Geschäftsführer DI (FH) Manuel Hofer, MBA

Top-Team Zentraleinkauf: Ein österreichisches Unternehmen wird international. REGAL mit den Hintergründen. Geschäftsführer DI (FH) Manuel Hofer, MBA im Interview

Top-Team: Für den starken Einkauf neu aufgestellt

  • 850 Millionen Einkaufsvolumen
  • Gebündelter Einkauf, steigender Eigenmarken- Anteil

Traun in Oberösterreich. Top-Team Geschäftsführer Manuel Hofer sitzt mit seinem 37-köpfigen Team an der Schnittstelle zwischen der produzierenden Industrie und Transgourmet Österreich, Unimarkt, Pfeiffer Großhandel Nah&Frisch, der Weiß-Gruppe, Eurogast, Kiennast und Lekkerland. Insgesamt managt er 30.000 Artikel von 1.000 Lieferanten. Vor zwei Jahren stemmte Top-Team Zentraleinkauf noch über eine Milliarde Euro Einkaufsvolumen. Dann kamen der Zielpunkt-Wegfall und die Pfeiffer-Umstrukturierung. Heute hat das Unternehmen zwei Eigentümer: 50 Prozent hält die Transgourmet Holding AG Schweiz, 50 Prozent blieb in Händen von Pfeiffer.

Verluste abpuffern. Obwohl Zielpunkt nicht mehr zu den Vertriebspartnern zählt, liegt das Einkaufsvolumen bei 850 Millionen Euro. „Wir konnten einiges abfedern, etwa durch Lekkerland als starken Partner im Portfolio oder die gute Entwicklung bei Transgourmet und Eurogast“, sagt DI (FH) Manuel Hofer, MBA, im REGAL-Gespräch in Traun. Unimarkt erwirtschaftete im Jahr 2016/2017 einen Umsatz von 287,92 Millionen Euro. Die Nah&Frisch Großhandelsumsätze (exkl. Umsatzsteuer) liegen bei 101,77 Millionen Euro.

Internationales Einkaufsgremium. Von einem Familienunternehmen kann man nicht mehr sprechen. Hinter Transgourmet steht die große Mutter coop. Neben Transgourmet Österreich gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Transgourmet-Organisationen in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich. „Die Geschäftsführer des Einkaufs stimmen sich mindestens einmal im Monat ab“, so Hofer. Dabei werden Eigenmarken, Projekte und Marktentwicklungen besprochen. Mengenbündelungen stärken die Verhandlungsposition und Kosteneffizienz. Die Länder haben jeweils den Lead bei bestimmten Themen. Auch Manuel Hofer hat hier bereits eine internationale Führungsrolle übernommen.

Gebündelter Einkauf. Zu Hansueli Loosli, dem Präsidenten der Transgourmet Holding, pflegt Hofer ein sehr gutes Verhältnis. „Es hätte uns als Top-Team nichts Besseres passieren können. Der Konzern ist sehr dezentral organisiert, wir arbeiten einerseits sehr selbstständig, treffen Entscheidungen national und profitieren andererseits von der Konzernstruktur.“ Der größte Profit liegt im gebündelten Einkauf. „Produkte, die wir in allen Transgourmet-Ländern benötigen, bestellen wir gemeinsam. Das größere Gesamtvolumen bringt uns bessere Einkaufskonditionen.“

Export von Austro-Artikel fördern. Österreichische Produzenten würden wiederum vom internationalen Netzwerk profitieren. „Im letzten Jahr habe ich ausgewählte Hersteller eingeladen, mit denen wir erfolgreich zusammenarbeiten. Diese haben die Möglichkeit bekommen, den Entscheidungsträgern von Einkauf und Category Management der anderen Länderorganisationen ihre Waren zu präsentieren“, sagt Hofer.

Schweiz ist Convenience-Kaiser. Die Konzernstruktur regt zur Gegenüberstellung an. „Im Ländervergleich müssen wir uns in Österreich auf keinen Fall verstecken. Wir sind top organisiert, schnell und leistungsstark, in dem was wir tun. In Sachen Convenience Sortiment können wir uns aber zum Beispiel noch einiges von der Schweiz abschauen“, meint Hofer.

Rohstoffdatenbank. Wichtig für die Einkaufsverhandlungen ist auch die Rohstoffdatenbank mit 11.000 Rohstoff-Indizes. Steigt der Rohstoffpreis eines wertbestimmenden Bestandteils, werden Preiserhöhungen verhandelt. Sinken die Preise, müssen Reduktionen umgesetzt werden.

Eigenmarkenmanagement. Mit der Übernahme wanderten auch einige neue Aufgabenbereiche ins Portfolio der Trauner. Top-Team hat nun das gesamte Eigenmarkenmanagement für Transgourmet Österreich, Unimarkt und Pfeiffer Großhandel inne. Das Unternehmen ist außerdem Markeneigentümer der Bio-Marke „natürlich für uns“, die mittlerweile 600 Produkte umfasst. Damit liegt auch die Markenführung (u.a. die Bewerbung) bei Top-Team. „Wir verzeichnen zweistellige Umsatzzuwächse. Besonders gut entwickeln sich die Frische-Gruppen Fleisch, Mopro, O&G, aber auch Cerealien.“

Zehn Eigenmarken sind es inzwischen – von „tg Economy“ (vormals Topseller) bis hin zum neuesten Zugang Transgourmet „Vonatur“, das gut angelaufen sei. Bei Unimarkt liege der Anteil weit unter 30 Prozent, bei Transgourmet könnte diese Hürde bald genommen werden. Denn alleine durch die Partnerunternehmen der coop ergeben sich viele neue Beschaffungsmöglichkeiten.

Bio-Anteil. „Bei beiden Vertriebskanälen stellen wir auch einen wachsenden Bio-Anteil fest“, sagt Hofer. Bei Transgourmet Österreich seien es über zehn Prozent, bei Unimarkt rund vier Prozent.

Artikelstammdaten und Business Analysen. Erfolgreich arbeiten die Trauner auch mit ihrem eigenen B2B-Portal. Die Automatisierung der Datenerfassung wird groß geschrieben. Im Datenpool werden alle notwendigen Lieferanten- und Artikeldaten erfasst und gewartet. Darüber hinaus werden Workflows (z.B. Warenrückrufe) über das Portal abgewickelt. Dieses Service ist kostenfrei. Kostenpflichtig seien dagegen Business Analysen. „Wir haben vielschichtige lieferantenspezifische Auswertungen. Der Lieferant sieht seine Umsätze, Mengen etc. im Vergleich zu anderen Lieferanten der Warengruppe, natürlich anonymisiert, und sogar herunter gebrochen auf Standorte und Gebiete.“