Drexel kritisiert zu hohe Gewinn­margen der Industrie. LEH hat nur ein bis drei Prozent

Der neue Weg der Spar …

Die Spar hält den Kurs, legt sogar die Schlagzahl zu. „Und das in äußerst stürmischen Zeiten“, so Spar-Präsident Dr. Gerhard Drexel. Insgesamt erwirtschaftete die Tanne mit rund 3.000 Standorten einen Außenhandelsumsatz von 13,80 Milliarden Euro. Ein Plus von 4,8 Prozent. Der Konzern-Netto-Umsatz kletterte auf 4,4 Prozent hinauf. Das EBT machte einen Gewaltschub um 40,3 Prozent auf insgesamt 305 Millionen Euro. Die EBT-Marge machte einen Höhenflug von 2,4 Prozent auf 3,2 Prozent. „Das ist dennoch zu wenig“, so Drexel. „Die Wertschöpfung ist ungerecht geteilt. Es kann nicht sein, dass der LEH nur Margen von ein bis drei Prozent erhält und die Industrie ein Vielfaches davon.“

Eigenmarken. Deshalb kurbelt die Tanne die Eigenmarkenanteile weiter an. „Wir konnten heuer erstmals die 40-Prozent-Schallmauer durchstoßen. Insgesamt konnten wir umsatzmäßig um acht Prozent zulegen. Alle Linien haben enorm tolle Daten abgeliefert. Wir lagen bei Spar Natur Pur um 26 Prozent im Plus, bei Spar Premium waren es 16 Prozent, bei SBudget 22 Prozent.“

Eigenkapitalquote. Darüber hinaus konnte die Eigenkapitalquote erneut erhöht werden und beträgt starke 36,0 Prozent (2015: 33,1 Prozent). 2016 legt die Tanne für Investitionen im In- und Ausland mehr als 600 Millionen Euro auf den Tisch. Auch für 2017 sind Ausgaben in der gleichen Größenordnung geplant. Ein wesentlicher Bestandteil bleiben dabei Modernisierung und Umbauten. „Ganz im Sinne von re-invent your self geht es darum, alte eingesessene Standorte mit neuen Projekten auszutauschen.“ Abtausch von 300 m2 Geschäften in modernen 700 m2 Supermärkten, Upgrade von Spar-Flächen in Eurospar-Formaten oder die Errichtung von Interspar-Jumbos (2.500 – 5.000 m2) in angeschlossenen EKZs: „Wir befinden uns klar in einer Zeit, die geprägt ist vom Overstoring.“ Große Expansionsschübe sind auf Dauer nicht mehr zu erwarten. So kommt Österreich auf die zweithöchste Ladendichte Europas. „Mit 460 Geschäften über 400 m2 pro einer Million Einwohner.“

Die Spar Holding AG konnte im Geschäftsjahr 2016 die Nettoverschuldung erneut reduzieren. Die Finanzlage des Konzerns zeigt sich in 2016 noch einmal gestärkt und entwickelt sich weiterhin kontinuierlich positiv und nachhaltig stabil. Im abgelaufenen Jahr 2016 hat die Spar Holding AG über 620 Millionen Euro an Steuern, Abgaben und SV-Beiträgen in Österreich geleistet.
Interspar. Vertriebsseitig ist die Interspar der Vorzeigeschüler der Flotte. „Wir konnten in der Großfläche ein Umsatzplus von sechs Prozent erwirtschaften.“ Der umsatzstärks­te steht im Europark. „Hier kommen wir überhaupt auf „10.000 Euro Umsatz auf den Quadratmeter“, so Drexel.

Sortiment. Im Sortiment setzt die Tanne auf Trend-Paletten. 37.000 regionale Artikel von 2.700 lokalen Lieferanten sind eingelistet. In den zehn größten Interspar-Märkten wurde zudem ein Klosterladen aufgeschaltet. Sushi wurde mit entsprechenden Möbeln in 30 (von 62) Verbrauchermärkten realisiert. Dazu kommen Spar-Linien wie Spar Veggie (fünf Prozent Vegetarier, aber 95 Prozent Flexitarier), Spar vital (165 zuckerreduzierte, zuckerfreie oder „ohne Zuckerzusatz“-Artikel oder Spar Premium (die Linie ist mittlerweile überall eingeführt). Darüber hinaus gibt es Editionen, die den Industriepartner vor den Vorhang holen (Stekovics). Drexel: „Mittlerweile ist es so, dass Humus der stärkste Aufstrich des Landes ist.“

Aktionen. Zum Thema Underpricing hält Drexel fest. „Wir müssen den Marktanteil steigern, um zu überleben. Oft gehen jene Unternehmen vom Netz, die bei keiner Preisschlacht mitgemacht haben. Aktionen können wir uns nicht verbieten lassen.“

Im Ausland bläst Spar weiter zur Offensive. „Die 62 übernommenen Billa-Märkte werden aktuell in Kroatien auf die Tanne umgeflaggt.“ Insgesamt wächst der Marktanteil von sechs auf zehn Prozent an.

Spar Ungarn. Nach der Überwindung der schwierigen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren trug die Spar Ungarn auch im Geschäftsjahr 2016 wesentlich zur positiven Ergebnisentwicklung des Konzerns bei. Es konnte 2016 ein Plus von 5,2 Prozent Umsatzzuwachs (wechselkursbereinigt, + 4,7 Prozent mit Wechselkursveränderungen) erwirtschaftet werden.

Spar Italien. In Italien erwirtschaftete die Spar 2,07 Milliarden Euro. Ein Plus von 2,8 Prozent. Dabei eröffnete die Tanne auch den einen oder anderen Leckerbissen: In Venedig ging im Teatro Italia ein neues Geschäft ans Netz.

Herbert Schneeweiß