Kiennast-Geschäftsführer Mag. (FH) Alexander Kiennast und Mag. Julius Kiennast

Die Markant Austro-Depandance hat starken Zuwachs

Markant-Maschine läuft auf Hochtouren

  • Austro-Verrechnungsumsatz klettert über zwei Milliarden Euro
  • 1.700 Industriepartner werden verrechnet
  • Starkes Wachstum in Ungarn: + 30 Prozent
  • Wechsel an der internationalen Unternehmensspitze: Franz Friedrich Müller wechselt in den Aufsichtsrat

Die Markant-Lok durchbricht die nächste Schallmauer. So konnte alleine die Austro-Dependance ihren Verrechnungsumsatz auf aktuell rund 2,2 Milliarden Euro pushen. Das bedeutet ein Plus zwischen fünf und sechs Prozent. „Eine Steigerung, die wir auch bis zum Jahresende halten wollen“, so Markant Österreich-Geschäftsführer Mag. Thomas Zechner gegenüber REGAL. Dabei betreut die österreichische Zweigniederlassung rund 1.700 Industriepartner. „Ein Plus von 13 Prozent“, so Zechner. Eine Zahl, die vor allem von der Aufschaltung von weiteren MPreis-Partnern gepusht wurde. Insgesamt betreut Markant Österreich 18 Handelspartner mit 3.900 Lieferstellen. „Eine konstante Zahl.“ Mehr als eine Million EZR-Belege pro Jahr werden verarbeitet. Wichtigste Geschäftsfelder bleiben dabei LEH und DFH. „Rund ein Drittel des Verrechnungsumsatzes entfallen auf C&C und Großverbrauchereinheiten.“

Keine Einkaufsmacht. Ob bei der Schweizer Mutter in Pfäffikon oder beim Austro-Ableger in Wien. „Wir sind die unsichtbare Kraft im Handel. Wir nehmen keinerlei Einfluss auf strategische Positionierung oder Tagesgeschäft. Wir unterstützen unsere Mitglieder in ihrer Selbstständigkeit, indem wir als Dienstleister jene Prozesse übernehmen, die oft vom Wesentlichen – nämlich der Kundenansprache – abhalten.“ Markant positioniert sich weiter als frisch geschmiertes Uhrwerk für Prozesse, Abläufe und Dienstleistungen, aber ohne Einkaufsmacht. Ausnahme: Eigenmarken. „Insgesamt geht es dabei um ein Volumen von rund 700 Millionen Euro“, so der Präsident des Markant AG Verwaltungsrats Franz Friedrich Müller. Rund 1.000 Preiseinstiegs-Artikel werden gemanagt. Dabei geht es alleine in Österreich um einen Umsatz zwischen 80 und 90 Millionen Euro. Tendenz steigend. „Wir erwarten uns durch unsere ‚Jeden Tag-Bio-Schiene’ einen weiteren Schub.“ Schon jetzt werden 60 Prozent der Eigenmarken-Linie hierzulande gefertigt. Durch den Bio-Vorstoß „wird diese Zahl noch nach oben gehen.“ Bei Selex – die Speerspitze gegen den Diskont – sind indes rund 100 Produkte aufgeschalten.

Leistungen. Kontinuierlich zimmert die Markant an ihrer Leistungsfähigkeit. Seitens der Lieferanten sind die wichtigsten Punkte Zentralregulierung, EDI-Plattform (elektronische Rechnungsbearbeitung), Mediabase, zentraler Artikelstamm und unlimitierte, hundertprozentige Warenversicherung. Konkret: „Wird ein Mitglied zahlungsunfähig, bekommt der Lieferant sein Geld trotzdem. Flapsig ausgedrückt waren die Pleiten von Schlecker und Zielpunkt eine gute Werbung“, so Müller. 350 Millionen Euro waren es im Fall Schlecker. Bei ZIP immerhin noch 42 Millionen Euro. Diese Bürgschaft übernimmt Euler-Hermes.

Auch die Handelsmitglieder schließen einen Vertrag mit der Markant AG, welche die Nutzung der Dienstleistungen – allen voran die Zentral-Regulierung der Rechnungen – vorsieht. Markant wird gegenüber einem Lieferanten erst aktiv, wenn die jeweilige Handelsorganisation die Regulierung beauftragt. Aber: Kein Mitglied lässt zu 100 Prozent seine Zulieferer über die Markant regulieren. Das hängt mit der Struktur der jeweiligen Partnerbetriebe zusammen. Je mehr Kleinstunternehmen oder Landwirte, desto kleiner wird das Verrechnungsfeld. Insgesamt gilt für die Mitglieder Gleiches wie für die Lieferanten: Es steht der gesamte Leistungspool zur Verfügung.

Markant-Lieferanten. Generell gilt: Den Basisvertrag schließen die Lieferanten direkt mit der Markant AG in Pfäffikon (Schweiz) ab. Diese Markant-Kostenvergütung bezieht sich auf den Gesamtumsatz, den der Lieferant mit dem Mitglied verrechnet: „Ein Obulus, der sich im 0,x-Bereich bis 1,5 Prozent-Bereich abspielt. Das ist weiterhin so“, so Müller. Die Konditionen für die Dienstleis­tungen werden in Österreich dann pro Jahr ausverhandelt, da sich das Leistungsspektrum auch jährlich erweitert.

Aktionen. Die aktuellen Battle-Grounds sind Mapis (Marken-Aktionspreis-System) und ECI Liqui­dity Tool. Bei Mapis sind mittlerweile über eine Million Aktionen erfasst. 2.556 User sind registriert und alleine 2018 rund 63.000 Zugriffe gezählt. „Ein Plus von 26 Prozent“, so Zechner.
ECI ist ein neues Vorfinanzierungssystem, das in Österreich 2019 kommt. Hintergrund: Jeder Markant-Partner kann künftig finanzielle Engpässe rascher abpuffern, wenn berechtigte, offene Forderungen im Markant-System aufscheinen. Konkret: Markant leistet mit Gebühr einen Vorschuss. Damit verbunden ist Cash-Pooling. Künftig können international agierende Unternehmen sich jede Forderung in der gewünschten Währung begleichen lassen.

Ebenfalls auf der Agenda: Die Ablöse der bilateralen Artikelpässe für B2B-Stammdaten. In Zusammenarbeit Editel Austria/GS1 soll der Datenaustausch künftig elektronisch erfolgen. Zechner plädiert hier für eine landesweite Umsetzung. Derzeit sind 30 Pilotpartner aus der Industrie an Bord, einer von ihnen ist die Berglandmilch. Ende 2019 soll die Anzahl auf 100 Unternehmen ausgeweitet sein. Auf Seite des Handels konnten Rewe, dm, MPreis, Unimarkt und Transgourmet für das Projekt gewonnen werden.

International. Insgesamt hievte die Markant-Gruppe ihren Umsatz auf 52 Milliarden Euro. Dabei werden 28 Millionen Belege bearbeitet, die EDI-Quote liegt bei 92 Prozent. 17.500 Industriepartner sind angelegt. 253 Handelsbetriebe erfasst.
Vom Österreich-Ableger werden Ungarn, Kroatien, Slowenien und Italien betreut. „In Ungarn haben wir mit plus 30 Prozent eine besonders gute Entwicklung“, so Zechner. Eine eigene Länderorganisation mache erst ab 500 Millionen Euro Verrechnungsumsatz Sinn. Das sei in Ungarn noch nicht der Fall.
Künftig wird die Markant als Genossenschaft fungieren. Konkret: Die Isema AG geht zu 100 Prozent in die Synergensia Genossenschaft auf. „Für Österreich und alle anderen Ableger hat das keine Konsequenzen“, so Müller. Hintergrund sei aber der Schutz der Markant „vor feindlichen Übernahmen.“ Ebenfalls neu: Müller wechselt in den Aufsichtsrat. Neue Geschäftsführer sind Christian Francken (er verantwortet die Bereiche Zentrale Dienstleistungen und Ware) und Markus Tkotz (er ist zuständig für Finanzen, Organisa­tion und IT).

Herbert Schneeweiß, Verena Widl