Hans K. Reisch, SPAR-Vorstandsdirektor mit Bürgermeister Norbert Höpoltseder, Martkleiter-Stellvertreterin Monika Himmetsberger sowie Marktleiterin Nicole Sturmberger und Jakob Leitner, Geschäftsführer der Spar-Zentrale Marchtrenk, bei der Eröffnung des neuen Eurospar-Weißkirchen (v.l.)

REGAL exklusiv: Interview mit Spar-Vorstand Dir. Hans K. Reisch

Vorstand Reisch über die Spar-Pläne

  • Tann-Ausbau in St. Pölten geplant
  • Top-Eröffnung: Interspar Steyr
  • Erster elektronischer LKW in Graz

REGAL: Herr Vorstandsdirektor Reisch, wie verläuft 2018 für Spar?
Hans K. Reisch: Positiv. Wir können Marktanteilszuwächse verzeichnen und erfüllen in Österreich und im Ausland die Ziele unserer Businesspläne. Und das, obwohl das letzte Quartal, das für uns naturgemäß das entscheidende ist, noch nicht dazugezählt ist. Sollten sich unsere Prognosen, wie in den letzten drei Quartalen, bestätigen, sieht es heuer sehr gut aus.

Welche Teilbereiche laufen besonders gut?
Zur Zeit sind wir mit allen Bereichen, von den kleinen bis zu den großen Märkten, bis hin zu den Shoppingcentern sehr zufrieden. Auch Hervis liegt im Plan.

Welche Neuigkeiten gibt es bezüglich der Tann-Werke in Wörgl und der Steiermark?
In Wörgl haben wir 36 Millionen Euro in einen kompletten Neubau des Betriebs investiert. Um 30 Millionen Euro wurde ein Zubau beim Werk in Graz errichtet. Für nächstes Jahr planen wir einen großen Tann-Ausbau in St. Pölten.

Wann soll St. Pölten fertig sein?
Wir hoffen auf die Fertigstellung in 2020 und investieren dafür über 40 Millionen Euro.

2018 werden 700 Millionen Euro investiert, es gibt 25 Neueröffnungen und 80 Modernisierungen. Werden die Ziele eingehalten?
Ja, ein Investitionspaket von 700 Millionen Euro wurde geschnürt, davon gehen über 300 Millionen Euro in das Ausland – in die ASPIAG-Länder. Die andere Hälfte investieren wir in Österreich. Wie zum Beispiel in die erwähnten Tann-Betriebe, in die kürzlich eröffnete Murpark-Erweiterung und den neuen Interspar-Hypermarkt in Steyr. Im Filialbereich investieren wir in etwa 50 Spar- und Eurospar-Modernisierungen, Standortverlegungen und Neueröffnungen.

Welche Investitionsschwerpunk­te setzt man 2018/2019?
Die Größenordnung wird 2019 etwa die selbe wie 2018 sein. Am Programm steht der Roll-out des neuen Ladenkonzeptes, der Neubau des Maximarkts in Ried und im In- und Ausland neue Tann-Betriebe, um nur einiges zu nennen.

Was ist die Top-Spar Eröffnung des Herbstes?
Der Interspar in Steyr ist sicher ein Highlight. Die Eröffnung ist Anfang November. Aber wir eröffnen im Herbst auch noch einen Eurospar in Weißkirchen, Oberösterreich, und einen Spar-Supermarkt in Frauenkirchen im Burgenland. Gut verlaufen ist auch die Neueröffnung des Eurospar in Eugendorf, Salzburg, mit einem Flächen-Ausbau von 550 auf 1.450 m2.

Wie sehen die Pläne für Wien aus?
In Wien wird weiter stark expandiert. Wir sind marktanteilsmäßig immer noch unterrepräsentiert, obwohl Wien mit Spar, Spar Gourmet, Interspar und Eurospar das am stärksten wachsende Gebiet ist. Wir sind zwar in den letzten Jahren stark gewachsen, wollen aber noch weiter aufholen. Wien ist sicherlich auch in Zukunft einer unserer größten Schwerpunkte in der Expansion.

Welche technischen Innovationen bezüglich Ladenbau stecken in der Pipeline?
Mit unseren fünf ESL-Standorten sind wir sehr zufrieden, stehen aber noch in der Testphase. Wir entwickeln uns immer weiter, es ist jedoch auch immer eine Preisfrage. Mit Digital Signage in der Feinkost bei Eurospar sowie in einigen Spar-Supermärkten sind wir gut aufgestellt. In allen Standorten haben wir digitale Mitarbeiterscreens.

Gibt es schon mehr als 40 Self-Checkouts?
Wir sind zurzeit noch bei 40 Standorten und planen weitere Standorte erst für 2019. Self-Checkouts sind aber nur zur reinen Ergänzung, um einen schnelleren Einkauf zu ermöglichen. Auch hier ent­wickeln wir uns immer weiter und testen gerade schnellere und leichter handzuhabende Scanner.

One-Flow oder Two-Flow?
Hier setzen wir auf die One-Flow Variante, mit zehn/fünfzehn Artikeln, um Platz zu sparen.

Setzen Sie auf Cashless- oder Bargeldlösungen?
Beides. Aber es kommt immer auf den Standort an. Im urbanen Bereich, beispielsweise an der WU, gibt es nur Cashless Self-Checkouts. Österreich ist immer noch ein Bargeldland – 65 Prozent der Bezahlungen erfolgen mit Bargeld, nur 35 Prozent mit Karte.

Wie viele Kassensysteme gibt es bei der Spar?
Zusätzlich zum Self-Checkout haben wir Bedienkassen und in den Städten sind oft Expresskassen zu finden.

Wird es 2018 oder 2019 einen neuen Mustermarkt geben?
Nein. Das neue Ladenkonzept befindet sich bereits im Roll-out bei Spar und Eurospar. Es beginnen jetzt auch die Kaufleute, auf das neue Konzept umzustellen. Die ers­ten Einzelhändler haben ihr Geschäft bereits umgebaut. Das Interesse der Kaufleute ist groß.

Gibt es schon mehr als einen Klimaschutzmarkt in jedem Bundesland?
Bei uns wird mittlerweile jeder Markt nach ÖGNI-Richtlinien gebaut. Das heißt, jeder neue Spar-Markt hat 50 Prozent weniger Energieverbrauch als herkömmliche Märkte. In punkto Nachhaltigkeit sind wir sehr stolz auf unseren ersten elektronischen LKW in Graz. Der ist zwar noch in der Testphase, soll jedoch so bald wie möglich auf die Stadtgebiete ausgeweitet werden.

Wie läuft Ebergassing?
Die Kinderkrankheiten haben wir überwunden. Wir wenden uns ein wenig ab von der Vollautomatisierung. Aber in Ergänzung zu St. Pölten sind wir überzeugt, dass Ebergassing, auch in dieser Größenordnung, für die Belieferung des Wiener-Raumes essentiell ist.

Bei Hervis gibt es 210 Filialen in sieben Ländern. Wie entwickelt sich Hervis und sind außer Österreich, Bayern, Tschechien, Rumänien, Ungarn, Slowenien und Kroatien weitere Länder angedacht?
Nein, wir haben zurzeit kein weiteres Land in Sicht. In Deutschland sind wir mit zehn Standorten erst in der Anfangsphase. In Rumänien sind wir die Nummer eins und haben einen fulminanten Start hingelegt.

Sind sie mit Hervis umsatzmäßig auf gleich mit dem Vorjahr?
Wir haben zweistellige Zuwachsraten im stationären und Online-Handel und befinden uns etwa auf dem Niveau von 2017. Obwohl das Wetter Anfang Oktober nicht sehr herbstlich war. Es war viel zu warm, um Winterkleidung zu verkaufen.

Sind neue Filialen in Planung?
Ja, wir expandieren in allen Ländern. In Österreich beispielsweise sind vier Hervis-Neueröffnungen in der Pipeline.

Wie reagieren Sie auf den Online-Handel?
Wir sehen den Online-Handel als Entwicklung. Mit weinwelt.at sind wir schon lange im Internet zu finden, schreiben schwarze Zahlen und sind stetig am Wachsen. Mit frischen Lebensmitteln sind wir mit interspar.at in Wien und Salzburg online. Technisch wissen wir, dass es funktioniert. Für den LEH ist Online nicht der Burner, obwohl die Entwicklung langsam aber stetig ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Von Gregor Schuhmayer und Anna Lena Wagner aus Salzburg