Rechberger-Krammer: „40 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Produkten, die es vor drei Jahren noch nicht am Markt gegeben hat.“

REGAL im Gespräch mit Mag. Birgit Rechberger-Krammer, Präsidentin von Henkel in Österreich

Was tut sich bei Henkel?

  • Trend zu Convenience, Nachhaltigkeit
  • Neue Öko Subrange: „Pro Nature“
  • Neuer Öko Clin-Glasreiniger aus Wien-Produktion für ganz Europa

Regal: Wie war die Entwicklung 2018?
Rechberger-Krammer: Wir hatten 2018 ein solides Jahr. Wir konnten sowohl bei Waschmittel als auch in der Kosmetik Marktanteile ausbauen. Die generelle Marktentwicklung ist allerdings nicht sehr prickelnd. Wir sehen, dass der Supermarkt mit dem Diskont kämpft. Das führt zum Beispiel bei Waschmittelgroßpackungen zu einem Preisverfall.

Welche Marken waren die Wachstumsbringer?
Produkte mit value for money geraten vermehrt unter Druck. Die Bereiche, wo Innovationen passieren, verzeichnen hingegen ein stärkeres Wachstum. Bei Waschmittel sind das zum Beispiel unsere Persil Duo Caps. In der Kosmetik wachsen Premiumangebote wie Barnängen oder Nature Box, die alle einen besonderen Sondernutzen mitbringen.

Wie laufen aktuell die Persil Duo Caps?
Bei Persil sehen wir einen Trend Richtung Caps. Hier fahren wir ein starkes Forcierungsprogramm und bringen heuer noch große Innovationen. Die Caps entwickeln sich positiv. Allerdings ist generell das Segment der Caps im Verhältnis zu anderen Ländern in Österreich immer noch unterentwickelt. Der österreichische Konsument zeigt sich noch sehr loyal hinsichtlich Flüssigwaschmittel.

Drexel sagt gegenüber REGAL: „Die Industrie denkt bei neuen Artikeln mehr an die Maschinenauslastung und Börsennachrichten. Echte Innovationen entstehen aber erst, wenn man auf die Bedürfnisse der Menschen hört. Diese Fähigkeit haben große Konzerne oft verlernt.“ Hat Henkel dies verlernt? Denkt man nur an Maschinenauslastung und AG Zahlen?
Natürlich hat Henkel als börsennotiertes Unternehmen den Börsenkurs im Fokus. Aber Henkel ist weiterhin ein Familienbetrieb mit einer über 142-jährigen Geschichte. 60 Prozent der Aktien liegen im Familienbesitz. Das Familienunternehmen Henkel ist damit stärker als andere Unternehmen auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit ausgerichtet.

Und die Kritik an Innovationen?
40 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Produkten, die es vor drei Jahren noch nicht am Markt gegeben hat. Wir stecken fast eine halbe Milliarde Euro jährlich in Forschung & Entwicklung und wir betreiben sehr viel Marktforschung. Schwierig ist: Kein Konsument hat beispielsweise nach einer wasserlöslichen Folie bei Geschirrspülmittel nachgefragt, trotzdem haben wir sie mit Somat gebracht, weil wir glauben, dass das wichtig ist. Natürlich muss man auf die von Ihnen zitierte Maschinenauslastung schauen. Wir können nicht unzählige Formate auf einer Linie produzieren, weil sonst die Umrüstzeiten extrem aufwendig sind. Unser Werk in Wien gibt es, weil wir die Anlagen durch 85 Prozent Export auslasten können. Wir sind innovativ, auch wenn das vielleicht der Handel von außen auf den ersten Blick nicht sieht. Natürlich ist es auch eine Innovation, wenn wir beispielsweise bei Weichspüler eine neue Parfumtechnologie ohne Lilial entwickeln. Oder: Wir haben jetzt 50 Prozent Recyclat in den Weichspülerflaschen, Das kostet auch Geld. Aufgrund der eingangs erwähnten Preisproblematik bekommen wir das vom Markt kaum zurück­gespielt.

Sehen Sie hier für heuer eine Entspannung bei den Preisen?
Ich hoffe, dass der Handel heuer sein Image nicht nur über den Preis aufbaut.

Wo liegen die großen Trendthemen?
Ein großer Trend ist Convenience, egal ob Waschmittel mit den Persil Duo Caps, bei Beauty Care mit Syoss Trockenshampoos oder bei Klebstoffen mit dem Loctite Pen Stick.
Zweitens bleibt Nachhaltigkeit als bestimmender Trend. Bei den Duo Caps haben wir beispielsweise mit Greiner eine Verpackung mit 40 Prozent weniger Plastik entwickelt und waren damit für den Verpackungsstaatspreis nominiert.
Drittens sucht der Konsument nach Abwechslung, dem wir mit unseren Limited Editions, beispielsweise bei WC-Steinen oder Duschgels, erfolgreich Rechnung tragen. Wichtig bei Limited Editions sind am POS Zweitplatzierungen.

Auf welchen Marken entfallen heuer die Schwerpunkte?
Bei Waschmittel auf jeden Fall Persil, da wird es dieses Jahr eine große Innovation geben. Somat steht ebenfalls im Fokus. Bei Kosmetik sind das weiterhin Schwarzkopf Colorationen, Nature Box, Barnängen und Fa. Mit unserer neuen Subrange „Pro Nature“ versuchen wir bei Waschmittel auch die umweltaffinen Konsumenten abzuholen. Wir bieten, aus der Leistungsecke kommend, wofür wir ja stehen, grüne Line Extensions unserer starken Marken an. Bei Pril haben wir das schon umgesetzt, Clin folgt im April. Wir werden übrigens den Öko Clin-Glasreiniger in Wien für ganz Europa produzieren. Vor kurzem war ich in Prag, wo am POS der Handel eigene Grün-Regale umgesetzt hat. Das könnte auch für österreichische Verbrauchermärkte ein interessanter Ansatz sein.

Wie glaubwürdig ist Henkel bei Öko?
Wir haben in Österreich mit dem Blauen Engel ein zertifiziertes Siegel.

Es herrscht Anti-Plastik-Stimmung: Was tut hier Henkel? Wo ist hier noch Potenzial?
Wir haben aber für unsere Verpackungen eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie formuliert: von der Verwendung von bestimmten Materialien bis zum intelligenten Design. Bei den Fa Deo-Dosen setzen wir 25 Prozent rezykliertes Aluminium ein. Bei Silan kommen wir schon auf 50 Prozent Recyklat-Anteil, beim Rohstoff Papier liegt dieser Anteil bei 80 Prozent.

Größere Investitionen in den Standort Wien?
Für den Wiener Standort habe ich mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit zwei große Innovations-Themen definiert. Pro Jahr fließen bis zu zehn Millionen Euro in den Standort. Für die neue Trigger-Anlage für den Öko Clin Fensterreiniger investieren wir rund vier Millionen Euro. Daneben haben wir gerade um eine Million Euro die Henkel Schwarzkopf Akademie umgebaut und um eine Million Euro unser Verwaltungsgebäude saniert.

Wie sieht es mit den Online-Umsätzen aus?
Österreich ist ganz im Gegensatz zu einigen osteuropäischen Ländern kein federführendes Land, was die Online-Absätze betrifft. Die Ukraine, Tschechien, Rumänen sind hier viel weiter. Die Gründe: Wir haben eine hohe Dichte an stationären Geschäften und der Österreicher ist in seinem Kaufverhalten sehr traditionell. Zudem haben wir keine lokalen Online Pure Player. In Tschechien gibt es derer vier Player.

Danke für das Gespräch.

Robert Falkinger