v.l.n.r.: Mag. Herwig Gruber, Christof Kastner und Andreas Blauensteiner, MBA

Kastner-Gruppe auf Wachstumskurs: 217 Millionen Euro Umsatz

Kastner: Vorwärts mit Nah&Frisch

  • Nah&Frisch: 160 Standorte, Test mit Shop-in-Shop-Konzept für Bio
  • Nächste Groß-Modernisierung: Amstetten

Die Kastner-Gruppe klettert auf ihren historischen Höchststand. 217 Millionen Euro Umsatz verbuchen die Zwettler in 2017. Ein Plus von 2,5 Prozent. „Wir konnten uns in allen Vertriebslinien steigern und haben zudem eine sehr gute Ertrags- und Gewinnentwicklung“, sagt Firmenboss Christof Kastner. Die Sparte Kastner Abholmarkt und Gastrodienst erzielte 122,24 Millionen Euro, wobei hier die Zustellung um starke 4,3 Prozent wachsen konnte. Der Kurs für die nächsten Umsatzschwünge ist klar gesteckt. „Wir haben einen Mehrjahresplan und wollen weiter über der Inflationsrate wachsen“, sagt Kastner im REGAL-Gespräch. Seinen nationalen C&C-Marktanteil beziffert der Geschäftsführer mit acht Prozent.

160 Nah&Frisch Geschäfte. Mit ihren selbstständigen Nah&Frisch Kaufleuten konnte die Gruppe zulegen und die Standort-Anzahl auf 160 Kaufleute in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark hochschrauben. Konkret waren es sechs Standorteröffnungen, sechs Geschäftsübernahmen und zwei Schließungen. Außerdem auf der Agenda: 24 Ladenbauprojekte und zehn Regaloptimierungen.

Umsatz-Schmerzgrenze. „Nah& Frisch funktioniert ab Orten mit 1.000 Einwohnern, wo wir etwa 30 Prozent der Kaufkraft abschöpfen können“, erklärt Kastner gegenüber REGAL. Die Durchschnittsfläche liegt inzwischen bei 220 m2. Die derzeit noch 13 Nah&Frisch Eigenfilialen sollen bis Jahresende reduziert und an selbstständige Kaufleute abgegeben werden. „Sie dienen in erster Linie zur Standortsicherung“, so Andreas Blauensteiner, MBA. Den Mindestverkaufsumsatz für Kaufleute beziffert Blauensteiner mit 400.000 bis 500.000 Euro. „In diesem Fall gibt es aber oft noch ein zweites Einkommen in der Familie.“

Die Nah&Frisch Projekte für heuer: Im Sommer wird in Test­märkten eine neue Kassensoftware installiert. Weiter gefeilt wird auch an dem Nah&Frisch Marktplatz, einem Online-Shop, den Nah&Frisch Kaufleute für ihre Kunden nutzen können.

Neu: Bio als Shop-in-Shop. Eine spannende Innovation ist für die Präsentation des Bio-Sortiments bei Kaufleuten angedacht. „Wir arbeiten derzeit an einer neuen Shop-in-Shop-Lösung für den Bio-Bereich“, verrät Blauensteiner. Fünf bis sechs Laufmeter mit Bio-Ware bestückt. Nach einem Pilotstandort soll das Konzept innerhalb von ein bis zwei Jahren in 30 bis 40 Standorten aufgeschalten sein.

Werbung. In Sachen Werbung setzt Nah&Frisch auch künftig auf die aktuelle Strategie. „Die Person wird weiterhin im Vordergrund bleiben“, so Blauensteiner.

Sortiment. Steckenpferd der Eigenmarken-Range ist „Jeden Tag“ mit 700 Positionen. Rund 200 davon sind für die Nahversorgung aufgeschaltet. „Der Eigenmarken-Anteil liegt weiter unter so manchem Handelskonzern. Dennoch ist die Eigenmarke ein Ertragsbringer und stark zweistellig wachsend“, sagt Kastner. Neu am POS ist das Konzept „FischFisch“ – eine Vitrine, wo frischer Fisch in Selbstbedienung präsentiert wird.

Im C&C betrug das Wachstum im Vorjahr 2,6 Prozent. Von den acht Großhandels-Standorten werden rund 9.000 Gastrokunden beliefert und 31.000 Abholkunden betreut. Als Großprojekt galt der Ausbau des Kastner Abholmarktes in Eisenstadt. Die Fläche wuchs um 650 m2 an. Die Gesamtgröße liegt bei 10.000 m2. Die 5,2 Millionen Invest konnten die Waldviertler aus dem Cashflow finanzieren. Und auch der nächste Coup steht bereits bevor. Der 20 Jahre alte Abholmarkt in Amstetten soll auf Vordermann gebracht werden. Derzeit wird an den Plänen für die Generalsanierung gefeilt.

Invest. Das klassische Investitionsbudget (exklusive Amstetten) liegt heuer bei 2,5 Millionen Euro.

Zustellung stark wachsend. Die Abholung liegt auf Vorjahresniveau. „Die Zustellung hat sich sehr positiv entwickelt“, sagt Kastner. Insgesamt liegt die Quote bei 60 zu 40, zugunsten der Zustellung. Über 30 Prozent der Gastro-Bestellungen würden bereits online eintreffen.

Weiße Flecken? Auf der Agenda steht auch die Ausweitung des Liefergebiets. Wie genau das umgesetzt wird, verrät der Firmenchef noch nicht. „Die Notwendigkeit innerhalb von 24 Stunden zu liefern, wird immer größer.“ Zu konkreten neuen Standort-Plänen lässt sich der Unternehmer aber nicht hinreißen. „Ich denke, wenn es tatsächlich noch weiße Flecken gäbe, wären diese schon besetzt. Dafür brauchen wir nicht die Kollegen aus der Schweiz.“

Meilensteine. Ein Meilenstein für Kastner im letzten Jahr war der Invest in eine neue Mitarbeiterbekleidung um rund 230.000 Euro. Auch die Übernahme des Lebensmittelgroßhändlers Nemeth war mit einer Million Euro Umsatz ein weiterer Expansionsschritt. Damit konnte Kastner weiter in der Buffet-Belieferung nachziehen.

Biogast. Ein wichtiges Standbein für Kastner ist und bleibt die Biogast-Vertriebsschiene mit 15.000 Artikeln. Sie konnte um 4,2 Prozent wachsen. „Der Fachhandel hat sich heuer erstmals etwas schwierig entwickelt. Gute Tendenzen gab es in der Gastronomie“, sagt Biogast Geschäftsführer Horst Moser. Seit mittlerweile einem Jahr ist Biogast Mitglied des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren.

Webshop. Im Kastner-Imperium wird weiter der Webshop verbessert, um Bestellprozesse idealer zu gestalten. „Der Umsatzanteil des Kastner Webshops ist innerhalb des ersten Jahres nach Einführung um 23 Prozent gestiegen.“ Im neuen Shop werden um sechs Prozent mehr Käufe getätigt als davor.

Verena Widl