Spar Vorarlberg Chef Gerhard Ritter rüstet sich: Neueröffnungen, Relaunches, Modernisierungen

Spar in Vorarlberg forciert Ländle-Produkte

  • Drei neue Spar Standorte, sechs Neueröffnungen und eine Modernisierung
  • Drei Relaunches im SM 2.0 Format
  • Regionalität im Fokus: 3.000 Ländle-Produkte von 620 Produzenten

Spar baut im Westen ihre Flottenstärke weiter aus. Trotz der Schließung der Spar Express Tankstellen, drückt das Unternehmen aufs Tempo: „Unsere Strategie ist es, alle zwei Jahre einen neuen Markt zu eröffnen“, erklärt Spar Vorarlberg Geschäftsführer Gerhard Ritter, gegenüber REGAL.

Keine Express Tankstellen mehr. 97 Spar-Standorte stehen im fast 400.000-Einwohner-Bundesland, davon werden 52 Märkte von selbstständigen Spar-Kaufleuten geführt. Bis vor Kurzem konnte Spar noch mit einer runden Zahl aufwarten, doch Anfang September fielen drei Shell Tankstellen einem Konkurrenten zu. Allerdings: „Wir konnten zwei komplett neue Standorte dazugewinnen.“ Dornbirn Watzenegg und Fußach sind zur Spar Vorarlberg-Flotte dazugestoßen. „Komplettes Neuland werden wir im Kleinen Walsertal in Riezlern betreten. Dies stellt eine große Herausforderung dar, weil es sich um ein Zollausschlussgebiet mit spezieller Steuerthematik handelt.“

Neueröffnungen. In Frastanz (Eurospar), Wolfurt, Doren, Nüziders, Hard und Lochau werden beziehungsweise wurden an bestehenden Standorten neue Märkte gebaut. Weitere drei Märkte glänzen nach einem Totalrelaunch im neuen Spar-SM 2.0 Format. Noch nicht im neuen Erscheinungsbild, aber modernisiert, ist der Markt in Silbertal. „Im November wird der Spar-Markt in Mellau, der seine Kunden derzeit in einem Ausweichlokal bedient, nach einem Totalrelaunch neu eröffnen.“

Spar 2.0 Konzept. Schon im neuen Spar 2.0 Konzept strahlt einer der drei Märkte des Kaufmanns Bernhard Metzler in Röthis. „Das neue Konzept bietet Bedienung auf den ersten Metern.“ Laut Ritter funktioniert das SM 2.0 Konzept auf kleiner Fläche sehr gut. Und das kann mit Zahlen untermauert werden: Metzler macht 40 Prozent mehr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. „Seit der Übernahme vor drei Jahren hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt.“ Metzler bietet auf 360 m2 fast 6.000 Artikel und zählt sich zu den Vollsortimentern. „Alles, was man auf größerer Fläche findet, habe ich auch hier“, erklärt der Kaufmann.

Kurze Lieferzeit. Beliefert werden die neuen sowie bestehenden Märkte aus dem Zentrallager in Dornbirn sowie aus Wels. Das Lager im Ländle verfügt über fast 4.000 Artikel und legt bis zum weitesten Markt nur einen Weg von 65 Kilometern zurück. Beliefert werden die Spar-Geschäfte nicht nur vom Spar-Lager, sondern auch direkt von heimischen Produzenten. Der Fokus liegt auf lokalen Produkten und regionalen Marken, wie Kartoffeln, Honig, Äpfeln sowie Fleisch. Präsentiert wird die Regional-Range auf dem Ländle-Meter als Zweitplatzierung. Zusätzlich sind viele Vorarlberger Produkte mit einem grünen Etikett beschildert. Mit über 3.000 Ländle-Produkten und 620 Produzenten schöpft Spar Vorarlberg aus einem großen Regional-Pool.

Regionalität. „Regionale Produkte spielen für die Spar eine bedeutende Rolle. Spar ist für die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie in Vorarlberg der mit Abstand größte Abnehmer.“ Unter den Produzenten befinden sich auch kleinbäuerliche Betriebe, die teilweise in Kleinstmengen Spar-, Eurospar- und Interspar-Märkte beliefern.

Frische. Der Haupt-Gemüselieferant, die Familie Gehrer in Höchst, sorgt für Frische-betonte Regionalität unter dem Zeichen der Tanne. „Zwei Mal hatte die Familie Lieferschwierigkeiten, weil die Salatfelder unter Wasser standen und ein Hagelschlag die Ernte ruinierte. Dann mussten wir für kurze Zeit auf einen Lieferanten aus Tirol ausweichen.“ Doch auch das Gegenteil ist oft der Fall. Dieses Jahr freut sich Geschäftsführer Ritter auf eine gute Apfelernte: „Die Apfelernte in Vorarlberg dürfte sich heuer in der Größenordnung von 500 Tonnen bewegen. Wir erwarten, dass wir heuer über einen längeren Zeitraum als in den Vorjahren Vorarlberger Äpfel im Sortiment führen können und erst später auf deutsches Bodenseeobst und steirische Äpfel ausweichen müssen.“

Eurospar. Mathias Winsauer, Eurospar Filialleiter, bietet seinen Kunden im Industriegebiet von Dornbirn regionale und lokale Produkte von heimischen Bauern, setzt aber auch auf einen neuen Trend: Sushi. „Bis vor Kurzem hatten wir die japanische Köstlichkeit in der Convenience-Theke. Nun bereiten wir Sushi eigens im Markt vor und verkaufen es an Ort und Stelle“, erklärt der Eurospar-Filialleiter. Neben einer eigenen Sushi-Bar glänzt der Markt mit einem großen Bistro, einem großen Kuchenangebot und Kaffee.

Mitbewerb. Der Standort des 2.000 m2 großen Eurospar wurde in den neunziger Jahren von der berühmten Migros Familia übernommen. Mit über 25.000 Artikeln im Sortiment fühlt es sich für den Kunden wie ein Interspar an. Seit wenigen Wochen hat Winsauer auch wieder einen Mitbewerb in unmittelbarer Nähe. Der Merkur-Markt auf der anderen Straßenseite feierte Wiedereröffnung. Diskonter Hofer hat vergrößert und runderneuert. Der Filialist beschwert sich aber nicht: „Wir sind trotz Mitbewerb gut aufgestellt.“

Express. Neben Regionalität und Sushi setzt Winsauer auch auf Expresskassen. Über 30 Prozent der Kunden nutzen die vier Expresskassensysteme. „Diese machen 20 Prozent des Umsatzes aus“, erklärt Winsauer. Zudem sind auch noch vier Bedienungskassen offen. „Die umsatzstärksten Tage sind bei uns Freitag und Samstag.“

Aktionen. Von Aktionen ist das Regional-Sortiment noch halbwegs verschont. „Ich würde nicht sagen, dass der Kunde bereit ist, mehr für regionale Produkte zu bezahlen, sondern ein Teil der Kunden ist bereit, mehr für regionale Produkte zu bezahlen.“ Dass der Aktionsanteil generell zu hoch ist, weiß Ritter von seinen Kaufleuten. „Bei Aktionen stimmt die Frequenz und der Umsatz, aber es leidet oft die Spanne. Dennoch freut sich der Kunde über Vergünstigungen.“

Online. Das Unternehmen versucht, mit den günstigen Preisen, Aktionsangeboten, einem tiefen Sortiment aus regionalen und lokalen Produkten, dem Online-Handel entgegenzuwirken. „Online wird natürlich eine Herausforderung für den stationären Handel.“ Doch deshalb mehr Fläche oder längere Öffnungszeiten zu machen, fällt nicht ins Spar-Konzept. „Die derzeitige Regelung mit 72 Stunden scheint uns die perfekte Lösung – umso mehr, als es in Tourismusstandorten zusätzliche Regelungen gibt.“

Anna Lena Wagner