Mag. Paul Bacher

Spar Kärnten: Interview mit Spar-Regionaldirektor Mag. Paul Bacher

Spar-Chef Bacher, Kärnten: Offensive

  • Zukauf von 23.000 m2 Grund in Maria Saal
  • 2018: zwei neue Standorte, drei Modernisierungen geplant
  • Tann-Ausbau in Föderlach-Wernberg

REGAL: Herr Bacher, ein kurzer Rückblick auf das letzte Jahr. Wie haben sich die Vertriebsschienen entwickelt?
Paul Bacher: Wie auch bei der Spar allgemein, hatten die Kaufleute die beste Entwicklung von allen Spar-Vertriebsschienen. Im internen Ranking lagen dabei unsere Kaufleute in Kärnten und Osttirol, gemeinsam mit der Spar Oberösterreich, auf Platz eins. Like for Like sind es plus 4,6 Prozent, verglichen zum Vorjahr. Der Österreich-Schnitt liegt bei 3,6 Prozent. Im Filialbereich lagen wir exakt auf österreichischem Durchschnitt. Beim Großhandelsumsatz liegen wir an erfreulicher dritter Stelle.

Welche Projekte wurden realisiert?
Wir haben die interne Benchmark von zehn Prozent übertroffen. Vorzeigemarkt ist dabei der neue Supermarkt in Keutschach im Vier-Seen-Tal. Es gab darüber hinaus vier Modernisierungen – teilweise mit Erweiterungen – in Moosburg, Eurospar Völkermarkt, Supermarkt Matrei und im EKZ Tenorio.

Und Standortverlegungen und Standortübernahmen?
In Welzenegg haben wir den Supermarkt um 300 Meter verlegt und zu einem Eurospar ausgebaut. Eine zweite Standortverlegung gab es in Arnoldstein. Beides sind Filialen. Zu den Standortübernahmen: In Afritz hat die Bäckerei Ebner einen Standort übernommen und in Arriach hat Frau Mona Oblak nachbesetzt. In Gnesau kam Familie Warmuth zum Zug.

Was hat sich bei den Kaufleuten getan?
Im Einzelhandelsbereich möchte ich Herrn Napetschnig in Lambichl erwähnen, der von 400 auf 600 m2 ausgebaut hat. Die Raumordnung hat ja eine Zeit lang nur 400 m2 zugelassen. Und Familie Stromberger hat derzeit zwei Standorte, jener in Steuerberg wurde modernisiert. Und eine Modernisierung gab es in Reißeck (Kauffrau Sabrina Rud), wo auf 394 m2 das SM-2.0-Konzept realisiert wurde.

Wie viele Märkte gibt es jetzt eigentlich noch mit 400 m2?
Viele sind es nicht mehr. Heuer ist einer in Gurk in der Pipeline. Dieser Standort wird derzeit als Filiale auf 400 m2 betrieben und im Juli 2018 an einen neuen jungen Kaufmann abgegeben. Familie Stromberger kommt aus einer langjährigen Spar-Dynastie. Der Sohn startet hier durch. Ein zweites Projekt ist in Feldkirchen Lindl in der Pipeline, diese Filiale eröffnen wir im Mai. Standortverlegungen erfolgen oft auf das nebenliegende Grundstück, so auch hier. Der alte Markt wird dann bestmöglich von uns oder extern verwertet. Wir haben außerdem Modernisierungen in Villach und Seeboden vor. Außerdem ist ein Projekt mit der Firma Zadruga geplant. Ende März eröffnete ein neuer Standort in Guttaring von Herrn Vallant-Taferner.

Ist bei einer Standort-Übergabe an einen Kaufmann dieser inzwischen auto­matisch roter ­Systempartner?
Den sogenannten grünen System-Partner gibt es noch, vor allem bei kleineren Märkten. Im roten System kann der Kaufmann aber mehr Nutzen vom Filialsystem ziehen – etwa Lohnverrechnung und Buchhaltung, deshalb empfehlen wir diese rote Partnerschaft. Aber grundsätzlich haben auch grüne Systempartner zahlreiche Vorteile, Auswertung nach Sortimenten, Rohspannenerträgen etc.

Wie hoch ist das Investitionsvolumen für heuer?
Etwas weniger als 2017 und im nächsten Jahr werden wir dann wieder aufstocken. 60 Prozent der Investitionen fließen 2018 in den POS. Der Rest geht in Infrastrukturinvestitionen, Tann und unseren Fuhrpark.

Können Sie das noch etwas konkretisieren?
In unserer Zentrale ist ein großes Projekt in der Pipeline. Der Standort erlaubt genau eine Expansionsmöglichkeit, die wir jetzt auch nutzen. Wir kaufen, nach vier Jahren Verhandlungen mit Bauern, 23.000 m2 Fläche dazu. Der Frischdienst wächst immer mehr: Wir hatten etwa bei Obst & Gemüse in der Logistik fast 13 Prozent mengenmäßige Steigerung. Bei Wurst, Käse und Mopro waren es 5,4 Prozent. Der Zukauf gibt uns Erweiterungsmöglichkeiten für den Frischdienst. Baustart erfolgt heuer allerdings noch keiner.

Was ist sonst geplant?
Unser Tann-Werk befindet sich in Föderlach-Wernberg. Hier werden wir einen Zubau für die Würstel-Linie vornehmen. Das ist ein boomendes Segment. Und wir stellen dort auch auf das neue Kältemittel CO2 um.

Wie sieht Ihre Bilanz nach rund drei Jahren mit dem halbautomatischen Paletten-Kommissionier-System, kurz PKS, aus?
PKS funktioniert in Maria Saal einwandfrei. Vor allem im Sommer hilft dieses System, weil man viel Menge – etwa Mineralwasserkisten – bewegen kann. Fahrerlose Transportsysteme sind bei uns vorerst kein Thema.
Die Spar wickelt inzwischen sehr viel mit eigener Logistik ab.
Fremdlogistik haben wir nur mehr mit Daily und Streckenlieferanten wie Ölz, Brauereien oder regionale Bäcker.

Was möchten Sie der Politik ausrichten?
Wir haben eine stabile politische Situation. Peter Kaiser genießt nicht nur in Kärnten großes Ansehen. Wenn ich etwas kritisieren müsste: Die Raumordnung ist etwas antiquiert und auch die Saison-Öffnungszeiten-Regelung ist für Kunden schwierig. Wir dürfen ja nicht 72 Stunden plus Sonntag öffnen, sondern müssen uns die acht Stunden vorher absparen. Das sorgt für Wechsel bei den Zeiten, das verwirrt Kunden.

Wie ist der Wintertourismus gelaufen?
Gut! Wir hatten 8,7 Prozent Nächtigungsplus. Ungarn ist dabei Wachstumssieger mit 18,7 Prozent plus und ist bereits die Nummer Zwei, nach Deutschland. Der Wintertourismus wird in Kärnten aber grundsätzlich immer überschätzt. Wir haben gesamt 12,7 Millionen Nächtigungen. Der Sommer-Anteil liegt bei 73 Prozent. Wir wollen zunehmend eine Ganzjahresdestination werden.

Welche Sortimente funktionieren derzeit gut?
Regionalität boomt. Die Frutura-Tomaten aus Bad Blumau gehen extrem gut. Und auch lose Eier funktionieren überraschend gut. Wir haben 115 regionale Lieferanten und 2.100 Produkte in Kärnten und Osttirol. Auch Bio läuft super. Das sieht über der Grenze schon anders aus. In unserem Eurospar in Tarvis ist der Bio-Anteil verschwindend gering.

Es gibt bei Spar ein vorgeschriebenes Pflichtsortiment. Wie sieht der Spielraum bei Eigenmarken aus? Wäre es denkbar, wenig oder keine Eigenmarken einzulisten?
Das wäre ein großer Fehler. Die Kaufleute, die von anderen Handelsketten zu uns gewechselt sind, waren total überrascht von der Qualität und Stärke der Eigenmarken. Wir empfehlen grundsätzlich, die Belegpläne eins zu eins umzusetzen und auch mit der automatischen Mengenfindung zu arbeiten. Die Mitarbeiter im Filialbereich arbeiten alle damit.

Danke für das Gespräch!

Verena Widl