Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, Minister Bartenstein und Wimmer 2004.

Ein Leben für Billa

Wolfgang Wimmer  †

Wolfgang Wimmer ist vor einigen Tagen im 76. Lebensjahr verstorben. Er war großer Aufbauer von Billa.

Im Jahr 1942 wurde Wimmer in Ybbs an der Donau geboren. Seine persönliche Heimat war aber über viele Jahre Neulengbach.
Schon 1965 ist Wimmer zu Billa gestoßen. Karl Wlaschek, der am 4. August seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, gründete im Jahr 1953 sein erstes Geschäft in Wien Margareten. Die Anfänge waren klein, doch bei Billa ging es schnell bergauf.

Wimmer absolvierte nach der Schule eine Lehre bei Konsum zum Einzelhandelskaufmann. Er wurde Filialleiter, bewarb sich dann aber auf ein Inserat „Billa sucht Filialleiter“ und wurde von Karl Wlaschek in dessen Büro am Parhamerplatz empfangen und eingestellt. Ein unglaublicher Aufbau mit Wlaschek sollte an diesem Tag beginnen. Billa war seither das Leben Wimmers.
Er leitete zunächst einen Kaspar-Diskont-Laden in der Westbahnstraße. Ein Jahr später wurde Wimmer Filialinspektor, dann 1969 Verkaufsleiter und 1972, aufgrund seiner Loyalität und Verlässlichkeit, schließlich Vorstand von Billa. In Karl Wlaschek oder KW, wie er auch genannt wurde, sah Wimmer „eine Vaterfigur“ und blieb ihm zeitlebens verbunden.

Die 70-er-Jahre standen im Zeichen der Expansion. Billa wurde groß. 1970 startete Billa als erster Supermarkt Österreichs mit TV-Werbung. 1989 hatte man bereits 450 Filialen. 1990 führte Wimmer die Scannerkassen ein.
Im Jahr 1993 – Konsum, viele Jahre die Nr. 1 in Österreich, schwächelte bereits, hatte aber noch 18 Prozent Marktanteil – zog BML an Konsum vorbei und konnte die Marktführerschaft übernehmen. Ein großer Erfolg für Wlaschek, Veit Schalle und Wimmer. Sie waren die großen Aufbauer des heutigen Konzerns. Sie gingen auch nach dem Fall des Eisernen Vorhanges Anfang der 90er-Jahre die ersten Schritte nach Osteuropa. Brünn war der erste Billa in Tschechien und damals eine Sensation. Auch Warschau lief gut.

Eine „Glanz“-Eröffnung, damals noch mit Wlaschek und Bürgermeister Dr. Zilk, nahm Wimmer am 25. Mai 1994 vor: Billa Corso in den Ringstraßen Galerien. Bis heute ein großes Flaggschiff auf 1.000 Quadratmetern. Auch die „Singerstraße“ erlangte Berühmtheit.

Doch es folgten Mitte der 90-er in der Geschichte der BML/Rewe entscheidende Jahre, Wendejahre könnte man sagen. Zunächst 1994 der Spatenstich für das neue Zentrallager in Wr. Neudorf (Eröffnung August 1995). Wimmer war mit dabei. Auch die Erfolgsmarke Ja! Natürlich ging 1994 an den Start.

Dann der Paukenschlag im Jahr 1995. Konsum ging pleite. Rund 200 Filialen konnte die BML übernehmen (Billa 77). Der Marktanteil der Gruppe (inkl. Merkur und Mondo) stieg plötzlich von 22 auf 27 Prozent.

1996 schließlich verkaufte Wlaschek, nach Geheimverhandlungen mit Hans Reischl, sein BML-Imperium an die Kölner Rewe. Wlaschek, damals schon 78, stieg aus, Wimmer blieb an der Spitze von Billa. Der neue deutsche Konzernherr Hans Reischl setzte auf die Erfahrung Wimmers. Diese wurde bei der Integration von 160 Meinl-Filialen (Rewe) auch bald nötig.

Bei Eröffnungen war Wimmer sehr gesprächig und gesellig. Einmal, es war um das Jahr 2000, lud Wimmer „Regal“ zur Eröffnung des BIG Billa in Tamsweg ein. Dies war damals etwas Außer­gewöhnliches und eine große Ehre. Gerne stand er in den späteren Jahren auch im „Kurier“. Eine große Rede hielt Wimmer auch bei der Eröffnung eines Billa im Eurocenter an der Mariahilfer Straße. Wimmer war ein hervorragender Redner, er konnte begeistern.

Ein echter Coup gelang Wimmer dann 2002 mit der Eröffnung des größten Billa in Neulengbach. Auf 1.500 Quadratmetern präsentierte man ein richtungsweisendes Frische-Konzept, das internationale Beachtung fand. LH Pröll damals: „Hier ist ein Supermarkt der Superlative entstanden.“

Mitarbeiter? Hatte Wimmer naturgemäß viele in der Zentrale. Etwa Mag. Kerstin Neumayer – heute Chefin von Merkur – in Marketing und Werbung. Sie arbeitete viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte mit Wimmer zusammen. Dann Mag. Volker Hornsteiner, der sich in späteren Jahren als Co-Vorstand Wimmers um den Vertrieb kümmerte, Mag. Josef Siess (Einkauf), Robert Nagele (Vertrieb), Peter Koblischek (Feinkost), Alfred Propst (O&G), Sabine Thaller und viele mehr.

Die Zeit verging und bald folgte das Jahr 2003. Jubiläum. 50 Jahre Billa. Die Kette war bereits bei 950 Filialen und 15.000 Mitarbeitern angelangt. Wimmer, am Höhepunkt seiner Karriere, lud gemeinsam mit GDir. Schalle in den großen Festsaal des Wiener Rathauses. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hielt die Festrede. Ein toller Abend. Unvergesslich. Die Rede Wimmers war so mitreißend, dass Konzernchef Reischl danach spontan gratulierte.

Neben Reischl kamen auch Bürgermeister Häupl, Bischof Krenn, ORF-Chefin Lindner, WK-Präsident Nettig, Martin Essl, Baumeister Lugner, Professor Schnedlitz, Julius Meinl, Unilever-General Bloder, Wiesbauer-GF Schmidbauer, Dr. Carl Manner und Vorstand Schönthaler, die Wasser-Manager Wandl und Hudler, Ottakringer-Legende Wenckheim.

Im Jahr 2004 erhielt Wimmer von Wirtschaftsminister Bartenstein das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. „Billa ist untrennbar mit der Person Wolfgang Wimmer verbunden“, heißt es heute seitens der Rewe Group. Im selben Jahr nahm Wimmer auch anlässlich 30 Jahre „Regal“ das Goldene Regal in der Hofburg entgegen.

Ein gewisser krönender Abschluss in aller Öffentlichkeit war sicherlich die Eröffnung der 1.000. Billa-Filiale in Pernitz (NÖ). Es war der Juli 2006. Das Jahr, in dem Wimmer – nach 41 Jahren bei Billa – die Zukunft des Unternehmens in jüngere Hände legen sollte. Hornsteiner wurde Vorstands­sprecher, Siess rückte in den Vorstand auf. Alle waren sie nochmals gekommen, um Wimmer zu feiern. Minister Bartenstein und Rauch-Kallat, deutsche Konzern-Chefs Egner und Caparros, Vorstand Hensel, Landeshauptmann Pröll.

Besonders gut war in diesen vielen Jahren auch der Kontakt zu Erwin Pröll. Mit Niederösterreich hatte Wimmer nicht zuletzt aufgrund seiner Heimat in Neulengbach eine große Verbundenheit. So sagte Wimmer bei einer Rede zur Eröffnung eines Billas in Gmünd einmal: „Immer wenn ich ins schöne Waldviertel reisen darf, wenn ich mit meinem Wagen die Bundesstraße nach Gmünd heraufkurve, zwischen den Wiesen und Hügeln, die jetzt schon weiß verschneit sind, und ich spür den Granit unterm Asphalt – der ja auch ein bisschen das Waldviertler Wesen prägt – dann geht mir spätestens, wenn ich an Schrems vorbeifahre, das Herz auf.“

Gregor Schuhmayer