EHI Energiestudie 2018

So managt der Handel die Energie

  • Wichtigste Einsparungsmaßnahmen: Kältetechnik, Beleuchtung, Gebäudetechnik
  • 46 Prozent am Stromverbrauch nimmt die Kältetechnik ein

„Energiemanagement im deutschsprachigen Handel hat sich in den letzten Jahren professionalisiert“, sagt EHI-Ladenbau-Expertin Claudia Horbert. Vorreiter ist die Schweiz. An der aktuellen Energiemanagement-Studie haben sich 52 führende Handelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Insgesamt sind es 30.000 Filialen mit einer Verkaufsfläche von über 46 Millionen Quadratmetern.

Stromverbrauch Food. 52 Prozent der Studienteilnehmer kommen aus dem Food-Sektor. Hier sind 80 Prozent des Gesamt­energieverbrauchs (elektrische und Wärme-Energie) auf den Faktor Strom zurückzuführen. Den größten Anteil am Stromverbrauch hat die Kältetechnik mit 46 Prozent inne. „Davon entfallen 54 Prozent auf Normalkühlung und 32 Prozent auf Tiefkühlung.“ An zweiter Stelle kommt Beleuchtung, gefolgt von Klimatisierung/Lüftung. Zu den 19 Prozent der „Sonstigen“ zählen etwa Kassen- und Türsysteme sowie Informationstechnik.

Im Non Food Bereich ist naturgemäß die Beleuchtung der größte Verbrauchsträger (56 %). Klimatisierung und Lüftung beanspruchen ein Viertel des Stromverbrauchs.

Monitoring. „Die Energie-Monitoring-Maßnahmen werden immer genauer. Die Systeme für elektrische Energie können zum Teil alle 15 Minuten Daten erfassen.“ Bei Wärme-Energie würden die Angaben oft noch auf Schätzungen basieren.

Verbrauch und Kosten. Insgesamt ist der Stromverbrauch pro Quadratmeter Verkaufs­fläche rückläufig, sowohl bei Food als auch Non Food. „Von 2016 auf 2017 senkte er sich um 5,3 Prozent.“ Damit einher geht ein Minus bei den Kosten. „Die Kosten sind auch vom Verhandlungsgeschick der Händler abhängig, Stichwort Vertragsdauer. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Netznutzungsentgelte in den Filialen“, kommentiert Horbert.

Invest. Der Grund für rückläufige Verbräuche und Kosten sind umfangreich Energie-Effizienzmaßnahmen. Insbesondere Umsatzstarke haben in den letzten fünf Jahren kräftig investiert. Ein Auszug aus der Studie: Mehr als die Hälfte der Filialisten mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro gaben über 25 Millionen Euro aus, um ihre Standorte energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Allerdings: „Nachdem die energetische Sanierungsquote weiterhin bei rund zehn Prozent liegt, bleiben also bei einer Kette mit vielen Filialen immer noch eine Menge an Standorten übrig, die nicht auf dem neuesten Stand sind.“

Die wichtigsten Einspar-Potenziale liegen unverändert bei Kältetechnik (transkritische Kälte-Anlagen), Beleuchtung (LED), Gebäudetechnik. Entsprechend verteilen sich die Investitionsbudgets. „Im LEH entfällt ein Großteil der Ausgaben auf Kältetechnik.“

Mietverträge. Während im Lebensmittelhandel die Bereitschaft noch etwas höher ist zu investieren – „der Eigentumsanteil ist hier höher“ – schlägt etwa bei Fashion der Trend zu kürzeren Mietverträgen zu. „Dadurch geraten die Invests auf den Prüfstand.“

Längere Amortisationszeiten. Das Fazit der Studie: Amortisationszeiten haben sich verlängert. „Unternehmer geben neuen Maßnahmen mehr Zeit, um sich zu bewähren.“ Der Trend und die Bereitschaft zu längerfristigen Inves­titionsprojekten im Bereich Energie-Management nimmt also zu.

Regulativ. Ein mögliches Motiv, insbesondere im deutschen Handel, sind regulatorische Bedingungen, wie etwa gesetzlich verpflichtende Energie-Audits. „Die systematische Erfassung wird auch für das interne Benchmarking genützt“, berichtet Horbert von den Vorteilen.

CO2-Werte. Side-Effekt am Rande: Über verringerte Energieverbräuche können CO2-Werte deutlich „mitreduziert“ werden. So wir das Thema Energiemanagement immer mehr zum ganzheitlichen Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement. „Wichtig ist, dass der Handel darüber spricht. Sonst werden Energieaudits eingefordert, die der Handel vielleicht schon längst durchführt.“

Verena Widl