Mag. Günter Thumser, Geschäftsleiter des Österreichischen Verbandes der Markenartikelindustrie

Mag. Günter Thumser, Geschäftsleiter des Österreichischen Verbandes der Markenartikelindustrie, im REGAL-Gespräch

Die Marke ist ein Innovations-Motor

  • Marke als Garant für Sicherheit
  • Forderung: weniger Bürokratie und Kennzeichnung

REGAL: Herr Mag. Thumser, wie sehen Sie die Zukunft der Marke?
Günter Thumser: In einer Zeit, die immer volatiler wird und sich die Bedingungen immer rascher verändern, sind gewisse Sicherheiten etwas, das alle wollen. Die Marke ist ein Symbol und ein Garant für Sicherheit. Für etwas, das überall vorhanden ist, eine gleichbleibende Qualität hat und sicher immer am aktuellen Stand der Technologie – oder idealerweise ein Stückchen davor – befindet und damit auch vor den Bedürfnissen der Konsumenten. Die Marke ist zudem ein Motor für Innovationen und für Wirtschaft und Gesellschaft enorm wichtig. Ohne Marke gehen wir in Richtung mehr Armut.

Ein Symbol für die Sicherheit, ein Innovationstreiber also. Was sind dennoch die Herausforderungen, mit denen die Markenartikelindustrie zu kämpfen hat?
Dazu zählt die enorme Geschwindigkeit, mit der sich Wünsche und Vorstellungen von Konsumenten verändern. Damit setzen sie neue Trends. Im Handelsumfeld ist es so, dass wir mit der doppelten Rolle des Handels, ein gerüttelt Maß an Herausforderungen haben. Speziell, wenn es darum geht, mit Eigenmarken im Wettbewerb zu bestehen. Wo der Händler selbst als Produzent auftritt und den gesamten Datenhintergrund hat – auch jenen, von unseren Mitbewerbern. Während wir, als einzelner Lieferant, immer nur die Daten für die eigene Produktlinie haben.

Stichwort Eigenmarke. Wo liegt der Anteil und bei welchen Warengruppen sind die Anteile höher bzw. niedriger?
Der Eigenmarkenanteil lag 2017 bei knapp 34 Prozent. Besonders hoch ist er bei weißer Ware. In anderen Segmenten – etwa Bier, Regionalität im Food-Bereich, Kosmetik – sind die Eigenmarken der kleinere Player und die großen Marken dominieren. Über diese Entwicklung in Öster­reich können wir stolz sein.

Was sagen Sie zur Neuauflage der Wettbewerbsproblematik zwischen Industrie und Handel?
Wir sind immer daran interessiert, dass es eine gute Zusammenarbeit gibt, die auf einer Augenhöhe ablaufen sollte. Dazu gehört natürlich eine gewisse ethische Grundeinstellung. Wenn diese im Leitfaden für gemeinsamen Wettbewerb festgehalten und – wie uns versprochen wurde – an sehr konkreten Beispielen festgemacht wird, kann es in ­Österreich nur helfen, das Kooperationsklima auch künftig als positiv und konstruktiv zu erhalten.

Wollen Sie uns noch kurz verraten, wie Ihre persönlichen Ziele und Vorhaben für den Markenartikelverband in den nächsten Monaten und Jahren aussehen?
Ich sehe meinen Hauptauftrag in der Unterstützung unserer Mitglieder beim Aufspüren und Nutzen der vielen neuen Chancen. Ich glaube, dass wir in Österreich als Markenartikler im Handel und gemeinsam mit dem Handel noch tolle Möglichkeiten vor uns haben. Österreich ist ein Land von sehr kritischen Konsumenten, die Wert auf Regionalität und Qualität legen, viel mehr als das in unseren Nachbarländern der Fall ist. Wer könnte da besser die richtigen Antworten und Produkte geben als die Markenartikelindustrie. Hier wollen wir zusätzlich Impulse geben und vielleicht auch im Verband jenen helfen, die ihre letzten Chancenpotenziale noch nicht ergriffen haben. Stichwort Benchmarking. Wir sehen uns hier auch als Plattform für Information. Ein weiteres Ziel ist, die Bekanntheit der Marken und des Verbandes auch im Ausland zu stärken.

Wird der Markenartikelverband künftig auch das Thema Regionalität stärker besetzen?
Regionalität ist ein Thema. Es geht um die Herkunft – und darüber hinaus um die Eigenidentität der Marke. Sie muss sich differenzieren zu ihrem Umfeld. Das tut man am leichtesten, indem man zu seinen eigenen Werten steht und diese dennoch immer wieder neu definiert. So bleibt die Marke attraktiv für den Konsumenten.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Politik?
Prinzipiell würde ich sagen, dass wir die österreichische Tradition des Miteinander nicht aufgeben sollten, sondern konstruktiv und positiv aufeinander zugehen. Der Wunsch an die Politik ist, die Bürokratisierung etwas einzudämmen. Nach vielen Ankündigungen sollte diese spürbar reduziert werden. Wir haben gerade in den letzten Wochen über die Datenschutzgrundverordnung erlebt, was ein neues bürokratisches Riesen-Thema bedeutet. Das zweite Thema ist die Herkunftskennzeichnung. Hier sollten Politiker Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse der Lebensmittelproduzenten und kein Gold Plating weit über die EU-Normen, und sogar weit über das oft zitierte französische Pilot-Modell, hinaus vornehmen. Das würde die österreichische Lebensmittelindustrie extrem diskriminieren – nämlich gegenüber allen, die hierher importieren und nicht so strengen Deklarationsvorschriften unterliegen.

Danke für das Gespräch.
Verena Widl