Spar-Vorstand Mag. Fritz Poppmeier

REGAL-Exklusiv-Gespräch mit Spar-Vorstand Mag. Fritz Poppmeier in der Spar-HZ Salzburg

Spar: Startet Modernisierungs-Offensive für Kaufleute

  • Neues Ladenkonzept geht in Roll-out
  • Testmärkte in Neufeld, Nonntal und Oberndorf in Betrieb
  • Modernisierungs-Quote wird auf über 10 Prozent erhöht

Regal: Wie viele von Kaufleuten betriebene Standorte beliefert Spar derzeit?
Poppmeier: 771 Standorte.

Wie viele davon sind Eurospar?
25.

Wo setzt man den Hebel an, um bei bestehenden Kaufleuten noch Wachstum zu generieren?
Auf bestehenden Flächen durch laufende Verbesserung der Sortiments- und Vertriebsarbeit, durch rechtzeitige Modernisierung der Läden und sicher gibt es auch an vielen Standorten „Luft“ für eine Erweiterung der Öffnungszeiten. Viele Kaufleute wachsen auch durch Standortverlegungen und Flächenerweiterungen.

Wie flexibel sind die Spar-Kaufleute eigentlich bei der Bestellung?
Der Spar-Großhandel bietet den Kaufleuten ein sehr breites und tiefes Sortiment, aus dem täglich ohne Mindestbestellmenge bestellt werden kann. Je nach Ladengröße gibt es empfohlene Sortimente und Regalpläne und auch die Möglichkeit unterstützt von einem automatischen Mengenfindungsvorschlag zu arbeiten. Darüber hinaus können Spar-Kaufleute auf das ganze Interspar-Sortiment zugreifen oder auch mit lokalen Lieferanten arbeiten.

Bestellt wird zum Teil automatisch?
Viele Kaufleute arbeiten schon mit der automatischen Mengenfindung. Das heißt, einfach gesprochen, wenn das System durch die Verkäufe bemerkt, dass ein Artikel nur mehr in geringer Menge vorhanden ist, wird dieser automatisch rechtzeitig nachbestellt.

Die letzten Jahre waren gekennzeichnet von großen Vorhaben in der Logistik und den Zentral-Organisationen. Geht diese Strategie weiter?
Ja. Wir haben in Ebergassing und Wels zwei neue Lagerhäuser gebaut bzw. erweitert. Das war unbedingt notwendig - etwa auch, um den Automatisierungsgrad zu erhöhen. Wir müssen in der Logistik automatisieren, weil es immer schwieriger wird – speziell im großstädtischen Umfeld, Mitarbeiter zu finden. Wels umfasst 14.000 Artikel im Bereich Langsamdreher und läuft wie ein Uhrwerk. Mit Ebergassing möchten wir uns in der Schnelldreher-Logistik weiter verbessern. Und wir lernen natürlich auch für weitere Spar-Projekte.

Inwiefern?
In der Nähe von Padua (Italien), in Monselice (Venetien) werden wir ein völlig neues Zentrallager für Italien errichten, um bestehende Warenströme besser organisieren zu können und auch um für zukünftiges Wachstum optimal vorbereitet zu sein. Vor kurzem haben wir ja auch die Spar-Lizenz für das Gebiet der Emilia Romagna erhalten.

Ein weiterer Punkt sind neue Tann-Werke?
In Graz verdoppeln wir rechtzeitig zum 60 Jahr-Jubiläum der Steirer Spar und dem 55-jährigen Bestehen der Tann in der grünen Mark (2018) unsere Kapazitäten. Hier werden wir rund 30 Millionen Euro investieren. Der dann ausgebaute Tann-Betrieb in Graz wird im September 2018 in Vollbetrieb gehen. In Wörgl erfolgt ein Komplettneubau der Tann am bestehenden Spar-Regionalzentralen-Areal mit einem ähnlich hohen Investment.

Wann eröffnet dieser Tann-Neubau in Wörgl?
Im ersten Quartal 2018.

Nun setzt Spar zu einer großen Modernisierungs-Offensive bei Kaufleuten an.
Ja, aber die große Modernisierungsoffensive läuft in der ganzen Spar, denn die Kraft der Dachmarke hängt vor der Umsetzung in den Läden ab. Der Laden ist die Marke und deshalb muss, wo Spar draufsteht, auch Spar drinnen sein. Wir haben für unsere Eurospar- und Spar-Märkte ein neues Ladenkonzept entwickelt und bei ausgesuchten Filial- und EH-Betrieben getestet. Es hat sich ausgezeichnet bewährt und wir freuen uns schon sehr unseren Kaufleuten den Roll-out im Rahmen der Spar Delegierten-Tagung Anfang Oktober zu präsentieren.

Ein Ausbau bei Spar Express wäre denkbar?
Auch bei Spar express gilt verbessern und modernisieren – speziell im Frische- und Convenience­bereich. Auch für den Betriebstyp Spar express haben wir das Konzept weiterentwickelt und natürlich gibt es noch etliche Tankstellenstandorte, die für einen neuen Spar express geeignet wären. Flächenerweiterungen sind hier allerdings nicht möglich, da Spar express-Läden 80 m² Verkaufsfläche haben und es eine gesetzliche Beschränkung mit 80 m² gibt.

Wird es künftig mehr Eurospar-Kaufleute geben?
Ja, es wird zukünftig sicher auch mehr Eurospar-Kaufleute geben. Eurospar ist ein sehr erfolgreicher Betriebstyp, aber von der Größe her in jeder Hinsicht ein großes Unternehmen. Die flächenmäßige Umsetzung erfordert Kundenpotenzial und die notwendige Grundstücksfläche samt Widmung. Die Führung eines solchen Betriebes ist auch unternehmerisch eine große Herausforderung. So irgendmöglich unterstützen und begleiten wir Kaufleute auf ihrem Weg zum Eurospar-Unternehmer. Denken Sie an die Kaufleute Prauchner, Hessenberger, Urban, Friedl, Fuchshuber oder Zluga-Wurmitzer. Es gibt mittlerweile zahlreiche Erfolgsgeschichten.

Welche Erneuerungsrate möchte Spar bei Kaufleuten erreichen?
Spar modernisiert grundsätzlich jährlich rund zehn Prozent ihrer Standorte. Sowohl im Filialbereich als auch bei den Kaufleuten. Aufgrund des komplett neuen Ladenkonzepts gehe ich aber von einem größeren Schub aus, also von jeweils mehr als zehn Prozent Modernisierungen in den nächsten drei Jahren.

Was ist im neuen Ladenbaukonzept anders?
Wir haben uns intensiv mit den Konsum-Gewohnheiten unserer Kunden wird beschäftigt und gemerkt, dass die Frische immer wichtiger wird. Deshalb ist das Kernelement der Frische-Marktplatz mit attraktiven Marktständen. Wichtig ist auch eine deutlich ausgebaute O&G-Abteilung mit Schwerpunkt auf Convenience im Eingangsbereich des Marktes.

Der Kundenlauf?
Die Kunden können sich ganz frei und mit guter Übersicht über das Angebot durch den Markt bewegen. Neu ist sicher auch, dass man seinen Snack oder auch seinen Einkauf im Snackbereich der Feinkost bezahlen und den Laden auf kurzem Weg wieder verlassen kann.

Auf welche Verkaufsflächen ist das Layout abgestimmt?
Unsere Supermärkte gehen von rund 300 m² Verkaufsfläche bis 1.000 m² und unsere Eurospar-Märkte von 1.000 m² bis 1.500 m² Verkaufsfläche. Der neue Ladenauftritt, das neue Konzept ist auf allen Spar-Flächen umsetzbar.

Herr Vorstandsdirektor, 2016 waren auch die Kaufleute Umsatzmotoren der Spar, lagen vier Prozent im Plus. Wie hat sich die Spar-Kaufmannschaft im Jahr 2017 entwickelt?

Wir haben ein ausgezeichnetes Jahr 2016 hinter uns gebracht und sind auch aktuell wieder sehr zufrieden. Rückenwind hatten wir 2017 sicher auch durch eine gute „Tourismussaison“, z.B. in Kärnten. In der Steiermark macht sich der „Zielpunkt-Effekt“ bemerkbar, wo einige ehemalige Zielpunkt-Läden geschlossen und von keinem Lebensmittelhändler übernommen wurden.

Warum gibt es keine ­Spar-Kaufleute in Wien?
Es gibt Spar-Kaufleute in Wien. Die sehr erfolgreichen Spar express-Kaufleute und im Supermarktbereich unseren Partner Caritas. Aus Spar-geschichtlichen Gründen ist das Gros unserer Wiener Spar-Geschäfte mit Interspar, Eurospar, Supermärkten und den sehr beliebten Spar-Gourmet-Märkten im Filialbereich angesiedelt. Im letzten Jahr sind wir in Wien um 1,6 Prozentpunkte Marktanteil gewachsen.

Wird die Übergabe von Filial-Standorten in Richtung Selbstständigkeit forciert?
Die Übergabe von Filialen an Kaufleute ist ein wichtiger Erfolgsbaustein der Handelskette Spar. Ehemalige Filialgebietsleiter wie die Herren Spruzina oder Legenstein, die sehr erfolgreiche Kaufleute wurden, haben bestehende Standorte noch erfolgreicher gemacht. Wir geben immer wieder Märkte ab, aber es muss eine Win-win Situation für die Spar-AG und auch die Unternehmerfamilie, also ein Mehrwert für die Handelskette Spar sein.

Die Spar Akademie in Wien wurde neu gebaut.
Und eröffnet mit einem Event am 8. November.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gregor Schuhmayer,
Herbert Schneeweiß