Rewe will weiter investieren

Rewe: Pläne

  • Investitionen: 350 Millionen Euro in Österreich, 550 Millionen Euro in Osteuropa
  • Austro-Umsatz klettert auf 7,55 Milliarden Euro
  • Filialschließungen bei Bipa, Expansion bei Billa und Merkur

Rewe rollt weiter an. Am österreichischen Heimmarkt konnte die Rewe ihre Umsätze im Vorjahr um 1,69 Prozent auf 8,53 Milliarden Euro ausbauen. Der LEH kam dabei auf ein Plus von 2,01 Prozent. „Wir liegen mittlerweile bei 7,55 Milliarden Euro“, so Bereichsvorstand Vollsortiment Österreich Marcel ­Haraszti. 2016 kamen die Wiener Neudorfer noch auf 7,40 Milliarden Euro. Dabei kaufen täglich 1,9 Millionen Kunden bei einem Rewe-Standort ein.

Rewe dreht an der Investitionsschraube. „Wir werden heuer in Österreich 350 Millionen Euro inves­tieren“, so Haraszti. Ein massives Invest-Plus, denn 2017 pumpten die Wiener Neudorfer noch rund 280 Millionen Euro in die Flotte.

Billa im Fokus. Der größte Brocken geht weiter in die Billa-Armada. 92 Projekte werden heuer in Angriff genommen. „Die genaue Aufteilung in Um- und Neubauten liegt aber noch nicht vor. Es kann noch zu Verschiebungen kommen“, so Unternehmenskommunikations-Leiterin Mag. Ines Schurin. Das Fernziel bei der gelb-roten Supermarkt-Kette liegt weiter bei 1.200 Standorten. „Mit Jahresende sind wir bei 1.069 Geschäften angekommen.“ Insgesamt machte Billa im Vorjahr einen Schub um 2,61 Prozent. Ein like-for-like Wachstum benennt Haraszti nicht: „Diese Zahlen wollen wir nicht veröffentlichen.“

Umbauwelle bei Merkur. Bei Merkur glückte ein Sprung um 1,38 Prozent. Dass der grüne Rewe-Riese keine größeren Steigerungen erzielen konnte, liegt für Haraszti auf der Hand: „Wir haben bei Merkur sechs Neueröffnungen realisiert und insgesamt elf Standorte angegriffen. Das hat natürlich auch umsatzmäßige Folgen, denn während der monatelangen Umbau-Zeiten müssen wir auch auf Umsatz verzichten.“

Dabei zeigt sich der Bereichsvorstand mit der Entwicklung von LEH-Flächen zwischen 1.000 und 1.500 m2 zufrieden. „Diese Größen haben wir bisher dem Mitbewerb überlassen. Jetzt haben wir mit Billa und Merkur gleich zwei Optionen, dieses Format zu bespielen.“ Ein Battle ortet Haraszti nicht: „Wir wollten beiden Vertriebsschienen ermöglichen, diese Verkaufsgröße zu besetzen.“

Adeg im Aufwind. Zufrieden zeigt sich die Rewe mit der Entwicklung der Adeg. „Endlich können die Kaufleute auch entsprechend verdienen“, so Rewe-Vorstandsdirektor Jan Kunath auf REGAL-Nachfrage.
Die Entwicklung von AGM sei stabil, genauso wie die Standort-Anzahl. Diese liegen weiter bei 280 gebrandeten Märkten und insgesamt rund 400 Lieferstellen. Einen Schub könnte es auch mit einer neuen Shell-Belieferung geben. „Wir sind noch in Verhandlungen. Die Verträge sind noch nicht unterzeichnet“, bleiben die Rewe-Verantwortlichen zurückhaltend. Insgesamt stiegen die Umsätze um 2,17 Prozent. „Das betrifft sowohl den Einzelhandel als auch den Großhandel.“

Minus bei Bipa. Die größte Baustelle bleibt Bipa. Im abgelaufenen Jahr gingen die Erlöse um 3,91 Prozent zurück. „Erwartungsgemäß“, so Haraszti. Die Filialstärke reduzierte sich um 13 Standorte auf 599 Dependancen. „Wir haben 26 Filialen geschlossen und 13 neu realisiert.“ Ähnliches steht für 2018 auf der Agenda. „Wir werden wieder 26 Flächen vom Netz nehmen. Aber: „Die Verkaufsfläche bleibt gleich“, so Haraszti. Denn: „Wir versuchen, unsere durchschnittlichen Größen von derzeit 300 m2 sukzessive auf 350 m2 auszubauen.“

Pläne bei Bipa. Mittelfristig geht Haraszti von einem Bipa-Netz von 500 bis 550 Standorten aus. Damit ist die Schließungswelle mit 2018 noch nicht abgeschlossen, sondern geht auch in das Jahr 2019 hinein. Der massive Kurswechsel zeige bereits Wirkung. „Wir haben im ersten Quartal ein Plus von rund sieben Prozent erzielt.“ Hintergrund: Die Einlistung von insgesamt 2.500 Artikeln ist aufgegangen. Und: Die Umbauschlagzahl habe mittlerweile bereits 80 Standorte erfasst. Dabei kommen die Wiener Neudorfer nach eigener Angabe auf einen Marktanteil von 40 Prozent. „Wir sind eine starke Nummer zwei.“

Penny Österreich stabil. Bei Penny zeigt die Umsatzkurve in Österreich leicht nach oben. Insgesamt stand ein Plus von 0,7 Prozent zu Buche. Dabei erwirtschaftete die Austro-Dependance 785 Millionen Euro.

Pennys Zugpferde: Tschechien und Italien. Das im Diskont International gebündelte Geschäft machte einen Sprung um 5,4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Die umsatzstärksten Länder sind Tschechien (1,3 Milliarden Euro) und Italien (1,1 Milliarden Euro). Der Italo-Penny verdichtete mit der Übernahme des Diskonters „TuoDi“ seine Präsenz (sieben Märkte).

Die beste Entwicklung verzeichneten Tschechien (wechselkursbereinigt 6,3 Prozent) und Rumänien mit einer massiven Expansion von 26 neuen Standorten (wechselkursbereinigt 6,9 Prozent).

Große Einzelinvestition in Ungarn. In Ungarn gab es bei Penny einen Schub wechselkursbereinigt um 11,4 Prozent. Dort ging in Veszprém ein neues Logistik-Zentrum ans Netz. „Der Neubau des 26.500 m2 großen Lagers war mit 27 Millionen Euro die größte Einzelinvestition“, so Bereichsvorstand Diskont International Michael Jäger. Die Penny-Flotte legte um 48 Standorte auf 1.466 Geschäfte zu.

Online: Billa bei 17 Millionen Euro Umsatz. Keine schwarzen Zahlen gibt es im Online-Geschäft. „Wir leisten uns Erfahrungen in diesem Bereich, sind am probieren und testen.“ Aber: Insgesamt erwirtschaftet die Rewe mit Billa online 17 Millionen Euro. „Insgesamt liegen wir bei 30 Millionen Euro.“ Tendenz stark steigend. „Es ist ein zartes Pflänzchen mit enormen Wachstumszahlen.“ Billa konnte um 40 Prozent zulegen, Merkur um 246 Prozent.

Aktuell wickelt Billa die Bestellungen über ein eigenes Food Fulfillment Center ab und verfügt über 50 Click&Collect-Standorte. In den Kinderschuhen steckt Drive-in. „Wir wickeln hier bei unserer Premieren-Fläche in Wien Perfektastraße täglich zehn bis 20 Bestellungen ab.“ Ob der Test auch bei Merkur ausgedehnt wird, ist offen: „Wir wollen in einem ersten Schritt bei Billa Erfahrungen sammeln.“

Aktionen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist der Aktionsanteil. „Wir müssen an der Preiswürdigkeit arbeiten und den Promotion-Absatz langsam zurückdrehen.“ Mini-Schritte nimmt sich dabei Haraszti vor: „Das kann sich auch in einem Bereich von 0,2 Prozent pro Jahr abspielen.“ Aktuell liegt Rewe bei rund 30 Prozent, bei Bipa pendelt sich der in Aktionen abgesetzte Verkauf zwischen 20 und 25 Prozent ein.

Eigenmarken. Keine Ziel-Werte gibt es im Bereich der Eigenmarken. „Wir müssen uns jede Kategorie einzeln anschauen. Hier von einer Wunschzahl zu sprechen, ist Unfug.“ Derzeit liegen die Wiener Neudorfer bei 27 Prozent Eigenmarken-Anteil. Mächtiges Umsatz-Zugpferd war dabei zuletzt „Da komm’ ich her“. Die Rewe-Linie wurde 2017 auf 250 Produkte ausgebaut. Der Umsatzschub betrug neun Prozent. „Wir erwirtschafteten 144 Millionen Euro.“ Ebenfalls bestätigt: Die Rewe sicherte sich die Markenrechte von „Tonis Freilandeier“.

Erstes Quartal 2018. Der Aufwind setzt sich 2018 fort. Rewe-Generaldirektor Lionel Souque: „Im Bereich International, Vollsortiment Österreich sowie Mittel- und Ost­europa sind wir nach drei Monaten kumuliert zum Vorjahr um 7,5 Prozent gewachsen.“

Billa CEE. Damit setzt sich die Tendenz des letzten Jahres fort. 2017 konnte Billa CEE seine Erlöse um 10,4 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ausbauen. Das stärkste Plus gab es in Tschechien mit 12,9 Prozent und einer Filial-Flotte von 220 Billa-Geschäften sowie 63 Tankstellenshops. Einen Schub um 10,9 Prozent gab es in der Slowakei, 9,2 Prozent in Bulgarien und 8,3 Prozent in Russland, wo mittlerweile die 122. Filiale ihren Betrieb aufnahm. Die Standort-Anzahl stieg quer über die verbundenen Länder insgesamt um 25 auf 631 Outlets. Eine Offensive, die sich 2018 fortsetzt. „Ein Expansionsschwerpunkt liegt dabei weiter auf Moskau und Umgebung“, so Kunath, der von insgesamt 250 neuen Filialen in Österreich und den verbundenen Ländern spricht. „In dem kleinen Land Österreich ist die Besatz- und Outletdichte bereits sehr hoch, da wird es weniger Neueröffnungen geben als in Osteuropa.“ Und Souque: „Insgesamt werden wir rund 900 Millionen Euro für Rewe International bereitstellen.“

Investitionen. In der gesamten Rewe Gruppe wird die Investition 2,4 Milliarden Euro betragen. Der Großteil entfällt mit 1,5 Milliarden Euro auf Deutschland. Ein neuer Rekordwert, der sich auch auf die starke Entwicklung der letzten Jahre begründet. Die Kölner konnten ihren Gesamtaußenumsatz um 6,7 Prozent auf 57,8 Milliarden ausbauen. Wichtiger Wachstumshebel waren dabei einmal mehr die Rewe-Partnerkaufleute. „Sie erzielten 2017 ein Umsatzwachstum von 8,5 Prozent.“

Rewe Deutschland. Konzernweit gab es ein Plus von 8,3 Prozent auf 49,4 Milliarden Euro. In Deutschland kletterten die Erlöse um 15,4 Prozent hinauf. Das um Sondereffekte bereinigte EBITA 2017 lag bei 594 Millionen Euro.

Herbert Schneeweiß