Spar Regionaldirektor Mag. Christoph Holzer

Spar Regionaldirektor (Steiermark und Südburgenland) Mag. Christoph Holzer im großen REGAL-Interview

Ja, Kaufleute stärken das Wachstum

  • 2018: Vier neue Märkte, elf Relaunches
  • 268 Standorte
  • Tann wird verdoppelt auf 8.500 m2

Regal: Die Spar-Region Steiermark und südliches Burgenland umfasst mittlerweile knapp 196.000 m2 Fläche und 268 Standorte. Herr Mag. Holzer, wie sind Sie zufrieden mit dem Jahr 2017?
Christoph Holzer: Es war ein gutes Jahr für die Spar Steiermark und Südburgenland. Wir hatten eine schöne Entwicklung. Wir haben gespürt, dass die Kauflust der Kunden gestiegen ist. Zudem hatten wir noch nachlaufende Zielpunkt-Verlagerungseffekte. Wir haben drei neue Supermärkte gebaut und ein Kaufmann hat in Floing eröffnet. Insgesamt neun Standorte wurden modernisiert.

Kurz zu den ehemaligen Zielpunkt-Standorten. Wie haben sich diese im Speziellen entwickelt?
Wir haben drei komplett unterschiedliche Standorte übernommen. Radetzkystraße/Jakominiplatz in Graz, einer der stärksten Zielpunkt-Standorte, haben wir komplett umgebaut. Wir können dort große Steigerungen verbuchen und die Frequenzlage gut abschöpfen. In Gleisdorf haben wir den Standort abgerissen und komplett neu aufgestellt. Der dritte ist der Caritas Supermarkt, er hat eine stabile und gute Entwicklung.

Wo wird 2018 der Expansions-Schwerpunkt liegen?
Sicher wieder im Großraum Graz, dort passiert einfach die meiste Entwicklung in der Steiermark. Alleine in Graz haben wir inzwischen 52 Standorte und konkret werden wir 2018 drei Neueröffnungen im Großraum Graz und einen neuen Spar-Einzelhändler in Markt Allhau im Südburgenland durchführen. Und natürlich werden wir in allen Regionen in der Steiermark und im Südburgenland weitere Standortmöglichkeiten prüfen. Generell gilt, dass für das gesamte Bundesland Steiermark für die nächsten Jahre nur eine minimale Bevölkerungswachstumsrate prognostiziert ist und wir haben einige Regionen mit starker Abwanderung, etwa Murau oder Eisenerz. Deshalb passiert teilweise eine Verlagerung der Umsätze auf den Großraum Graz bzw. kleinere urbane Räume wie Bruck, Leoben, Knittelfeld.

Sind Abgaben in der Pipeline?
Wir haben im heurigen Jahr noch keine fix geplant, es kann sich aber noch eine ergeben. Nächstes Jahr wird mindestens eine Abgabe stattfinden und auch in den Folgejahren werden wir diese Entwicklung der Einzelhändler weiter intensiv vorantreiben und damit auch die bereits sehr gute Struktur des steirischen Spar-Einzelhandels entsprechend weiter entwickeln.

Was heißt das in Zahlen ausgedrückt?
Zumindest ist es unser Ziel in ganz Österreich, dass wir uns mehr und mehr – von standortspezifischen Ausnahmen abgesehen – bei rund 400 m2 Fläche bewegen. Das ist eine konkurrenzfähige Mindestgröße.

Was die Raumordnung betrifft, hat es die Steiermark leichter als andere Bundesländer. Bis zu 800 m2 große Märkte können im Wesentlichen ohne Sondergenehmigung errichtet werden.
Das stimmt. Die Steiermark ist hier nach wie vor relativ liberal. Durch die Gemeindezusammenlegungen sind größere Strukturen entstanden. Das wird nun auch mehr und mehr gelebt, dadurch entstehen womöglich neue Zentralräume in den Großgemeinden.

Sind die Kaufleute weiter die Wachstumsmotoren?
Das kann man wirklich so sagen. Auch in den Filialen und bei Interspar hatten wir eine erfreuliche Entwicklung. Aber die Kaufleute hatten 2017 das stärkste Wachstum.

Haben Bauten mit kombinierter Nutzung steigende Bedeutung?
Ja, wir sind mehr und mehr darauf angewiesen, dass wir uns bei Bauträger-Projekten einmieten. Gerade im urbanen Bereich. Von Seiten der Stadtplanung Graz ist beispielsweise die Intention einer Verdichtung der Stadt relativ groß. In den Regionen haben wir einen relativ hohen Eigentumsanteil.

Wie läuft so eine Vergabe eigentlich ab?
Die Bauträger verhandeln natürlich mit mehreren Interessenten. Aber wir haben gerade hier in der Steiermark eine sehr gute Kooperation mit Bauträgern. Oft ist es wichtig, diese guten Kontakte zu haben, um frühzeitig über ein Projekt Bescheid zu wissen.

Welche Rolle spielt der Tourismus?
Wir haben sowohl im Winter als auch im Sommer eine sehr gute Auslastung. Wir sind weiterhin die stärkste innerösterreichische Destination und haben sicher in den nächsten Jahren noch mehr Potenzial. Wir spüren auch, dass die Steiermark im asiatischen Raum immer mehr Bekanntheit erlangt. Diese Kunden kaufen auch gut ein.

Gab es bisher wetterbedingte Überraschungen im Sortiment?
Die Niederschläge und Kälte am Jahresanfang waren teilweise spürbar. Es gab zum Teil Verfügbarkeitsprobleme. Lieferanten, die im Schneechaos stecken geblieben sind. Und die Ware war zum Teil qualitativ beeinträchtigt. Jetzt starten wir wieder mit regionalen Artikeln.

Wie viele regionale Produkte führt die Spar in Spitzenzeiten?
5.300 Produkte von rund 250 Lieferanten.

Bei der Tann läuft derzeit ein Mega-Ausbau.
Wir investieren rund 35 Millionen Euro. Im September wird die Produktion in Betrieb gehen. Die Produktions- und Lagerfläche wird auf 8.500 m2 verdoppelt.

Was bedeutet das für die fleischproduzierende Industrie?
Man muss dazusagen, dass die Tann Graz schon sehr beengt in den Produktionsbedingungen war. Wir hatten die höchste Quadratmeterleistung, aber der Ausbau war notwendig. Wir haben eine schöne Entwicklung im Bereich Rindfleisch, sind bei Dry Aged sehr gut aufgestellt und produzieren eine steigende Menge. Dafür haben wir nach dem Umbau auch entsprechend große Reiferäume. Da ist sicher noch Potenzial nach oben.

Wer ist hier momentan der größte Konkurrent für die Spar?
Natürlich betreiben Hofer und Lidl eine starke Expansion in der Steiermark, das nehmen wir definitiv war. Die Rewe ist ohnehin schon stark vertreten, bemüht sich jedoch auch um neue Standorte.

Das heißt, die Spar wird weiter mit Preiseinstieg und SB gegen den Diskont steuern?
Vor allem mit Preiseinstieg. Wir haben mit SBudget eine gute Antwort für den Kunden. Gerade bei SB ist die gute Entwicklung da, aber wir wollen mit dem Fokus auf die Feinkost ganz bewusst ein Gegengewicht setzen und sowohl bei Wurst als auch Fleisch den Bedienungsfaktor stark hervorstreichen. Wir glauben daran, dass das auch in Zukunft ein wichtiger Wert für Kunden sein wird.

Und Brot und Gebäck ist künftig nur in Selbstbedienung denkbar?
Es ist für viele Kunden ein Zeitthema gewesen. Wir spüren eine hohe Akzeptanz der SB-Abteilungen. Gleichzeitig sind wir weiterhin eine starke Plattform für unsere Bäcker. Die Kombination wird es also auch bei Brot und Gebäck geben. Beim Kleingebäck ist der SB-Anteil aber definitiv steigend und die Entwicklung – trotz Anstrengungen bei Mitbewerbern – gut.

Wurde das ideale Möbel hier, Ihrer Meinung nach, schon gefunden?
Ich denke, wir haben eine passende Lösung, die hygienisch sehr gut ist.

Welche Märkte würden Sie zu den Vorzeige-Projekten in Ihrer Re­gion zählen?
Durch die konzernale Ladenbaukonzept-Entwicklung wird das, meiner Ansicht nach hervorragende, Supermarkt-Konzept 2.0 mehr und mehr ausgerollt. In Oberndorf in Salzburg ist im letzten Jahr der „Prototyp Eurospar“ ans Netz gegangen und hat sich gut entwickelt. Unser schönster Spar-Neubau, weil die Architektur sehr speziell ist, befindet sich derzeit für mich in Gleisdorf.

Gibt es einen ESL-Testmarkt in der Steiermark?
Nein, das wurde ganz bewusst so entschieden. Es wird in fünf Märkten getestet und wenn es in den Stückzahlen vernünftige Preise gibt, wird ESL ausgerollt.

Wie sieht es mit Self-Checkout aus?
Da sind wir stark mit beiden Lösungen – cashless und Bargeld. Wir haben hohe Akzeptanzquoten, etwa am Jakominiplatz oder bei Kastner & Öhler in Graz. Wenn die Frequenzlage passt, werden wir auch künftig bei Relaunchierungen die entsprechenden Module einsetzen.

Abschließend noch: Ihre Wünsche an die Industrie?
Das Christkind ist schon vorbei. (lacht) Aber ich würde sagen: Ganz viel Innovation. Echte Innovation, nicht das gleiche Produkt im neuen Kleid. Wir haben in Österreich weitgehend gute Partnerschaften mit der Industrie. Besser kann es natürlich immer sein.

Danke für das Gespräch.
Verena Widl