Wiesbauer-Vorstandsvorsitzender Thomas Schmiedbauer

Fleisch: GF Schmiedbauer über aktuelle Herausforderungen

  • Wiener Traditionsbetrieb will ein Jahr lang seine Top-Seller pushen
  • Umsatz klettert heuer über die 189-Millionen-Euro-Marke

Wiesbauer hält seine Durchschlagskraft. Der Traditionsbetrieb kämpft sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter durch. 189 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete die Gruppe im abgelaufenen Jahr. Heuer will Geschäftsführer Thomas Schmiedbauer trotz des steifen Gegenwindes noch eine Schippe drauflegen. „Wir verzeichnen aktuell eine leicht positive Entwicklung“, so der Firmen-Chef beim REGAL-Exklusiv-Besuch.

Eckpfeiler: Geschmack, Qualität und Bekanntheit. Dabei baut Schmiedbauer konsequent auf die Eckpfeiler Geschmack, Qualität und Bekanntheit. „Wir haben uns dazu entschlossen für unsere stärksten Artikel wie Bergsteiger, Polnische und Kalbspariser eine große Werbeoffensive zu starten. Ein Jahr lang werden wir mit unseren Marken in über 3.500 Spots zu sehen sein.“ Dabei rechnet das Paradeunternehmen mit rund 35 Millionen Kontakten.
Dabei stößt Schmiedbauer auch produktseitig nach. Die Top-Speerspitze Bergsteiger macht weiter rund ein Drittel des Wiesbauer-Gesamtvolumens aus und kommt auf eine Bekanntheit von 80 Prozent. „Hier stellen wir mit dem Snack-Artikel Bergsteiger Junior eine Neuheit dazu. Geschmack wie das Ur-Produkt gepaart mit einer entsorgungsfreundlichen Folie.“ Dazu wird das gesamte Bergsteiger-Sortiment in grün-gelb- karierter Folie getaucht. „Das soll für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.“

Weitere Zugkraft haben. Wiesbauer Gourmet und auch die Landmetzgerei Senninger, die heuer bereits die Zehn-Millionen-Marke übertrumpfen soll. Vorzugsschüler ist aber das auf die Gastro-Schiene abzielende Unternehmen aus Sitzenberg-Reidling (NÖ), das heuer einen Sprung von 65 auf rund 70 Millionen Euro machen wird.
„Die Sous Vide-Rang performt weiter bärenstark und auch der Tourismus-Boom in Österreich hilft uns.“ 2.500 Restaurants werden mittlerweile von Wiesbauer beliefert. Die Sous-Vide-Linie läuft auf Hochtouren. „Wir knabbern allmählich an der Zehn-Millionen-Euro-Marke.“
Der Traditionsbetrieb hat sich einen Technologie-Vorsprung erarbeitet und setzt nach. „Wir werden aktuell mit zwei hochwertigen Schinken-Varianten in Sous- Vide-Qualität starten. Das verarbeitete Fleisch hat dabei einen komplett anderen Charakter, ist preislich höher positioniert.“ Merkur und Spar Gourmet nehmen die Artikel bereits auf.
Zuletzt waren auch Spare Ribs und Pulled Pork und Beef Ribs ein Renner gewesen. „Grundsätzlich sind das aber alles keine Massenartikel, sondern eine echte Spezialität.“ Das gleiche gilt für das Flinke Gansl. Dabei bespielt Wiesbauer den gesamten Handel. „Sous Vide ist in Deutschland sehr gut nachgefragt, doch wir haben auch die eine oder andere erfolgreiche In/Out-Aktion im Diskont durchgeführt.“
Insgesamt beträgt der Exportanteil mittlerweile rund 50 Prozent. „Wobei der Hauptteil in Deutschland lukriert wird.“ Neben dem Auslandgeschäft wird auch das eigene Filialnetz ein immer wichtigerer Erfolgsbaustein. Zehn Eigen-Geschäfte hat Wiesbauer aktuell am Netz. „Wir machen in diesem Bereich rund zehn Millionen Euro Umsatz.“ Eine große Expansion ist dennoch nicht zu erwarten. „Wir bleiben hellwach. Wenn es interessante Flächen gibt, werden wir aber zuschlagen“, so Schmied­bauer.
Ausbaupläne am Standort Wien Inzersdorf gibt es nicht. „Wir haben einen 15-Millionen-Zubau in der Schublade, doch die aktuellen Rahmenbedingungen lassen eine dementsprechende Realisierung nicht zu. Das Risiko ist zu hoch.“