REGAL sprach mit dem neuen Vöslauer-Führungsduo, Mag. Birgit Aichinger (GF Verkauf/Marketing/Finanzen) und DI Herbert Schlossnikl (GF Produktion/Technik) über die neusten Pläne

Vöslauer neu: Innovationen, Nachhaltigkeit & Markenkraft

  • Nachhaltigkeit, Innovation im strategischen Fokus
  • Exportquote erhöht sich heuer auf 15%

Seit Juli 2018 agieren Birgit Aichinger und Herbert Schlossnikl bei Vöslauer als dynamisches Führungsduo. Dr. Alfred Hudler, der 20 Jahre das Unternehmen erfolgreich leitete und Vöslauer zur Nr. 1 am Wassermarkt hochpushte, wechselte in den Aufsichtsrat der Ottakringer AG. Aichinger, seit 18 Jahren im Unternehmen, baut Marke und Innovation weiter aus, Schlossnikl ist Nachhaltigkeitsbeauftragter. Beide fahren eine große Nachhaltigkeitsoffensive. Bis 2025 sollen alle PET-Flaschen zu 100 Prozent aus Recycling-Material bestehen.

Regal: Frau Aichinger, der Hitze-Sommer hat Vöslauer kräftig geholfen?
Aichinger: Der Sommer war für uns kein Rekordsommer. Er war ähnlich wie in den Vorjahren. Mai und August waren super. Juni, Juli waren eher flau. Wir sind stolz darauf, dass wir die Spitzen erfolgreich bewältigen konnten. Denn der Handel bestellt immer kurzfristiger.

2017 erzielte ­Vöslauer 99,4 Millionen Euro ­Umsatz. Die 100 Millionen sind in Griffweite.
Aichinger: Das Ziel ist es, die 100 Millionen-Euro-Grenze heuer zu überspringen.

Was sind die aktuellen Konsumententrends und wie reagiert Vöslauer darauf?
Aichinger: Wir fragen uns stets: Was sind die Konsumgewohnheiten? Was will der Konsument. Der ein Mal pro Woche geplante Einkauf ist passé. Ein großes Thema für den Konsumenten ist heute die Nachhaltigkeit. Wir legen daher neben Innovationen einen strategischen Fokus auch auf dieses Thema. Wir werden das auch dem Konsumenten gegenüber kommunizieren, beispielsweise weisen grüne Aufkleber auf den recycelten PET-Anteil hin.
Schlossnikl: Bis 2025 sollen alle PET-Flaschen zu 100% aus Recycling-Material bestehen. Derzeit sind es 70%. Bei Vöslauer Ohne ist es unser Ziel, schon heuer auf 100% zu kommen. Wir wollen das Thema voll ausschöpfen. Das betrifft nicht nur Kunststoff, sondern auch Folien, Etiketten. Hier sind besonders unsere Lieferanten gefordert. Hier liegt noch Potenzial.

Wie laufen die In­novationen?
Aichinger: Die Verpackungsinnovation Split Box verzeichnete 2017 auflaufend 2018 ein Plus von 20%. Hier sehe ich noch Potenzial auf der Kleinfläche.

Warum sollte der Handel auf der Kleinfläche das Produkt nehmen?
Aichinger: Zum einen hat der Handel dadurch besonders treue Konsumenten und zum anderen kann er sich klar gegenüber dem Diskont differenzieren. Wir bieten die Split Box dem klassischen LEH exklusiv an. Zudem ist der Split Box-Käufer kein Aktionskäufer. Der ritualisierte Einkauf wirkt besser als jedes Aktionstaferl. Vöslauer hat generell eine sehr hohe Markenloyalität.

Bekommen die Innovationen und Produkte im Handel genügend Platz?
Aichinger: Bei uns liegt die Latte der Mengenerwartungen im Vergleich beispielsweise zu Urban Drinks oder Smoothies hoch. Als wir die Bittergetränke brachten, war das im Vergleich zu unseren sonstigen Mengen wenig, aber Urban Drinks brachten nur einen Bruchteil der Menge. Hier muss man das schon in der richtigen Relation sehen.

Immer wieder kritisiert der Handel die Sortenflut.
Aichinger: Wir haben derzeit 13 Sorten im LEH. Wir setzen auf Optimierung und Sortenabtausch.

Welche Rolle spielt Online in der Werbestrategie von Vöslauer?
Aichinger: Der größte Posten ist Online plus Social Media, knapp vor Plakat, an dritter Stelle TV.

Welche Rolle spielt Glas?
Aichinger: Bei Glas haben wir einen Anteil von 12%. Glas und Pfand verzeichnen ein gutes Wachstum. Das Hauptgeschäft machen wir aber mit PET. Hier bieten wir im Sinne der Nachhaltigkeit ein vielfältiges Lösungsspektrum an. Rennerprodukte sind die 1,5 Liter PET-Flasche und die 0,5-Liter PET Flasche.

Wie wirkt sich der Anti-Zucker-Trend aus?
Aichinger: Wir profitieren als Branche davon. Wir verzeichnen mit den Flavours ein schönes Plus. Am Near Water Markt haben wir insgesamt einen Marktanteil von 30%. Bei den 0 kcal-Produkten sind wir Marktführer. Der Near Water-Markt hat sich nach zuletzt sinkenden Tendenzen wieder stabilisiert.

Der Aufwand hinter den Innovationen ist groß?
Schlossnikl: Ja. Der Entwicklungsaufwand wird immer größer. Design und Lifestyle spielen eine große Rolle. An der Split Box haben wir immerhin zwei Jahre entwickelt. Als Familien-AG müssen wir Gott sei Dank nicht in Quartalszahlen denken.

Der Export läuft erfolgreich. Wo geht’s hin?
Aichinger: Ziel war bis 2020 15% Exportquote. Die Marke werden wir schon heuer erreichen. Fokusländer bleiben Deutschland und Ungarn. Beide laufen gut. In Deutschland haben wir Listungen bei Edeka, Rewe, dm. Für Deutschland haben wir sogar eine eigene 0,5 -Liter PET Flasche entwickelt.

Gibt es größere Investitionen am Standort Bad Vöslau?
Schlossnikl: Kapazitätsmäßig sind wir gut aufgestellt. 2019/2020 geht unser neues Bürogebäude für 40 Mitarbeiter direkt neben dem Thermalbad in Betrieb.

Danke für das Gespräch.
Robert Falkinger