Martina Leukermoser, Adeg-Kauffrau aus Wallsee-Sindelburg

Adeg Leukermoser in Niederösterreich macht 43 Prozent mit der Frische

Adeg-Kauffrau Leukermoser lebt ihren Traum

Ein Supermarkt mit kuscheligen 250 m2 Verkaufsfläche. Ideen für spannende Sortimente, Kundenbindung und kreative Platzierungen gehen Adeg-Kauffrau Martina Leukermoser in Wallsee-Sindelburg nicht aus.

Wallsee-Sindelburg, Bezirk Amstetten. Kurz vor der Grenze zu Oberösterreich. Hier am Hauptplatz hat sich Martina Leukermoser ihren Traum erfüllt. Das Adeg-Geschäft hat eine lange Geschichte. Bereits 1900 wurde es für den Handel mit Waren genutzt, 1964 wandelte es Leukermosers Mutter in einen Adeg um. Seit 1992 hat die 49-Jährige das Ruder in Händen. Leukermoser und ihre sechs Mitarbeiter schupfen den Laden. „Mein Mann hilft mir sehr viel im Hintergrund.“ Ihr selbst gehört die Bühne im Geschäft, wie sie es nennt. „Ich bin am liebsten auf der Fläche, bei den Kunden und Mitarbeitern.“

250 m2 Verkaufsfläche. Konkret sind es kuschelige 250 m2 Verkaufsfläche. Platz, der nicht gleich auf den ersten Blick sichtbar ist. „Wir haben keinen viereckigen Kasten.“ Der Charme liegt in den Ecken und Winkeln mit Non Food-Sortimenten, die weit weg von 0815-Listungen sind. Eine kleine feine Schmuckauswahl gehört hier ebenso dazu wie eine verhältnismäßig breite Baby- oder Schulartikelrange. Insgesamt sind es 6.200 verschiedene Artikel. „Wir verstehen uns als Supermarkt auf kleinstem Raum und nicht als Nahversorger. Wir haben ein größeres Flugblatt und Supermarkt-Preise.“ Das Sortiment im Adeg-Markt reicht vom Gesundheitsmeter bis hin zu Bio-Produkten. „Es hat uns überrascht, dass Bio und gesunde Ernährung auch am Land so ein großes Thema sind.“

Regional. Das Schlichten wird aufgrund der kleinen Fläche oft zum Kunstgriff. Jeden Tag werden rund acht Container geliefert. Und mindestens zehn regionale Lieferanten bringen ihre Ware aus dem Umkreis von 25 Kilometern. Dazu gehört auch Milch in der Pfandflasche. Die Rücknahme wird händisch erledigt. „Für einen Automaten fehlt uns der Platz“, lacht Leukermoser. Ein weiteres, zeitintensives Zusatz-Angebot im Geschäft: Postpartnerschaft. Bereits seit 2002 ist die Niederösterreicherin an Bord und seit Mai auch im Postpartner-Beirat.

Umsatz. Mit ganzen Umsatzzahlen hält sich die Kauffrau zurück. „Aber so viel: Wir konnten den Umsatz seit 2011 um 52 Prozent steigern. Und seit 2016 war es ein Plus von 12,6 Prozent.“ Die Frische macht 43 Prozent des Umsatz-Kuchesn aus.

Kundenkarte positiv. 2.350 Kunden kommen pro Woche. Der Stammkunden-Anteil ist hoch. Die Generationen-Vielfalt im Ort ist gegeben. Dennoch wichtig ist Laufkundschaft, oft in Form von Radtouristen. Ein wichtiger Faktor sei das Zusammenspiel mit Vereinen. „Nicht wegen der Gewinne, aber wegen der Kundenbindung.“ Über die neue Kundenkarte findet die Kauffrau nur positive Worte. „Jö ist eine gute Chance für uns und wird sehr gut angenommen. Wir müssen über den Tellerrand schauen.“

Der letzte große Umbau fand 2015 statt. Schweren Herzens entschied Leukermoser damals, sich von der Textilabteilung zugunsten von Lebensmitteln zu trennen. Seither läuft übrigens im Hintergrund der Rewe-Sender Jö Live. „Wir waren am Anfang skeptisch über die Beschallung, sind aber mittlerweile glücklich damit.“ Ähnlich lief es mit Gebäck zum Aufbacken von Haubi’s. „Es ist biologisch, kostengünstig und verströmt einen herrlichen Duft.“ Zusätzlich liefern zwei Bäcker aus der Umgebung.

Aktionen und Eigenmarken. Bereits bekannt in der Region sind die großen Bier-Aktionen, wo bis zu 80 Paletten verkauft werden. Den Aktionsanteil beziffert Leukermoser mit 21,18 Prozent. „Wobei das stark variiert nach Warengruppen.“ Bei Getränken sind es gewichtige 53 Prozent, bei Wurst nur 9,33 Prozent. Der Eigenmarken-Anteil liegt bei 16,75 Prozent. „Wobei wir mit Ja! Natürlich wirklich eine super Entwicklung haben.“

Aktiv. Ähnlich wie Leukermoser selbst, ist auch die kleine Gemeinde sehr aktiv. Ein Römermuseum und mehrere Gasthäuser gehören hier ebenso dazu wie der Zuzug von gehörlosen Menschen mit Behinderung. „Meine Mitarbeiter und ich haben extra einen Gebärdensprache-Kurs gemacht, so können wir beim Einkauf besser mit ihnen kommunizieren“, sagt die Unternehmerin, die auch im Gemeinderat sitzt.

Elektronische Medien und Nachhaltigkeit. Beim Bestellen setzt die Kauffrau auf elektronische Medien. „Ich habe kein Bestellbuch mehr in der Hand.“ Ähnlich ist es auch mit den Mitarbeitern. Sie sind mit Tablets ausgestattet, kommuniziert wird über Whatsapp. Auch elektronischen Preisschildern gegenüber ist Leukermoser nicht abgeneigt. Ebenfalls im Fokus: Nachhaltigkeit. Seit Ende Oktober ist der Markt Plastiksackerl-frei. „Und wir arbeiten derzeit daran, dass Kunden ihr Geschirr selbst mitnehmen können.“

Verena Widl