Spar-Vorstand Hans K. Reisch (2.v.li.) mit Gattin Bettina (3.v.li.) und Tochter Sandra (li.) sowie GF Gerhard Schaller (Niemetz) und REGAL-Herausgeber Dir. Manfred Schuhmayer

REGAL-Interview am REGAL-Branchentreff mit Spar-Vorstand Hans K. Reisch

2017 läuft für Spar super!

  • Operativer Cash Flow bei 780 Millionen
  • Zielpunkt-Umstellung und Billa-Übernahme in Kroatien treiben die Umsätze an
  • Tests in den Bereichen Digital Science und elektronischen Regaletiketten

Regal: Herr Vorstandsdirektor Reisch, Sie haben im abgelaufenen Jahr 2016 neuerlich zulegen können. In Österreich haben Sie bereits rund 6,5 Milliarden Euro erwirtschaften können, zählen wir die Auslandstöchter hinzu, dann ist die Spar bereits bei 14 Milliarden Euro angekommen. Konnten Sie den Schwung in das aktuelle Jahr mitnehmen?
Reisch: Das erste Tertial ist in allen unseren Unternehmensbereichen im In- und Ausland inklusive unserer Töchter Hervis und SES, hervorragend gelaufen. Der Mai war dann durchzogen, obwohl wir zwei Verkaufstage mehr hatten. Das hat uns sehr gewundert. Aber im Juni geht es wieder deutlich besser voran. Und unterm Strich bleibt: Wir haben in den ersten Monaten überzeugend reüssiert.

Welche Faktoren tragen zu dem aktuellen Drive bei?
Wir duften im vergangenen Jahr 28 Zielpunkt-Märkte übernehmen. Elf davon in Wien. Eine stattliche Anzahl, die wir mittlerweile allesamt ans Netz nehmen konnten. Und im Ausland ist es uns gelungen, in Kroatien die 61 Billa-Märkte zu übernehmen. Auch diese Flotte läuft sehr gut.

Läuft es besser als im Vorjahr?
Es läuft besser als 2016, aber mit Sicherheit auch aufgrund der eben genannten Expansions- und Akquistionsschritte.

Sie sprechen die Akquisition an: 2016 hat die Spar unglaubliche 600 Millionen Euro investiert. Für 2017 ist eine ähnliche Summe geplant. Summen, die aus dem Cash-Flow gestemmt werden?
Ja, denn wir haben gleichzeitig einen operativen Cash-Flow von 780 Millionen Euro generiert. Trotz der hohen Investitionen konnten wir rund 200 Millionen Euro Schulden tilgen, die wir natürlich noch haben. Wir sind derzeit bei einer Schuldtilgungsdauer von 1,4, was sensationell für unsere Branche ist. Gleichzeitig ist es uns gelungen, das Eigenkapital auf über drei Prozentpunkte zu erhöhen. Wir liegen nunmehr bei über 36 Prozent, konnten 173 Millionen Euro ins Eigenkapital stellen und sind nunmehr bei einem Eigenkapital von über zwei Milliarden Euro angekommen.

Was waren die Innovationen der Spar im Ladenbau?
Im Ladenbau-Bereich sind die Innovationen in drei Blöcke einzuteilen: Das sind zum Einen Innovationen in der Energieeffizienz, die technischen Innovationen des Ladenbaus im Markt und das Look-and-feel, also wie sich der Kunde im Markt fühlt.

Bei der Energieeffizienz dreht die Spar gerade bei den Schrauben Kühlmitteln und Beleuchtung?
Das stimmt. Die Spar hat sich entschlossen, ab sofort, was unsere Kältesysteme betrifft, alle Märkte mit CO2 auszustatten. Der zweite Punkt, der uns sehr wichtig ist, ist LED in allen unseren Standorten zu installieren. Das betrifft den Innen- als auch den Außenbereich. Wir haben ein modulares Haustechnik-System. Unsere Haustechnik-Anlagen brauchen auch nur so viel Energie, auf die sie ausgerichtet sind. Wir haben inzwischen über 20 Photovoltaik-Anlagen pro Jahr zur Installation freigegeben. Und das sind Photovoltaik-Anlagen, die nur so viel Strom erzeugen, die der Markt braucht. Sollte es einmal eine Überproduktion geben, dann investieren wir das in den Sonntagsbetrieb. Das sind die wesentlichen Energieeffizienz-Maßnahmen. Wir überprüfen das alles mit einer sogenannten Selt-Anlage – eine Spar-, Eurospar-Leittechnik –, die dazu bestimmt ist, alle unsere Märkte zu benchmarken. Wenn irgendwo, irgendetwas nicht funktioniert, dann wissen wir das sofort und können darauf reagieren.

Welche technischen Innovationen gibt es im Markt?
Es ist so, dass wir gerade dabei sind, elektronische Regal-Etiketten zu testen. Dabei handelt es sich um ein E-Paper, das zusammen mit unseren Partnern Umdasch und Marcotag entwickelt wurde. Wir sind mittlerweile soweit, dass wir fünf Märkte damit ausgestattet haben. Wir sehen schon jetzt, dass dieses E-Paper besser als jedes Papier-Etikett ist. Es gibt einen Kundennutzen, weil es eine Preissicherheit garantiert. Es gibt einen Mitarbeiternutzen, weil sie viel weniger Arbeit machen und helfen weniger Fehler bei der Auszeichnung zu reduzieren.

Auch im Kassenbereich gibt es Entwicklungen?
Ja, ein weiteres Thema sind Cashless-Checkouts. Wir schauen, ob die Kunden im urbanen Bereich nur mit Kartenzahlung erfolgreich ihren Einkauf abwickeln können und wollen. Das funktioniert. Es ist interessant, wie viele Leute bereit dazu sind, nur mit Karten zu bezahlen.

Stichwort, Digital Science?
Das ist ein Thema, das wir uns ganz genau ansehen. Wir haben etwa in unseren Feinkost-Theken gerade einen Test mit interaktiven Digital Science-Elementen im Laufen, um den Kunden einfach interaktiv informieren zu können. Ein weiterer Punkt, den wir gerade umsetzen, sind Mitarbeiter-Screens in unseren Aufenthaltsräumen, die über aktuelle Themen unterrichten sollen.

Thema look-and-feel?
Das ist unser dritter Punkt. Wir sind gerade dabei, unsere Märkte neu zu erfinden. Wir haben dieses Projekt aktuell abgeschlossen. Konkret heißt das, dass wir beim Eurospar-Format alle Frischebereich wieder in den Vordergrund stellen. Wichtig ist auch, dass wir Easy-Shopping ermöglichen. Der Kunde soll entscheiden, wie schnell er seinen Einkauf tätigen will. Insgesamt arbeiten wir mit leichterer und feinerer Materialität, damit sich der Kunde wohlfühlt. Darüber hinaus wollen wir bei unseren neuen Märkten barrierefrei sein.

Wie schnell wollen Sie mit den letzten Innovationen in den Roll-out gehen?
In den nächsten zwei Jahren wollen wir alle Standorte auf dieser Basis haben.

Wie reagieren Sie auf den Online-Handel?
Wir sind im Online-Handel bereits seit 15 Jahren mit unserer Weinwelt.at sehr erfolgreich aktiv. Wobei Weinhandel nicht unbedingt etwas mit Lebensmittel-Onlinehandel zu tun hat. Wir haben im Non Food II Bereich (Beispiel Hervis) aber auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir sind da, so meine ich, europaweit führend, was die Verschränkung zwischen Online- und Stationär-Handel betrifft. Dieses Multichanelling funktioniert bei Hervis sehr gut und wir nehmen auch einiges für den Lebensmittelhandel mit. Im letzten Quartal 2016 haben wir in Wien gestartet und haben Anfang 2017 ein weiteres Gebiet – in Salzburg – aufgeschalten. Wir sehen das aber als Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Insgesamt wird es online schwierig sein, ein positives Ergebnis zu erwirtschaften.

Wie schätzen Sie den weiteren Geschäftsverlauf 2017 ein?
Wir sind sehr optimistisch. Ich glaube, dass wir 2017 wieder von einem sehr positiven Jahr sprechen können. Das gilt im Inland genauso wie im Ausland.

Danke für das Gespräch.

Herbert Schneeweiß