Von li. Metro Österreich CEO Arno Wohlfahrter, Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, Spitzengastronom Heinz Reitbauer vom Restaurant Steirereck und Andreas Weber (trend) bei der Metro Mittwochsgesellschaft

Elisabeth Köstinger hat in der Landwirtschaft, mit Lebensmitteln, Bio und Nachhaltigkeit einiges vor

Frau Ministerin, Ihre aktuellen Pläne für die Branche?

  • Die „Power“-Frau und Kurz-Vertraute Elisabeth Köstinger fordert mehr Bio bei Schweinefleisch, lehnt scharfe Herkunfts-Kennzeichnung in der Gastronomie ab

Aufgewachsen ist sie an einem Bauernhof in Unterkärnten. Im Lavanttal. „Das hat mich geprägt. Wir hatten alle möglichen Tiere, ein gemischter Bauernhof“, sagt Elisabeth Köstinger heute. Sie ist eine der schillernden Persönlichkeiten der neuen Regierung.
Am Bauernhof bei den Eltern jedenfalls hat sie das Rüstzeug gelernt. „Als die EU-Förderungen kamen, haben wir den Hof dann völlig auf Milch-Schafhaltung umgestellt“, sagt Köstinger mit einem Schmunzeln. „Später dann hat mein Papa dann auf Streuobst beziehungsweise Streuapfel umgestellt und macht Most.“
Die ÖVP gab das Landwirtschafts-Ministerium oft Politikern mit besonderem Bezug zu Bauern. Auch Ex-Minister Berlakovich kam von einem Bauernhof im Mittelburgenland. Nur gab man der recht jungen und modernen Elisabeth Köstinger für ihr Ministerium den flotteren Namen „Nachhaltigkeit und Tourismus“. Praktisch ist die 39-jährige Landwirtschafts-Ministerin, kümmert sich um die (EU)-Förderungen der Bauern und sitzt am Stubenring.

Von Wolfsberg zur EU. Nach der Hauptschule meisterte Köstinger in Wolfsberg die Matura, ging auf die UNI nach Klagenfurt zum Publizistikstudium. Das hat sie allerdings nicht finalisiert, da sie rasch der Ruf der Politik ereilte. Köstinger ging nach Brüssel, wurde EU-Parlamentarierin, arbeitete für eine moderner werdende ÖVP, stieg auf. Im Vorjahr managte sie für Sebastian Kurz den Wahlkampf, war quasi „First Lady“ in seinem Team, wurde im TV bekannt und mit Jahresende Ministerin. Dort lebt sie jetzt so richtig auf.
Im Unterschied zur EU seien wir in der Umwelt weit vorne, meint sie. „Wir haben kleine Einheiten und kleine Flächen, dafür müssen wir kreativer sein.
Zuerst muss man auf Regionalität setzen. Weil wir eine so große Vielfalt beim Sortiment Lebensmittel haben, gibt es auch eine Überforderung beim Sortiment“, so Köstinger.
Zu Gütesiegeln steht die neue Ministerin, aber nur dort, wo es Sinn macht, im LEH mache es Sinn, in der Gastronomie weniger.

Bei Schweinefleisch zu wenig Bio. In der Wohlstandsgesellschaft könne man ohne großen Verzicht auch etwas umstellen bei der Ernährung und im Fleischkonsum, Köstinger: „Wir essen zu viel Fleisch und verbrauchen zu viele Ressourcen damit. Bei Schweinefleisch und Geflügel geht Bio noch gar nicht, weil die breite Masse noch auf den Preis schaut, bei Fleisch ist der Konsument nicht bereit, mehr zu zahlen, es gibt einen großen Wettbewerbsdruck, Bio geht nur bei Rind.“

Milch-Kennzeichnung? Weniger gerne, und da ist sie einer Meinung mit Hoteliers, tritt Köstinger für eine genaue, verpflichtende Herkunfts-Kennzeichnung in der Gastronomie ein. „Das ist fast nicht kontrollierbar und würde eine enorme Bürokratie erfordern.“ Wo es sinnvoll und machbar ist, sei sie aber für eine Herkunfts-Kennzeichnung, etwa bei Milch kann sie sich künftig so etwas im LEH vorstellen.
Die Gastronomie brauche jetzt wirklich keine neuen gesetzlichen Vorschriften mehr. Köstinger: „Die sind in den letzten Jahren eh genug belastet worden, denken wir an Raucherbereiche, Allergen-Kennzeichnung oder Registrierkassenpflicht.“

Im Lebensmittelhandel gäbe es, genau genommen, eine Rückverfolgbarkeit in der gesamten EU nur bei Frischfleisch. Das wurde nach dem Rumänien-Fleischskandal notwendig. „Das ist aber auch ein unfassbarer Kontroll-Aufwand.“
Doch Köstinger geht es um bewusstes Einkaufen. Sie gibt zu Protokoll: „In jedem Supermarkt-Regal sollte man sich aber schon die Frage stellen, woher kommt es, wer hat es produziert und wen unterstützt man damit.“
Natürlich forciert Köstinger – wie ihre Vorgänger Pröll, Berlakovich und Rupprechter – auch die Nachhaltigkeit. Sie macht dies überzeugend und hat Visionen für die nächsten Generationen.

Metro zeigt es vor. Nachhaltigkeit ist für die dynamische Ministerin das A&O ihrer Politik. In die Hände spielt ihr dabei eine Aktivität der Metro. Der Konsument will wissen, woher Produkte kommen. Technologie hilft dabei. Metro-Chef Arno Wohlfahrter: „Wir haben für die Rückverfolgbarkeit der Produkte die eigene App ProTrace. Unsere Kunden können damit ganz genau überprüfen, woher die Fische aus unserem Angebot kommen, bis hin zum Kutter, also zur Fangmethode und zum Fanggebiet.“ Der neue Metro-C&C in St. Pölten sei ein Vorzeigemarkt in puncto Nachhaltigkeit.
Köstinger: „Das Thema Nachhaltigkeit ist natürlich sehr zentral bei Lebensmitteln, aber Nachhaltigkeit geht weit über dieses Thema hinaus. Es betrifft natürlich die Energieeffizienz und auch die Frage der Mobilität ist ganz entscheidend. In diesem Dreieck kann man sehr viel bewegen und vor allem nachhaltig etwas tun.“

Mission2030. Die Wirtschaft könne, so Köstinger, sehr viel beitragen: „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der mission2030 den Grundstein dafür legen, dass es einen echten Umbau unseres Energiesystems geben wird. Und da ist es entscheidend, dass es keinen Widerspruch mehr gibt zwischen Wachstum und Wohlstand einerseits und Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf der anderen Seite.“
In den letzten Wochen spulte die Neo-Ministerin ein gewaltiges Programm ab. Und erzählt. Vor kurzem war sie in China mit der großen Politik-Delegation. „Da kamen ganz viele Fragen über die Umweltstandards, die wir in Österreich haben. Das war schon außergewöhnlich und ist uns in Österreich oft gar nicht bewusst, wie weit wir hier sind.“
Im Sommer erwartet Köstinger ihr erstes Kind, dann wird Ministerin Juliane Bogner-Strauß für einige Monate einspringen. Danach geht Köstingers Lebenspartner in Karenz. Köstinger macht dann weiter im großen Ministeriums-Haus am Stubenring nahe dem Donaukanal.

Gregor Schuhmacher