„Zahlen viel Geld, wenn wir Innovationen einführen.“

Nestlé Österreich-Chef Fabrice Favero im REGAL-Interview über die Strategien bei Nestlé

Herr Favero wie forciert Nestlé Marken-Stärke?

  • Wachstumstreiber waren 2017 u.a. Tiernahrung, Dolce Gusto, Süßwaren
  • Premium im Fokus

Regal: Wie war die Entwicklung 2017?
Favero: Österreich hatte letztes Jahr ein Wachstum von 1,6 % erreicht. Die Nestlé Gruppe selbst war innerhalb der geplanten avisierten Bandbreite mit 2,4 %. Wachstumstreiber waren – wie gewohnt – die Bereiche Tiernahrung, Health Science und Dolce Gusto, aber auch Süßwaren legten eine positive Entwicklung hin. Garden Gourmet hat sich seit der Einführung gut etabliert, so haben wir bereits über 5 % Marktanteil. Marktführer sind wir nach wie vor bei löslichem Bohnenkaffee und Cerealien. Alles im allem ein gutes Jahr!

Welche Vorteile hat die Marke Nestlé gegenüber Eigenmarken?
Eigenmarken haben sich schon längst als wichtige Mitbewerber etabliert. Sie können durch die Konsumentennähe sehr schnell Trends erkennen und in einzelnen Produkten umsetzen. Sie haben aber nicht die gleiche Produkt- und Technologieexpertise, v.a. was Forschung und Entwicklung angeht. Nestlé investiert jährlich zwei Milliarden CHF in Forschung und Entwicklung und wir haben damit das größte private Forschungsnetzwerk im Bereich Ernährung. Dies betrifft zwar bei der Grundlagenforschung primär die Schnittstelle zwischen Ernährung und Medizin, aber es wird auch parallel die Produktentwicklung in den bestehenden Produktkategorien vorangetrieben – da geht es dann z. B. um Reduktion von Zucker, Fett und Salz.

Die Eigenmarken kopieren die Marken schnell.
Ja. Der Druck ist hoch. Wir müssen superschnell sein, wenn wir Innovationen lancieren. Wir zahlen viel Geld, wenn wir Innovationen einführen. Hier müssen wir noch schneller, aggressiver sein und starke Innovationen bringen. Wir investieren auch viel in Promotions, hier müssen wir dabei sein.

In Deutschland kommt es gerade zu einem Kräftemessen zwischen Nestlé und Edeka?
In Österreich haben wir mit dem Handel eine sehr gute Gesprächsbasis.

Wir haben die Konsumententrends Anti-Zucker-hier ist der Handel sehr aktiv, Anti-Palmöl. Wie reagiert Nestlé?
Die Reduktion von Zucker ist kein Handelsthema!! Die Industrie beschäftigt sich damit seit vielen Jahren. Nestlé hat in den letzten Jahren über 8 % Zucker – das sind fast 40.000 Tonnen Zucker aus den Produkten gebracht und wir werden bis Ende 2020 weitere 18.000 Tonnen reduzieren. Unsere Produkte werden sukzessive gesünder mit weniger Zucker, Salz und Fetten – das ist uns seit Jahren ein Anliegen und wir überarbeiten jährlich alle unsere Rezepturen, um diese Reformulierungen umzusetzen.

Und Palmöl?
Palmöl ist ein ganz anderes Thema – da geht es um drei verschiedene Blickpunkte: I. Gesundheit, II. Nachhaltiger Anbau und III. Alternativen. Generell wird Palmöl (auch: Palmfett) aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen und ist aufgrund seiner Eigenschaften ein unverzichtbares Öl für die Herstellung von vielen Produkten in der Kosmetikindustrie, Biokraftstoffen und von Lebensmitteln. Hier wird Palmöl größtenteils als Bratfett, in Fertiggerichten, Saucen, Margarine und Cremes in Süßwaren oder in Glasuren genutzt. Trotzdem geht der Großteil des Palmöls in die Gewinnung von Bioenergie. Vom gesundheitlichen Aspekt werden unerwünschte Stoffe, die bei der Herstellung von allen pflanzlichen Ölen entstehen können (3-MCPD und Glycidyl-Fettsäureester) erheblich bis ganz reduziert, was auch die EFSA bestätigt hat. Um sicherzustellen, dass für unsere Produkte kein Regenwald zerstört wird, hat Nestlé bereits 2010 eine Partnerschaft mit der weltweit tätigen, gemeinnützigen Organisation The Forest Trust (TFT) vereinbart, die Nestlé beim Umbau bzw.- der Verbesserung der Lieferkette unterstützt. Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen sind Ölpalmen besonders ertragreich und ermöglichen eine höhere Produktion pro Anbaufläche. Um der weltweit steigenden Nachfrage nachpflanzlichen Fetten und Ölen gerecht zu werden, ist die Nutzung der Ölpalme als Öllieferant faktisch unverzichtbar.

Was gibt es Neues bei Nutrition?
Gute Ernährungs- und Fütterungspraktiken in den ersten 1.000 Lebenstagen – von der Empfängnis bis zum 2. Geburtstag – legen den Grundstein für lebenslange Gesundheit und Wohlbefinden. Gesunde Ernährungsgewohnheiten sind daher für Mütter und Kinder entscheidend „Start Healthy, Stay Healthy“. Organisatorisch ist der Bereich Nutrition in die Zonenverantwortung gerückt; d.h. es ist keine GMB mehr, sondern berichtet direkt an den Zonenchef. In Österreich liegt der Schwerpunkt auf Pemiumprodukte und auf „Millennial Mums“ mit großem digitalen Standbein.

Wo liegt für Nestlé die Zukunft?
Unser 2017 neu formulierter Unternehmenszweck ist: Verbesserung der Lebensqualität und zu einer gesünderen Zukunft beitragen. Inspiriert von unseren Gründer, Henri Nestlé, geleitet von unseren Werten und mit Ernährung als unserem Kerngeschäft arbeiten wir mit Partnern zusammen, um Einzelnen und Familien Produkte, Dienstleistungen und Wissen bereitzustellen, welche die Lebensqualität verbessern und zu einer gesünderen Zukunft beitragen. So können wir unser Ziel z.B. für 2030 erreichen, 50 Millionen Kindern ein gesünderes Leben ermöglichen, u.a durch Vereinfachung der Zutatenlisten und Entfernung von künstlichen Farbstoffen, Beschränkung des Marketings an Kinder oder Angabe und Erklärung des Nährwerts und Portionen auf Verpackung.

Innovationsschwerpunkte 2018?
Da wollen wir nicht zu viel verraten, aber wir haben in allen Kategorien Neuheiten: Bei Maggi geht es mit dem Motto „ReiMAGGine“ weiter. In Deutschland läuft das erfolgreich, auch Pizza Wagner bringt Neues. Bei Süßwaren gibt es Neuheiten für KitKat und bei den Saisonartikeln, Nescafé hat das Portfolio und das Erscheinungsbild gesamtheitlich überarbeitet. Infant, wie schon erwähnt, hat einen Innovationsschwerpunkt auf Premiumartikel, Bübchen einen Relaunch von Kids und eine Neueinführung für sehr sensible Haut. Purina wird das Angebot für Katzen erweitern, aber sich auch in neue Segmente wagen und Nestlé Professional hat für beide Kategorien, Food und Getränke, mit Chef und R & G-Kaffee Neues auf Lager. Generell liegt der Fokus auf Premium.

Danke für das Gespräch.

M. Schuhmayer, R. Falkinger