Online Umsatz bei Rewe betrug 30 Millionen Euro

Hensel: Online-Umsatz 30 Mille, aber mit Defizit

  • Hohe zweistellige Millionen Euro Invest für Online heuer
  • Bipa ist der erfolgreichste Online-Konzept

Online bewegt die gesamte Branche. Gegenüber REGAL beziffert Rewe-Boss Frank Hensel die Investitionen in Online für 2017 mit einem hohen zweistelligen Millionen Euro Betrag. „Die digitale Revolution im Handel steht nicht vor der Tür, sondern sie ist Wirklichkeit. Man muss die digitalen Herausforderungen annehmen. Man muss bei Online dabei sein, das ist unsere grundsätzliche Einstellung. Der Kundennutzen ist das Erfolgskriterium. Egal ob analog oder digital“, so der Manager, der 2018 aus dem Unternehmen ausscheiden wird und sich ein Geschichtestudium vorstellen kann.

Multichannel. Am Ende zählt somit das Gesamtpaket und das heißt Multichannel. „Wir haben 2.500 Filialen und täglich zwei Millionen Kunden in unseren stationären Filialen. Es wäre daher töricht, absolut nur auf Online zu setzen. Billa ist der größte Online Händler, er ist auch stationär der größte Händler“, so Hensel. In Österreich beträgt der Online-Umsatzanteil in LEH weniger als ein Prozent. „Es ist daher ein Gebot der Stunde, dass wir beide Kanäle nehmen“, so Hensel, für den viele Offline-Themen in die Online-Strategie hineinspielen. Partnerschaften in der Lieferkette, Kooperationen, Logistik, Demografie, Einkaufserlebnis, all das müsse berücksichtigt werden. „Ein neuer Merkur kommt auf Umbaukosten von sechs bis sieben Millionen Euro. Die Zyklen sind kürzer, die Veränderungen schneller. Früher musste man einen Markt alle zwölf Jahre umbauen, heute sind es alle sechs bis sieben Jahre“, so Hensel, der auf einen 360 Grad Ansatz setzt.

2016 betrug der Online-Umsatz bei Rewe 30 Millionen Euro. Hensel: „Das ist am Gesamtumsatz gemessen sehr gering. Wie es in zehn Jahren aussieht, weiß ich nicht. Die Prognosen waren alle falsch. Wenn man bei unseren geringen Margen selbst an diesem geringen Umsatzanteil nicht teilhat, wird es schwierig. Schon bei zwei Prozent Umsatzverlust ist es schwierig für uns. Es ist natürlich nicht wirtschaftlich. Wir betrachten das als Investition.“ Gerade hat das Unternehmen das 1. Fulfillment Center mit reiner Online-Kommissionierung in Wien eröffnet. Derzeit stehen 8.000 Artikel zur Verfügung, Platz ist laut Hensel aber für bis zu 15.000 Artikel.

Der Online-Anteil am Bipa-Umsatz liegt bei 1,3 bis 1,5 %. „Bipa ist bei uns das erfolgreichste Online-Konzept. Wir verdienen hier fast Geld,“ so Hensel der insbesondere die Kostenstruktur als Erfolgsfaktor nennt. Denn die Die Paketlieferung, die sogenannte „Letzte Meile“ fällt durch Auslagerung weg. Der Online-Anteil am Bipa-Umsatz liegt bei 1,3 bis 1,5 Prozent. Die Wachstums­raten sind zweistellig. Mit standardisierten Produkten wie Kosmetikartikel werde Online auf Dauer besser funktionieren, als bei Lebensmittel, so die These von Hensel. Denn diese seien immer unterschiedlich und Schwankungen unterworfen.

Auch im Know-how hat die Rewe aufgerüstet. „Wir haben heute eine eigenständige IT Entwicklung allein nur für den Online-Bereich. Das sind 90 Mitarbeiter in Wien“, so Hensel, der auf eigen­ständige Entwicklung von Plattformen setzt.

2018 soll ein digitales Marktplatzkonzept starten. „Wir betrachten das als verlängertes Regal, wo wir eine Chance auch für kleinere regionale Anbieter sehen, die nicht den stationären Handel beliefern können.“ Marken wie Coca Cola sollen dort nicht präsent sein. Hingegen sind auch andere Branchen denkbar, wie Dienstleistungen zu Haushaltsartikel, Accessoires, Textilien.
All diese Aktivtäten machen laut Hensel aber nur Sinn, wenn sie in einem Cross Channel Konzept umgesetzt werden. Das bedeutet, dass die Digitalisierung am Ende auch in der Filiale einziehen wird. Das beinhaltet Digitale Signaturen, Self Check Out, click&collect („das ist bei uns ehr dynamisch, weil es den Bedürfnissen der Kunden entspricht“), digitale Preisauszeichnung. Hensel: „Hier arbeiten wir schon an der nächsten Generation.“

Ein bestimmendes Element ist Big data. Per definitionem die Verknüpfung von Daten und deren Analyse. Laut Hensel ein entscheidender Erfolgsfaktor. Hensel: „In den USA läuft heute die Produktsuche direkt über den Händler Amazon und nicht mehr über Google. Das kann Amazon, weil die Big data beherrschen. Das Marketing ändert sich dadurch momentan rasant. Daten werden extrem wichtig sein. Dabei geht es nicht darum, das einzelne Individuum zu beschreiben, sondern zusammengefasste Kundengruppen.

Es gibt nicht den reinen Online-Kunden. Gleichzeitig bleiben aber die Nähe zum Menschen und der Dialog mit den Kunden extrem wichtig. Ein wichtiger Punkt ist hier der ganzheitliche Kunde. „Es gibt nicht den reinen Online-Kunden. Nicht einmal bei Bipa. Der stationäre Handel bleibt wichtig“, so Hensel. Und Amazon Fresh? „Wir haben großen Respekt, aber keine Angst. Die werden Österreich auch irgendwann bearbeiten. Man muss sich differenzieren“, so Hensel.