Stimmen der Kaufleute am Branchentreff

Eurospar-Kaufmann Hans Steinberger, Neunkirchen

Profil durch Mitarbeiter

Der Erfolgskaufmann Hans Steinberger liegt fünf Prozent über Vorjahr. In seinen zwei Eurospar-Märkten in Neunkirchen hat der Unternehmer inzwischen 300 regionale Produkte und an die 1.000 Bio-Produkte gelistet. Eine Palette, die jährlich 20 Prozent Wachstum liefert und gleichzeitig von hohen Aktionsanteilen verschont ist. „Der Aktionsdschungel ist schlimm geworden. Dennoch zeigt sich: Aktionen sind einfach ein unersetzbarer Motor um neue Kunden ins Geschäft zu holen.“
Ein Thema, das Steinberger abseits davon beschäftigt, ist die Frage: Was macht einen Kaufmann heute aus? „Automatisierte Bestellsys­teme zeigen uns derzeit, dass so mancher Algorithmus doch besser funktioniert als das Gefühl des Kaufmanns. Heute sind die Stärken der Kaufleute anderswo zu finden. „Wir schaffen es, die Zusammenarbeit quer über alle Abteilungen besser zu organisieren – ein wesentlicher Punkt, um die Kosten im Unternehmen zu optimieren. Und wir haben durchwegs ein besseres Arbeitsklima. Für mich bleibt also der Fokus weiterhin, sich über den Mitarbeiter zu differenzieren“, ist Steinberger überzeugt.

Spar Kaufmann Johann Mohr, St. Pölten

Hoch die Spanne!

Vorwärtsstrategie bei Spar-Kaufmann Johann Mohr in Sankt Pölten. „Natürlich wird die Mitbewerbssituation immer schwieriger. Aktuell kommt wieder ein neuer Billa-Markt dazu. Wir werden ruhig bleiben und auf unseren Standort schauen.“ Spannenarbeit ist bei Mohr groß geschrieben. „Wir liegen aktuell bei 26 Prozent.“ Das Geheimnis: „Wir kümmern uns intensiv um die angebotenen Sortimente.“ Insgesamt liegt Mohr mittlerweile bei 4,5 Millionen Euro Umsatz. Wichtiger Frequenzbringer war zuletzt die Post. „Wir sind bereits bei 400 Post-Kunden angekommen.“

Günther Steiner, Spar-Kaufmann, Mariazell

Wichtig: Der Kundenkontakt

Erweiterungspläne bei Spar-Kaufmann Günther Steiner in Sankt Sebastian bei Maria­zell: „Wir überlegen unseren Markt um 100 m2 zu erweitern“, so Steiner im REGAL-Gespräch. Hintergrund: Die Verschärfung der Mitbewerbssituation in Mariazell. „Dass ein neuer Markt kommt, ist fix. Es ist aber noch nicht sicher, ob Billa oder Hofer zuschlagen wird.“
Dementsprechend will sich Steiner rüsten, ein deutlicheres Umsatzplus herauszuarbeiten. „Wir liegen derzeit zehn Prozent über dem Vorjahr, aber das wird bei einem neuen Anbieter nicht reichen.“ Ein neuer Verkaufsflächen-Schub soll die Position des Standorts am Fuße der Mariazeller Bürgeralpe, nahe des Nordlifts, stärken. „Wir haben im Dezember 2011 zusammen mit der Spar den Markt neu aufgestellt und selbst rund eine Million Euro investiert.“ Ein Programmpunkt war dabei die visionäre Umsetzung des Supermarkt-Konzepts 2.0. „Darüber hinaus haben wir auch eine Gastro-Fläche von 70 m2 aufgeschalten.“
Dabei will Steiner vor allem im Kampf um Stammkunden mitmischen. „Mariazell ist nach der Gemeindestrukturreform und der Eingemeindung von Gußwerk, Halltal und Sankt Sebastian enorm gewachsen und flächenmäßig größer als Wien. Und das bei einer Gesamt-Einwohnerzahl von 4.000. In Sankt Sebastian ziehen wir im Bemühen um die Wallfahrer den Kürzeren, weil wir einen Kilometer von der Basilika entfernt sind.“ Dennoch: „Über das Jahr gerechnet, kommen wir auf einen Tourismus-Anteil zwischen zehn und zwölf Prozent.“
Auf der regionalen Klaviatur zu spielen, fällt Steiner schwer: „Wir haben in unserem Gebiet wenige Produzenten, die für unsere Regale in Frage kommen. Insgesamt kommen wir auf 80 und 100 regionale Produkte.“ Wichtiger sei ein anderer Erfolgsfaktor: „Wir Kaufleute müssen weiter die Kommunikation mit den Kunden groß schreiben. Es geht um die Beratung, um den persönlichen Kontakt.“ Wobei die Zeit dafür immer schwieriger aufzubringen ist: „Die Bürokratie, die uns täglich aufoktroyiert wird, nimmt Zeit für das Kerngeschäft weg. Hier ist die Politik dringend gefordert.“

Nah&Frisch Krause, Lichtenwörth (NÖ)

Umsatz ist kontinuierlich steigend

In Lichtenwörth, in der Nähe von Wiener Neustadt, betreiben Hermine und Norbert Krause einen 145 m2 Nah&Frisch Markt. „Der Umsatz ist kontinuierlich leicht steigernd, damit sind wir zufrieden“, erklärt Hermine Krause gegenüber REGAL. Noch ein Grund, zufrieden zu sein, ist das fünfjährige Bestehen. 2013 eröffnete die Familie den Markt und investierte 80.000 Euro in die Modernisierung. Darum sind momentan noch keine weiteren Investitionen geplant.
Den Frische-Anteil hält das Kaufmannsduo gering. „Wir setzen auf Selbstbedienung, deshalb macht der Frische-Anteil nur 20 Prozent aus.“ Die Selbstbedienung zieht auch die Kunden ins Haus, obwohl es im Ort einen Bäcker und einen Fleischer gibt. Täglich kommen um die 300 Kunden, viele davon sind Stammkunden. Frequenzbringer sind auch die Trafik und die Lottoannahmestelle.
Im Trend liegen in Lichtenwörth auch regionale- und Bio-Produkte. „Wir bekommen Mehl und Eier aus der Umgebung sowie Bio-Frischmilch im Glas.“ Vegane Produkte führen die Nah&Frisch Kaufleute wenige, „denn das kommt am Land noch nicht so gut an.“ Beliefert wird der Markt drei Mal pro Woche von der Kastner Gruppe.

Veronika Stattler, Spar, Persenbeug-Gottsdorf

Tüchtige Kaufrau!

„Mit unserer Verkaufsfläche von 980 m2 müssen wir rund vier Millionen Euro erwirtschaften“, erklärt Veronika Stattler im REGAL-Gespräch. Seit Juni 2017 führt die Sparianerin den ehemaligen Christl-Standort in Persenbeug-Gottsdorf (NÖ).
„Es gibt nur noch wenig Rädchen, an welchen eine Kauffrau drehen kann. Eines ist aber sicher der Personalkostenanteil“, so Kauffrau Veronika Stattler, die Ende 2016 aufgrund der Umbaukosten-Last von drei Millionen Euro in wirtschaftliche Probleme geriet. „Danach kam die Zeit des Masseverwalters und unsere Aufgabe ist es jetzt, die Kunden wieder zurückzugewinnen.“ Stattler selbst hat zuletzt den Spar-Markt in Amstetten geführt, wechselte zum Eurospar Persenbeug. „Ich habe dort auch gelernt, deshalb habe ich mich für diese Aufgabe auch entschieden.“ Derzeit gelte es, das Ruder richtig in die Hand zu bekommen: „Wir sind gerade dabei, die regionalen Anteile zu erhöhen und auch bei der Frische den Hebel anzusetzen.“ Die Anzahl der möglichen Stellschrauben seien für Kaufleute gering: „Es geht aber darum, vor allem die Personalkosten in den Griff zu bekommen. Der Kaufmann muss sich immer stärker einbringen.“

Nah&Frisch Benischko, Ottensheim (OÖ) und St. Agatha

Die Stimmung ist gut

„Ich bin zufrieden“, erklärt Nah&Frisch-Kaufmann KR Wolfgang Benischko am REGAL-Branchentreff. Aktuell liegt Benischko mit seinen Märkten in Ottensheim (OÖ) und St. Agatha (OÖ) mit 1,5 Prozent im Plus. „Durch die Fußball-WM rechne ich mit einem weiteren Anziehen der Umsätze. Die Stimmung ist grundsätzlich positiv.“ Auch wenn sich die politischen Rahmenbedingungen wenig verändert haben: „Wir haben gelernt, damit zu leben. Der bürokratische Aufwand ist weiter enorm.“
Aktionsanteile nagen Erträge ab, die verschärfte Mitbewerbssituation setzt Benischko zu. „Die Preisschlachten werden mit Vehemenz weitergeführt.“ Ein Ausweg: Regionalität. „Unter dieser Bezeichnung fasse ich Artikel zusammen, die zehn Kilometer um meine Standorte produziert werden.“ Zwischen 500 und 600 regionale Artikel hat Benischko eingelistet. „Es geht um das Image, weniger um den Umsatz. Der regionale Umsatzanteil wird in meinem Fall zwischen drei und fünf Prozent liegen.“

Spar-Kaufmann Alois Hofer, Fieberbrunn

Zehn Prozent vorne

Zug um Zug baut Alois Hofer seine Umsätze in seinem 600 m2-Markt (inklusive 200 m2 Gastro) in Fieberbrunn aus. „Wir sind aktuell wieder rund zehn Prozent vorne“, so Hofer im REGAL-Gespräch. Damit schiebt sich der Sparianer immer näher an die Fünf-Millionen-Euro-Umsatzmarke heran. „Wir liegen weiter bei über vier Millionen Euro.“
Die Erfolgsbausteine für den neuerlichen Schub sind laut Hofer mannigfaltig. „Die starke Saison spielt uns in die Hände. Das Wetter passt und auch die Osterfeiertage sind perfekt gefallen.“ Immer wichtiger werden dabei die deutschen Touristen. „Da haben wir mit Sicherheit neue Besucher dazubekommen.“ Auch die holländischen Gäste kaufen gerne bei Hofer ein. „Hier haben wir eine Reihe an Zweitwohnsitzern dazu bekommen.“
Wesentlich ist die konsequente regionale Orientierung: „Wir führen mittlerweile 2.000 Artikel aus der Region, wobei ich jährlich 50 neue Produkte einliste.“ Vor allem im Fleischbereich will Hofer noch den Hebel anziehen. „Hier gibt es noch Platz zur Diversifizierung. Die Maßnahmen, die ich hier setze, werden aber erst 2019 schlagend, da es bei den Bauern eine entsprechende Vorlaufzeit benötigt.“
Sicher ist: Hofer kommt. „Das ist fix, nur der Zeitrahmen ist noch offen. Wir dürfen aber nicht auf die anderen schauen, sondern unsere Aufgaben ordentlich erledigen.“ Auch wenn ein Domino-Effekt möglich ist: „Kommt Hofer, dann wird womöglich auch MPreis reagieren.“
Hinsichtlich Politik bleibt der Sparianer ebenfalls konkret. „Macht eure Hausübung, senkt die Lohnnebenkosten, entlastet das 13. und 14. Gehalt und entschlackt die Bürokratie.“

Adeg Kaufmannsfamilie Haas, Kottingbrunn (NÖ)

Hoch die Spanne!

Adeg Kaufmann Robert Haas und sein Sohn führen den 1972 übernommenen Familienbetrieb in Niederösterreich. Der 600 m2 Markt entwickelt sich gleichbleibend aber zufriedenstellend. Und das, obwohl er umzingelt ist von Mitstreitern. „In alle Himmelsrichtungen gibt es Konkurrenz. In unserem Ort ist alles vertreten“, so Adeg-Kaufmann Haas gegenüber REGAL. In Kottingbrunn gibt es Spar, Penny Markt, Lidl und wenig außerhalb der Stadt drei Billa und einen Interspar.
Doch das schreckt die Kaufmannsfamilie nicht, die Trafik und die Poststelle bringen genug Frequenz. „An einem schlechten Tag haben wir um die 400 Kunden – ohne Postkunden.“ Den Frische-Anteil hält die Familie gering. „Die Kunden wollen Abgepacktes und sind Vorgefertigtes á la Diskonter gewohnt.“ Investiert wird auch noch dieses Jahr, nämlich in eine neue Kühlung.

Spar Supper: Horitschon, Siegendorf, Deutsch Kreutz

Kunden aus Ungarn

Die Kaufleute-Familie Supper nimmt Sopron ins Visier. „Wir haben mit unseren drei Märkten Ödenburg praktisch eingekreist“, so Raffael und Hannes Supper unisono. Von den Standorten Horitschon, Siegendorf und Deutsch Kreutz werden eigene Flugblätter gestreut. „Wir bearbeiten rund 25.000 Haushalte mit entsprechenden Aktions-Prospekten.“ Im Mittelpunkt: „Marken-Ware, Bier und auch alkoholhaltige Getränke. Das ist in unserem Nachbarland gefragt.“ Schwieriger ist die Situation im Feinkost-Bereich. „Die Ungarn sind zwar Feinkost-Theken gewohnt. Die klassische Wurst-Semmel ist aber kein Thema. Hier müssen wir noch viel Aufbauarbeit leisten.“ Der Hungaro-Kunden-Anteil ist dementsprechend hoch. „In Siegendorf ist wohl jeder zweite Kunde aus Ungarn.“ In Hortischon und Deutsch Kreutz kommen immerhin noch 20 Prozent aus dem ungarischen Grenzgebiet. Wird die Autobahn A3 nach Sopron verlängert, dann erwarten sich die Kaufleute ein weiteres Anfeuern der Umsätze. „Das könnte bis 2020/2021 realisiert sein.“
Der Start im neuen Siegendorfer Markt sei in jedem Fall geglückt. „Wir sind auf Plan und erhoffen uns einen weiteren Schub, wenn auch die Gastro ihren Betrieb aufnimmt.“ 1.250 m2 stehen zur Verfügung. „Wir sind hochmodern aufgestellt und gerade in den Frische-Bereichen state-of-the-art.“
Auch mit der Performance in Deutsch Kreutz ist Supper zufrieden. „Wir waren zuletzt mit 1,5 bis zwei Prozent im Plus.“ Auch in Horitschon gibt es diese Zuwachsraten. Ein neues Mega-Projekt soll den Umsatzturbo zünden helfen. „Wir wollen einen Markt mit 1.300 m2 in der Innenstadt hochziehen als Anker-Mieter eines kleinen Centers.“ Der aktuelle Standort soll geschliffen und als Parkraum genutzt werden. „Wir wollen keinen einzigen Tag schließen.“ Endpunkt: „Mit Herbst 2019 könnte der Markt schon ans Netz gehen.“ Genaue Investitionssummen liegen noch nicht vor, werden aber in den Millionen-Bereich gehen. „Ein Supermarkt-Bau in einem Ortskern kostet im Schnitt um 25 Prozent mehr als in der Peripherie.“ Das müsse die Politik erkennen: „Wenn mehr Standorte in den Ortszentren gewünscht sind, dann braucht es Lösungen. Ich denke etwa an ein Bonus-Malus-System. Wer in der Peripherie baut, soll in einen Topf einzahlen, wer drinnen baut, der müsste davon profitieren können.“

Nah&Frisch Walenta, Waldenstein (NÖ)

Zu viele Aktionen

Seit 2017 führt Familie ­Walenta einen zweiten Nah& Frisch Markt mit 100 m2 in Waldenstein. Als der Nahversorger des Ortes in Pension ging, übernahm Kaufmann Walenta mit seinem Sohn Andreas den Markt. In Kirchberg am Walde betreiben sie schon seit Jahrzenten ein Geschäft. Seither läuft die Entwicklung kontinuierlich – „Eine Steigerung ist fast nicht mehr möglich“, schildert Karl Walenta gegenüber REGAL.
Zu schaffen machen ihm die Aktionen: „Die Rabatt-Schlachten sind ein Wahnsinn.“ Doch das sind nicht die einzigen Herausforderungen: Die Aufrechterhaltung der Nahversorgung im ländlichen Raum muss gesichert werden. Beliefert wird der Markt, welcher in vierter Generation geführt wird, von der Kastner Gruppe. Ziele für die Kaufmannsfamilie sind den Umsatz zu halten und die Nahversorgung sicherzustellen.