Report über Rewe Österreich-Chef Marcel Haraszti

Haraszti: Pläne

  • Umbau im Zentraleinkauf mit Siess (Food) & Propst (Nearfood, Frische)
  • Self Checkout und Kundenkarten

Ruhig, gefasst und unaufgeregt präsentiert sich der neue Rewe-Österreich Chef Marcel Haraszti beim ersten öffentlichen Auftritt als Boss der Austro-Rewe. Der 42-Jährige ist nach 15 Jahren Managements-Funktionen im Ausland nun auch privat angekommen. „Ich bin gekommen, um in Österreich zu bleiben. Es wird Zeit, sesshaft zu werden“, erklärt der Vater zweier Kinder.

Der eigene Stil, ein neuer Weg, lässt sich bereits am Outfit des Sohnes ungarischer Zuwanderer erkennen. Violettes Stecktuch. Fliederfarbene Krawatte. Weißes Hemd mit abgestimmten Manschettenknöpfen. „Ich bin ein offener Mensch, lerne gerne neue Menschen kennen.“ Das gelte auch für die Manager anderer Handelsorganisationen. Von einer angeschlagenen Stimmung zum Branchen-Vize Spar will Haraszti nichts wissen: „Ich gehe davon aus, dass wir uns bei Veranstaltungen und zufälligen Begegnungen durchaus die Hand reichen können.“

Für die Aufgabe in Österreich zeigt sich Haraszti gewappnet: „Ich habe in Osteuropa Expansion, Aufbau und Erschließung neuer Märkte gelernt. In Deutschland war ich bereits mit einem gesättigten Land konfrontiert. Hier waren Regionalität und Selbstständigkeit gefragt.“
Und auch die ersten Prüfungen in Österreich seien positiv absolviert worden. Als Kurzfrist-Geschäftsführer habe er bei Bipa Ordnung geschafft. „Es gab hier eine große Management-Fluktuation. Jetzt sind die richtigen drei Geschäftsführer installiert. Der Weg ist jetzt vorgegeben. Bipa kann wieder Tempo aufnehmen.“

Seit 1. Juni 2017 ist Haraszti Bereichsvorstand Handel Vollsortiment Österreich und hat in dieser Funktion die Verantwortung neben Bipa auch für Billa, Merkur und Adeg übernommen. Die außergewöhnliche Einarbeitungszeit und die parallele Zusammenarbeit mit dem scheidenden General Frank Hensel störe nicht. „Die Athmosphäre ist gut. Wir verstehen uns. Es geht hier um einen reibungslosen Übergang eines Groß-Konzerns. Ich hatte so die Möglichkeit, jeden einzelnen Bereich besser kennen zu lernen.“
Eine Abwertung des Chef-Sessels in Wiener Neudorf oder gar ein größeres deutsches Zugriffsrecht ortet Haraszti nicht. „Es berichten alle Bereichsvorstände, wie gehabt, an Jan Kunath.“ De facto gäbe es die Position von Frank Hensel nicht mehr, Haraszti ist aber Rewe Österreich-Chef. Dabei ist der Neo-Boss auch ein Vertrauter von Köln-Chef Lionel Souque. „Ich habe lange Zeit mit Lionel Souque zusammen gearbeitet.“

Einkauf. Die Aufgaben, die auf Haraszti in den nächsten Monaten einprasseln, sind mannigfaltig. „Ein wichtiger Punkt wird die Umstellung des Zentraleinkaufs sein.“ Schnellere Umsetzung, schnellere Entscheidungen sind das Ziel. „Das lässt sich nur durch klare Aufgabenverteilung erreichen.“ Künftig wird es mit Mag. Josef Siess und Alfred Propst zwei Direktoren für den Zentraleinkauf geben. Ware I (Food) wird der Billa-Chef verantworten, Ware II (Nearfood und Frische) liegen bei Propst. „Wobei wir die Synergien des Konzerns viel besser nutzen wollen.“ Konkret heißt das: „Die Beschaffung von Billa und Merkur wird gleichgeschaltet. Die Category Managements bleiben getrennt.“
In Fragen der Beschaffung gibt es für die Lieferanten damit konzernweit nur noch einen Ansprechpartner. Auch Markt- und Filialleiter sollen künftig bei der Produktauswahl mehr eingebunden werden. „Wir wollen gelebtes Unternehmertum fördern. Sie müssen Entscheidungen auch selbstständig treffen können. Denken Sie an Merkur, da haben die Standortleiter eine Umsatzhoheit über zwölf bis 15 Millionen Euro.“ Austro-Bekenntnis inklusive: „Wir werden, wo möglich, weiter auf österreichische Produkte setzen.“ Das konzernale Eigenmarken-Geschäft bleibt in den Händen von Mag. Martina Hörmer.

Merkur. Die herkömmliche Merkur-Expansion mit Jumbos von 2.000 m2 und mehr ist nicht mehr möglich. „Unser Kompaktmodell, wie etwa in Kittsee, funktioniert gut. Wir sehen mit diesem Format ein größeres Erweiterungs-Potenzial.“ Dass sich Merkur und Billa durch die neuen Strategien um die gleichen Flächen matchen, sieht Haraszti nicht: „Wir schließen vielmehr eine Lücke. Billa wird etwas größer und kann sich damit in den Frische-Bereichen noch besser behaupten und Merkur wird etwas kleiner und kann ebenfalls den Feinkost-Charakter besser herausarbeiten.“

Billa. Bei Billa läuft im Südburgenland ein Test mit einem Counter-System. „Da können Kunden bei einem Schalter bestellen und bekommen die Waren zugestellt.“ Das sei ein Testlauf. Sortimentsmäßig sei für Billa die Aufschaltung von Non Food-Paletten zukünftig vorstellbar.

AGM. Ein Bekenntnis gibt Haraszti zu AGM ab. Ein Verkauf stehe nicht im Raum. „Wir suchen neue Standorte.“ Darüber hinaus könne sich „Adeg sehr gut behaupten.“

Online. Keine Spekulationen lässt sich der Neo-Rewe-Öster­reich-Chef hinsichtlich der Bedeutung des Online-Geschäfts entlocken. Geld wird aktuell nicht verdient, aber „das war auch im Feinkost-Bereich vor 40 Jahren so.“ Ob die Anteile fünf, zehn oder 20 Prozent betragen, sei nicht abschätzbar.

Drive-In. Getestet wird darüber hinaus Drive-In. „In Österreich haben wir keinen Piloten, aber wir werden aus den Erfahrungen in Deutschland lernen.“ Abholstationen sind dagegen angedacht. „Diese Realisierungen wird es alleinstehend oder auch bei Märkten geben.“

Das Self-Checkout-Kassensystem bleibt weiter auf der Agenda. „Wir haben Märkte, wo bis zu 20 Prozent des Umsatzes über die Selbstbedienungsstation abgewickelt wird.“ Darüber hinaus wird die Kundenkarte immer wichtiger. „80 Prozent der Umsätze sind im Kartensystem bereits abbildbar.“

Herbert Schneeweiß