Spar Vorstand, von links: Mag. Rudolf Staudinger, Dr. Gerhard Drexel, Hans K. Reisch, Mag. Fritz Poppmeier

Interview mit Spar-Präsident Dr. Gerhard Drexel

Spar: Rekord-Jahr

  • Wachstum im Inland: plus 4,6 Prozent
  • 14,6 Milliarden Brutto-Verkaufsumsatz
  • Interspar wächst um 4 Prozent
  • Zentren-Einstieg in Kroatien geprüft
  • Gute Ertragslage erwartet

Die Spar legte 2017 ein Pracht-Jahr hin. Der Brutto-Verkaufsumsatz der insgesamt 3.164 Standorte lag im Vorjahr bei 14,6 Milliarden Euro, ein Plus von 6,5 Prozent.

Und die Flotte wächst und wächst. Im Vorjahr kamen 90 Standorte hinzu. Und das Imperium der Salzburger ist groß. 175 Interspar-Hypermärkte, 2.689 Spar/Eurospar-Märkte, 210 Hervis Sport-Fachmärkte und 29 Shopping-Center betreibt die Spar Österreich-Gruppe im In- und Ausland.
Lesen Sie ein spannendes Interview mit Generaldirektor Dr. Gerhard Drexel.

REGAL: Wie fällt Ihr Resümee für 2017 aus?
Drexel: Wir sind sehr zufrieden mit den erzielten Ergebnissen. In Österreich haben wir beim Brutto-Verkaufsumsatz inklusive selbständiger Kaufleute ein Wachstum von 4,6 Prozent erzielt. Damit sind wir das achte Jahr in Folge Wachstumsführer bei den Vollsortimentern.

Mit einem enormen Investitionsprogramm?
Wir haben 2017 insgesamt 650 Millionen Euro investiert und 3.700 Arbeitsplätze neu geschaffen, davon allein 1.200 in Österreich. Dabei haben wir in Österreich 82 Relaunches durchgeführt und 33 Neueröffnungen. Dazu kamen noch zwei neue Interspar-Märkte in Wels und Imst. Auch die Neuaufstellung der Spar Akademie in Wien ist ein Highlight.

Wie hat sich Interspar im Vorjahr entwickelt?
Sehr erfreulich! Wir konnten ein Wachstum von vier Prozent in Österreich erzielen, obwohl sich Hypermärkte in Europa ganz generell eher schwer tun. 2016 schaffte Interspar sogar ein Umsatz-Wachstum von sechs Prozent, damals allerdings mit einem etwas höheren Expansionsfaktor.

Wie performten die Kaufleute im Vorjahr?
Ohne Berücksichtigung der Expansion waren die Kaufleute 2017 Spar-intern der Wachstumsführer – im like for like-Wachstum, also auf bestehender Fläche, mit plus 3,6 Prozent. Damit sind wir sehr zufrieden und richtig stolz auf unsere Spar-Kaufleute.

Wieviele Neueröffnungen wird es heuer in Österreich geben?
Wir rechnen mit etwa 25 neuen Spar/Eurospar-Märkten in Österreich sowie ca. 80 Modernisierungen. Alle 10 bis 12 Jahre möchten wir unsere Märkte erneuern.

Wie sieht die Ertragslage aus?
Es deutet alles darauf hin, dass wir 2017 an die guten Erträge des Rekordjahres 2016 anknüpfen können. 2016 hatten wir ein EBT von 305 Millionen Euro, das bedeutet eine EBT-Marge vom Nettoumsatz von 3,2 Prozent. Die Eigenkapitalquote betrug damals 36 Prozent. Die Bilanz 2017 ist noch nicht erstellt, aber es scheint, als ob wir 2017 an das Rekordjahr 2016 anknüpfen können.

Wieviel wird heuer investiert?
Über 700 Millionen Euro.

Wieviel davon in Österreich?
Wir investieren umsatzproportional, somit etwa 55 Prozent in Österreich und 45 Prozent im Ausland. Also gut die Hälfte in Österreich. Die Erneuerung und Vergrößerung der TANN-Werke in Graz und Wörgl wird noch heuer finalisiert und kostet 65 Millionen Euro.

Und Interspar?
Derzeit befindet sich in Steyr ein neuer Hypermarkt in Bau. Die Eröffnung ist für Spätherbst 2018 geplant. Ein Schwerpunkt wird der Neubau eines modernen Distributionszentrums südlich von Padua sein. Die Erdarbeiten laufen bereits. Auch ein Tann-Fleischwerk wird dort seinen Betrieb aufnehmen.

Weil die Expansion in Italien stark ist.
Genau. Italien ist mit einem Umsatz von 2,16 Milliarden Euro unser größter Auslandsmarkt. Wobei wir mittlerweile in die vierte norditalienische Region, in die Emilia Romagna vorgestoßen sind. Wir haben 2017 Geschäfte – DeSpar, Eurospar und Interspar – in Bologna, Parma und Modena eröffnet und wollen die Expansion 2018 weiterführen und dort sukzessive eine Marktposition aufbauen.

Insgesamt sind die Zahlen im Ausland mit Plus 10% beachtlich.
Drexel: Wir sind sehr erfreut über dieses deutliche Wachstum. Hervorzuheben ist die Entwicklung in Kroatien, wo es uns gelungen ist, innerhalb von drei Monaten alle 41 ehemaligen Billa-Märkte auf Spar umzustellen.

Schreibt Spar in Ungarn schwarze Zahlen?
Das ist schon seit etlichen Jahren der Fall. Ungarn funktioniert sehr gut, Erwin Schmuck hat dort eine tolle Managementarbeit geleistet. Auch die Neuformierung der Geschäftsführung seit Anfang 2017 hat sich sehr bewährt.

Was sind wichtige Sortimentspläne für 2018?
Wir werden die Zuckerreduktion in unseren Eigenmarken-Sortimenten konsequent vorantreiben und hunderte Artikel umstellen. Wobei wir den eingesparten Zucker nicht durch andere Süßstoffe ersetzen, sondern durch Zuckerreduktion die natürlichen Aromen besser zur Geltung bringen wollen. Bis Mitte 2018 wollen wir im Eigenmarken-Bereich auch palmölfrei sein und das Palmöl durch andere Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, Rapsöl bzw. durch Butter ersetzen.

Wie sind die Eigenmarken 2017 gelaufen?
Hervorragend! Der Umsatzanteil unserer Eigenmarken hat im Vorjahr die Schallmauer von 40 % durchstoßen! 2004 lag dieser Wert noch bei 22 %. Der Verkaufsumsatz ist im Vorjahr um 7,4% gestiegen. Spar Premium legte um 29% zu, S-Budget um 10% und Spar Natur pur um 20%, wobei sich der Spar Natur pur-Umsatz in den letzten vier Jahren sogar verdoppeln konnte.

Darf ich gegen Ende nochmals das Thema Expansion ansprechen. Welche Projekte stehen 2018 noch auf der Agenda?
Im Bereich der SES haben wir einige Zentren-Projekte in der Pipeline. Der Murpark in Graz wird um 6.500m² deutlich erweitert und im Sommer fertiggestellt. In Bau ist zudem ein großes Shopping-Center in Laibach-Šiška mit 32.000m² vermietbarer Fläche. Außerdem laufen die Planungen für ein innerstädtisches Center in Lienz in Osttirol, wobei dort ein größerer Spar-Supermarkt oder ein kompakter Eurospar integriert wird.

In Rumänien oder Sarajevo will man mit Zentren nicht einsteigen?
Nein, aber in Kroatien haben wir unsere Fühler ausgestreckt, Shopping-Center zu entwickeln. Hier laufen die Abklärungen von Projekten, das würde auch Sinn machen, da wir ja in Kroatien im LH viel vorhaben und sich Shopping-Center und Hypermarkt-Entwicklung gegenseitig beflügeln.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gregor Schuhmayer