 2016 die 380-Millionen-Euro-Grenze übersprungen?
Martina Hörmer: Der Jahresumsatz 2016 wird in der ersten Hälfte des Jahres bekanntgegeben.

Wie hat sich der Bio-Gesamtmarkt entwickelt? Wuchs Ja! Natürlich überproportional?
Bio wächst seit Jahren kontinuierlich, sehr erfreulich stärker als der konventionelle Bereich. Der Marktanteil von Biolebensmitteln in Österreich liegt im Durchschnitt über alle Warengruppen bei etwa sieben Prozent. Ja! Natürlich selbst erreicht in den einzelnen Warengruppen bei Billa im Schnitt zwölf bis 13 Prozent Umsatzanteil, bei Merkur aufgrund der noch größeren Vielfalt an Bio-Lebensmittel 13 bis 14 Prozent. In den größten und beliebtesten Sortiments-Bereichen liegen die Umsatzanteile wesentlich darüber – bis zu 30 Prozent Marktanteile werden erreicht.

Bei welchem Vertriebspartner wurde der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet?
Stärkster Vertriebspartner und Wachstumsmotor war auch 2016 wieder Billa, bei dem der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet wurde.

Wird bei Billa der doppelte Umsatz gemacht wie bei Merkur?
Billa ist mit seinen über 1.000 Filialen eindeutig unser stärkster Partner, das sieht man dann natürlich auch im Umsatz – dieser liegt deutlich über dem von Merkur.

Stichwort Online-Verkauf: Wie hat sich der Ja! Natürlich Ab- und Umsatz über die Online-Plattformen von Billa und Merkur entwickelt?
Ausgezeichnet! Wir sehen bei den Bestellungen im Onlineshop eine besonders starke Nachfrage nach Bioprodukten. Ja! Natürlich ist im Online-Warenkorb überdurchschnittlich häufig vertreten.

Wie entwickelte sich die Marke bei den Adeg-Kaufleuten?
Mit der Entwicklung von Ja! Natürlich bei Adeg sind wir sehr zufrieden. Die verläuft wirklich ausgesprochen positiv.

Welche Vorteile bietet Ja! Natürlich für einen Adeg-Kaufmann?
Die Vorteile liegen, denke ich, klar auf der Hand, daher wird die Marke auch von den Adeg Kaufleuten entsprechend gewürdigt. Ja! Natürlich bietet ihnen die Möglichkeit zur Differenzierung, sie haben die stärkste und bekannteste Bio-Marke Österreichs im Sortiment und das wiederum schätzen die Konsumenten sehr. Aus unse­rem Eigenmarken-Monitor wissen wir, dass für 21 Prozent der Kunden Ja! Natürlich der Beweggrund ist bei Adeg einzukaufen.

Welche Warengruppen konnten 2016 zulegen?
Besonders erfreulich ist, dass wir bei Fleisch & Wurst ausgesprochen stark zugelegt haben, aber auch bei Obst & Gemüse, Eiern und Käse ist Ja! Natürlich gewachsen. Da sprechen wir jeweils von über zehn Prozent – das ist schon sehr beachtlich.

Konnte das Produkt-Angebot ausgeweitet werden?
Ja! Natürlich ist und bleibt mit seinen 1.100 Produkten das Flagschiff der heimischen Bio-Marken. Jährlich kommen etwa 50 neue Produkte auf den Markt. Besonders erwähnenswert in 2016 sind sicherlich das Joghurt griechischer Art, Apfelmus – ganz ohne Zuckerzusatz, Kornspitzbaguette,
Estragon Senf und der Ja! Natürlich Büffelmozzarella.

Gab es Rohstoff-Engpässe?
Wie ganz Europa hat auch Österreich unter den klimatisch schwierigen Bedingungen im Mittelmeerraum bei der Produktion von Gemüse in den letzten Wochen gelitten. Davon war natürlich auch das Bio-Segment betroffen. Am stärksten spürte man den Engpass bei Bio-Zucchini. Darüber hinaus gab es ja bekanntlich vergangenes Jahr schlimme Ernteeinbrüche in Österreich. Das spürten wir natürlich besonders stark bei den Äpfeln, aber auch beim Wein.

Zeigte Alnatura im letzten Jahr Auswirkungen auf Ja! Natürlich?
Alnatura und Ja! Natürlich punkten durch ihren jeweiligen unterschiedlichen Fokus – mit Alnatura wurde das Bioangebot im Trockensortiment ausgebaut, bei Merkur auch in der Naturkosmetik. Ja! Natürlich überzeugt insbesondere durch die heimische, regionale Biokompetenz, vorrangig im Frischebereich. Mehr als 80 Prozent unserer Bio-Lebensmittel kommen aus Österreich und seinen Regionen.

Was liegt 2017 bei Ja! Natürlich im Fokus?
Als Pionier und Innovationstreiber muss man natürlich ständig agil bleiben. Ja! Natürlich bringt wie gesagt jährlich ca. 50 neue Artikel – für einen Marktführer sind Innovationen essentiell. Auch die österreichische Bauernschaft ist sehr innovativ. Ein wunderschönes Beispiel dafür ist der pannonische Reis, der 2016 in die Regale kam. Auch mit dem erfolgreichen Anbau der Süßkartoffel in Österreich ist unseren Bauern Großes gelungen.

Gibt es Zielgruppen, die man heuer verstärkt ansprechen möchte?
Ja! Natürlich wird die Schwerpunkte weiterhin vor allem auf Tierwohl und Regionalität legen. Darüber hinaus wissen wir, dass es gerade Familien sind, die ein sehr hohes Gesundheitsbewusstsein und eine große Affinität zu biologischer Ernährung haben. Besonders für die Kleinsten der Gesellschaft ist eine frische vitaminreiche Ernährung, frei von allen Schadstoffen, von besonderer Bedeutung. Daher wird seit 2016 sowie auch in den nächsten Jahren das Angebot besonders für Familien und Kinder nachhaltig erweitert und ausgebaut.

Vielen Dank für das Gespräch.

Antonia Lang