Mag. Georg Pfeiffer

Exklusiv-Gespräch mit Mag. Georg Pfeiffer, Eigentümer Unimarkt Gruppe

Ich verkaufe nicht!

  • Umsätze ziehen flächenbereinigt um zwei Prozent an, 400 Millionen-Euro-Marke wird übersprungen
  • Non Food I-Sortimente werden zurückgefahren, Rückzug bei Non Food II
  • Langfrist-Plan: Umstellung von 100 Unimarkt-Filialen auf selbstständige Kaufmannschaft

Regal: Herr Mag. Pfeiffer, die Zielpunkt-Insolvenzmeldung ist mittlerweile rund zwei Jahre her. Mit dieser Distanz gesehen: Würden Sie Zielpunkt nochmals kaufen?
Pfeiffer: Nein. Mein Bauchgefühl hat schon damals für einen Nicht-Einstieg plädiert. Und das aus einem einzigen Grund: Unser Motto war stets, nur gesunde Unternehmen zu übernehmen.

Wie Nussbaumer zum Beispiel?
Genau. Das ist das Parade-Beispiel. Ein kerngesundes Unternehmen, das einen kompetenten Partner oder Nachfolger gesucht hat. Und es gibt da noch zahlreiche andere gute Übernahmebeispiele. Pfeiffer hat aber niemals Baustellen eingekauft und Zielpunkt war eine Riesen-Baustelle.

Warum ist die Entscheidung dann dennoch für Zielpunkte gefallen?
Weil wir die Zielpunkt-Übernahme auch als große Entwicklungsmöglichkeit gesehen haben.

Ebenfalls vor knapp zwei Jahren fiel Ihr Entschluss, sich von der C&C-Pfeiffer-Schiene zu trennen?
Das ist eine Entscheidung zu der ich voll und ganz stehe. Wir hätten das Unternehmen nicht in dem Tempo weiterentwickeln können wie es Transgourmet kann. Transgourmet war und ist für das Unternehmen eine tolle Perspektive, die ich der C&C-Vertriebsschiene nicht nehmen wollte. Das ist auch meine Unternehmerpflicht als Eigentümer.

Sie sind mit der Abgabe von zwei der drei Standbeine zum Kerngebiet zurückgekommen. Wie geht es Ihnen damit?
Ich glaube, dass wir hier ein Zukunftsmodell vorfinden. Wir haben sehr schlagkräftige Kaufleute und ein sehr gutes regional verankertes System mit Unimarkt.

Dessen Expansion aber beschränkt ist?
Fünf bis acht neue Standorte pro Jahr wird es nicht mehr geben. Es geht uns bei Nah&Frisch und bei Unimarkt um keine Expansionsoffensiven, sondern um qualitatives Wachstum. Wir werden dort, wo wir Potenzial sehen, Standorte ausbauen und entwickeln und da und dort im Nah&Frisch-Bereich noch Flächen vom Netz nehmen. Sicher ist, es wird Expansion geben, aber nur noch punktuell.

In den Städten?
Da haben wir noch Potenziale. Dementsprechend haben wir auch erst vor kurzem in Graz einen Standort ans Netz genommen. Dennoch wird es sich hier um keine große Anzahl drehen.

Dennoch werden Sie 2017 rund 8,5 Millionen Euro in die Flotte investieren?
Da geht es vorwiegend um die Unterstützung einer Reihe von Kosmetisierungen und punktuell Generalsanierungen, wie Familie Lackinger in Lichtenberg (OÖ) oder Familie Penz in St. Margarethen. Wobei es uns hier schon wichtig ist, dass der Kaufmann mit Augenmaß investiert. Ein Geschäft muss zehn bis 15 Jahre Lebenszyklus durchhalten.

Und bei Unimarkt?
Derzeit stehen keine Neubauten an, wohl aber eine Reihe von Investments in bestehende Filialen. Wir sind etwa dabei, unser Konzept für regionale Sortimente weiter auszubauen. Ein Mustermarkt wurde gerade in Sankt Florian realisiert.

Wie entwickelt sich die Unimarkt-Gruppe insgesamt? 2016 konnten Sie einen Gesamtumsatz von 390 Millionen Euro erwirtschaften?
Wir liegen aktuell rund zwei Prozent über dem Vorjahr. Und das flächenbereinigt. Wir sind zufrieden. Erkennbar ist, dass die Nah&Frisch-Kaufleute insgesamt etwas besser unterwegs sind als Unimarkt.

Worauf führen Sie das zurück?
Die Nah&Frisch-Zentrale in Wien macht eine sehr gute Arbeit, das Konzept ist hervorragend. Dazu bauen wir auf ein stabiles, erfahrenes Vertriebsteam. Bei Nah&Frisch ist alles toll eingespielt, bei Unimarkt ist hingegen einiges im Umbruch, nicht zuletzt durch die Übergabe einiger Standorte an Franchise-Partner.

Ihr Ergebnis-Ziel lag bei 2,6 Millionen Euro?
Nach einem Ergebnis von 2,3 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr, das stimmt. Wir sind auf Kurs, die aktuellen Daten zeigen, dass wir dieses Ziel erreichen sollten.

Wie müsste ein Nah& Frisch- und Unimarkt-Standort am Reißbrett ausschauen?
Wenn wir sämtliche standortspezifischen Faktoren weglassen, dann braucht ein Nah&Frisch-Markt rund 300 bis 350 m2 Verkaufsfläche bei einem Gesamtumsatz von rund einer Million Euro. Bei Unimarkt können wir am besten Flächen von 500 bis 600 m2 bespielen. In einem Geschäftsjahr braucht es zumindest rund 1,7 Millionen Euro. Darunter macht es nur in Ausnahme-Konstellationen Sinn.

Sind Schritte in der Logistik notwendig?
Wir sind mit den beiden Zentrallägern in Seiersberg und Traun perfekt aufgestellt. Hier sind keine Änderungen vorgesehen.

Und im Einkauf? Hat sich die Zusammenarbeit mit Transgourmet bewährt?
In jedem Fall, obwohl sich diese Vorteile nicht unbedingt immer in Zahlen ausdrücken lassen.

Pfeiffer hat sich immer für Marken eingesetzt.
Das ist auch heute noch so. Wir haben aktuell einen Eigenmarkenanteil von unter zehn Prozent.

Auch das Online-Geschäft mit Lebensmitteln hat die Umsatzprognosen noch nicht erfüllen können.
Das stimmt. Wir investieren weiter Geld in den Zweig, weil wir daran glauben. Geld verdienen wir nicht. Aber: Die Bestellungen und Bonsummen steigen täglich.

Denken Sie daran, ähnlich wie der Mitbewerb, eine zentrale Kommissionierung in Fulfilment-Lägern aufzuschalten?
Nein, wir kommissionieren weiter über Filialen.

Und Abholboxen?
Dieses Thema ist durch. Wir haben einen Test in der Nähe eines Geschäfts, einen Test bei einem Unternehmen und einen in einem Ort ohne Nahversorger durchgeführt und keiner hat eingeschlagen.

Ein Ausbau der Frische bedeutet im Gegenzug eine Reduktion von anderen Sortimenten?
Das stimmt. Wir werden uns von Non Food II nahezu ganzheitlich zurückziehen und auch bei Non Food I reduzieren. Wir stehen da und dort Tür an Tür mit dm, der diesen Sortimentspart in jedem Fall umfassender abdecken kann.

Welche Sortimente werden an Bedeutung gewinnen?
Regionalität, Lokalität werden immer wichtiger, aber auch Ernährungsgewohnheiten wie Vegetarismus und Veganismus werden immer stärker. Den größten Aufholbedarf hat Österreich im Hinblick auf andere Ländern im Bereich Convenience.

Welcher Invest wird in den nächsten Jahren notwendig sein?
Ich gehe davon aus, dass es immer zwischen acht und zehn Millionen Euro sein werden.

Bei welcher Nah&Frisch-Kaufmanns-Anzahl liegen Sie?
Wir konnten mit 237 Nah& Frisch-Geschäften und 180 Lieferstellen in das aktuelle Geschäfts­jahr gehen. Diese Zahl ist unverändert.

Und bei Unimarkt?
Da sind wir bei 131 Geschäften angekommen. Verändert hat sich dabei die Anzahl der Franchiser. Mittlerweile werden 55 Standorte von Selbstständigen geführt. Im März lagen wir noch bei 50. Vorgenommen haben wir uns die Privatisierung von zehn Geschäften bis zum Ende des Geschäftsjahres. 2018 werden wir über 50 Prozent Franchise-Standorte haben. Aktuell liegen wir bei 42 Prozent.

Ist ein Kaufmanns-Übernahme-Effekt spürbar?
Dafür ist die Zeit noch zu knapp. Aber im Langzeit-Vergleich performen die privat geführten Geschäfte besser.

30 Standorte sollen am Ende in jedem Fall Pfeiffer-Filialen bleiben?
Das ist nicht sakrosankt. Wir brauchen aber in jedem Fall einen gewissen Pool an Eigen-Filialen, um neue Konzepte und Innovationen entwickeln und ausprobieren zu können. Und es muss ein Querschnitt des bestehenden Netzes sein: Wir brauchen unterschiedliche Größen, unterschiedliche Typen – also Stadtlagen versus Geschäfte am Land.

Wird es diese Unimarkt-Gruppe auch noch in den nächsten Jahren geben?
Davon gehe ich aus, unsere Pläne sind langfristig ausgerichtet. Für mich ist unser Modell zukunftsträchtig.

Vielen Dank für das Gespräch.

Herbert Schneeweiß