Spar Vorstand von links: Mag. Rudolf Staudinger, Mag. Fritz Poppmeier, Dr. Gerhard Drexel und Hans K. Reisch.

Brisantes Interview mit Spar-Präsident Dr. Gerhard Drexel

Spar: Erfolgskurs …

  • 5,3 Prozent Wachstum auf 6,4 Milliarden Euro
  • Anzahl der Kaufleute stabil
  • Eröffnung des 200. Hervis-Store
  • Starkes Wachstum von + 5,2 Prozent in Ungarn

Das Jahr 2016 war für den Spar Österreich-Konzern ein von Expansion und Wachstum geprägtes. In Österreich wurden 28 Zielpunkt-Standorte übernommen, weitere 30 Märkte neu eröffnet und 100 einer Modernisierung oder Erweiterung unterzogen. In allen Auslands-Märkten expandierte Spar kräftig. In Italien setzte es ein Plus von 2,8 Prozent, in Ungarn von 5,2 Prozent.

In Kroatien wurden Ende des Jahres 62 Billa-Märkte übernommen. Zu diesem Deal hat kürzlich die kroatische Wettbewerbsbehörde auch ihre Zustimmung erteilt. Mit 1.620 Standorten erzielte Spar in Österreich einen Brutto-Verkaufsumsatz von 6,42 Mrd. Euro, was einen Zuwachs von + 5,3 Prozent bedeutet.

An gesamt über 3.000 Standorten im In- und Ausland erzielte der Konzern einen Brutto-Verkaufsumsatz von 13,80 Mrd. Euro, ein Plus von + 4,8 Prozent. Der Sporthändler Hervis trug dazu 493 Mio. Euro bei, die Sparte Shopping-Center 2,85 Mrd. Euro. Über 77.400 Menschen sind im Unternehmen beschäftigt, rund 42.800 davon in Österreich. 2016 schuf Spar über 2.500 neue Arbeitsplätze, davon allein in Österreich über 1.360.

Rekordinvestitionen
In neue Standorte und die laufende Modernisierung von bestehenden Standorten, nicht nur bei Spar, Eurospar und Interspar, sondern auch bei den Shopping-Centern und in neue Distributionszentren und Produktionsbetriebe hat der Spar-Konzern im Vorjahr erstmals über 600 Mio. Euro investiert. Über die Hälfte davon im Inland. Auch für 2017 sind Investitionen in der Größenordnung von über 600 Mio. Euro geplant

Interview mit Spar-Präsident Dr. Gerhard Drexel

Regal: Herr Präsident, wie sind Sie mit der Entwicklung der Spar im Jahr 2016 zufrieden?
Dr. Gerhard Drexel: Die Entwicklung war sehr erfreulich. Wir konnten 2016 unsere Umsätze in Österreich um 5,3 Prozent steigern und damit unseren Marktanteil von 30,2 % (2015) auf 31,3 % (2016) erhöhen. Mit diesem Wachstum wurden wir 2016 erneut Wachstumsführer, das 6. Mal innerhalb von sieben Jahren.

Viele neue Arbeitsplätze sind 2016 hinzugekommen?
Drexel: Wir konnten im In- und Ausland 2.500 neue Arbeitsplätze schaffen, davon 1.360 in Österreich. Das sind 1.360 neue, zusätzliche Arbeitsplätze.

Wie läuft Interspar?
Drexel: Interspar konnte in Österreich wirklich eine tolle Performance abliefern und im Vorjahr ein Plus von sechs Prozent erwirtschaften.

Und Maximarkt?
Drexel: Maximarkt steht hier um nichts nach. Hier liegt das Umsatzplus auf bestehender Fläche bei 4,5 Prozent.

Wieviele Standorte beliefert Spar?
Drexel: In Österreich sind es 1.560 Handelsstandorte, in den vier Nachbarländern weitere 1.226 Standorte.

Gab es 2016 den oft genannten „Zielpunkt-Effekt“?
Drexel: Ja, zu einem kleinen Teil. Wir haben insgesamt 28 Zielpunkt-Märkte übernommen und bereits 24 auf Spar umgestellt. Die restlichen vier folgen heuer.

Wie sind Sie mit der Ertragssituation zufrieden?
Drexel: Wir sind sehr zufrieden. Wir konnten unsere EBT-Marge (Gewinn vor Steuern) von 2,4 Prozent auf voraussichtlich rund drei Prozent in 2016 steigern – und unsere Eigenkapitalquote von 33 Prozent (2015) auf über 36 Prozent in 2016.

Das kann sich sehen lassen. Wurde der Eigenmarkenanteil neuerlich gesteigert?
Drexel: Mit unseren Eigenmarken erzielten wir 2016 in Österreich ein Wachstum von acht Prozent, sodass deren Anteil am Großhandelsumsatz die Schallmauer von 40 Prozent erstmals durchstoßen hat. Mit Spar Natur*pur konnten wir um 26 Prozent, mit Spar Premium um 16 Prozent, mit S-Budget um 22 Prozent wachsen.

Sie sind 2016 mit einem neuen Ladenbaukonzept gestartet. Folgt 2017 ein Roll-out?
Drexel: Ja, wir werden das Konzept, das wir unter anderem in unserer Filiale in Salzburg-Nonntal getestet haben, in allen neu zu planenden Märkten umsetzen. Das moderne, authentische, luftige Marktstandskonzept hat uns große Zuwachsraten beschert. Wir konnten in der neuesten Testfiliale unsere Umsätze bei marginal vergrößerter Fläche um 30 Prozent steigern. Selbstverständlich stellen wir dieses Konzept auch allen Spar-Kaufleuten zur Verfügung.

Und im Marketing?
Drexel: Wir haben erst kürzlich den Vertrag mit Pierce Brosnan, der ja für Spar Premium als Werbe-Ikone zur Verfügung steht, um zwei Jahre verlängert.

Wirbt er auch für Osteuropa?
Drexel: Nein, das wäre zu teuer. Wir müssten dann je nach Einwohnerzahl für jedes Land zusätzlich bezahlen.

Hannes Reichelt hatte bei der WM etwas Pech, dürfte aber gut ankommen.
Drexel: Er ist ein sehr guter und sympathischer Werbeträger. Ebenso wie Mirjam Weichselbraun. Wir sind mit Spar Natur*pur die letzten zehn Jahre jedes Jahr im Umsatz zweistellig gewachsen.

Und die selbstständigen Kaufleute?
Drexel: Diese konnten ein hervorragendes Umsatz-Wachstum von über vier Prozent erzielen. Die Kaufleute sind das Herz und das lebendige Zentrum der Spar. Es sind die Besten der Branche. Momentan halten wir bei 771 Selbstständigen.

Wieviel investiert Spar eigentlich?
Drexel: Unsere Investitionen betrugen bisher rund 500 bis 550 Millionen Euro pro Jahr. Im Vorjahr kamen wir erstmals über 600 Millionen Euro. Diese Größenordnung ist auch für 2017 budgetiert.

Welche sind heuer die größten Projekte?
Drexel: Die Fleisch/Wurst-Produktion von Tann wird in Wörgl und in Graz erneuert. Bei Interspar errichten wir in Imst um 25 Millionen Euro bis 2018 einen neuen Markt. In Wels investieren wir 19 Millionen Euro in ein großes Projekt mit Interspar. Dort können wir schon diesen Sommer eröffnen. Hinzu kommen ein neues Lager bei Padua/Italien sowie die Integration der 62 Billa-Märkte in Kroatien. In Kroatien sind ab 1. April alle Billa-Märkte unter unserer Führung, wenige Monate danach werden alle Billa-Märkte auf Spar umgestellt. Der Marktanteil wächst dort durch diese Übernahme von rund sechs auf neun Prozent.

Und bei Zentren?
Drexel: Hier eröffnen wir im Herbst den zweiten Bauteil des Huma-Eleven in Wien-Simmering. In Lienz plant die SES ein neues Shopping-Quartier, ebenso in Slowenien. Den Europark in Salzburg würden wir gerne um 11.000 m2 erweitern, den Messepark um rund 5.000 m2. Leider ist die Stadt Dornbirn dagegen, es gibt noch keine Widmung. In Salzburg ist die Stadt dafür, aber die Landesregierung dagegen.

Und die Seestadt Bregenz wurde abgeblasen?
Drexel: Wir wollten unmittelbar am See bauen. Wir hätten zwei Tiefgaragen-Parkebenen gebraucht, die Baufirmen wollten das Risiko nicht übernehmen, wenn Wasser eintritt. Wir lagen bei den Kosten schon 40 Prozent über der Planung. Jetzt haben wir das ursprüngliche Projekt aufgrund der nicht abschätzbaren Baukosten gestoppt.

Und in Italien?
Drexel: Wir beginnen mit der Erschließung einer für uns neuen Region: Das ist die Emilia Romagna, jene Region, die für exzellente Lebensmittel bekannt ist. Im Dezember konnten wir den ersten Interspar-Markt in Parma eröffnen. Dort treffen wir aber auf starke Konkurrenten wie Coop und Esselunga. Wir sind in dieser Region der Newcomer.

Vielen Dank für das Gespräch.