GF Lorenz Wedl und Präsident KR Leopold Wedl

Ein Schub von 4 Prozent

Tirol: Offensive bei Wedl

  • Neues TK-Lager in der Planung
  • Umbau bei C&C-Markt Villach
  • Gastro-Konzept für Kaufleute

342,4 Millionen Euro erwirtschaftete das Großhandels Wedl alleine im Gastro-Bereich im Jahr 2018. Ein Schub um vier Prozent. Ein wuchtiges Ausrufezeichen, und dennoch: Die Tiroler werden diese Rekordmarke heuer neuerlich überspringen. „Wir sind akkumuliert rund zwei Prozent vorne“, erklärt Geschäftsführer Lorenz Wedl im REGAL-Gespräch.

Schwieriger Start zu Beginn des Jahres. Und das trotz schwieriger Rahmenbedingungen. „Wir waren Anfang des Jahres – im Jänner und im Februar – aufgrund der großen Schneefälle mit mäßigen Tourismuszahlen ­konfrontiert.“ Die Folge: Eine Umsatzdelle, die im Sommer und im Herbst ausgeklopft und ins Positive gedreht werden konnte. Dabei geht Wedl von einem noch stärkeren Abschluss des Jahres aus: „Wir haben 2018 ein mäßiges letztes Quartal abgeliefert und gehen davon aus, diese Hürde heuer leichter nehmen zu können.“

Kaffee-Bereich entwickelt sich stark. Auch der Mutterkonzern (2018: 517,5 Millionen Euro) bleibt auf Wachstumskurs. „Der Kaffeebereich hat sich durch das Exportgeschäft weiterentwickelt. Besonders Länder wie Griechenland, Russland und China treiben die Umsätze nach oben.“

Kapazitätserweiterung. Neue Weichenstellungen gibt es in der Logistik und hier insbesondere im Tiefkühl-Bereich. Hintergrund: Ein wahrer Boom in diesem Segment. „Wir platzen im TK-Lager mittlerweile aus allen Nähten“, so Wedl. Dementsprechend sondiert die Geschäftsführung des Milser Lebensmittelgroßhandelsbetriebs Pläne für eine Kapazitätserweiterung in den kommenden beiden Jahren. „Eine Option ist das Zentrallager in Mils zu erweitern, eine andere im Salzburger Raum neu zu bauen.“ Die finale Entscheidung soll mit Ende des Jahres 2019 fallen

O&G und TK. Die gute Entwicklung bei O&G und TK hat auch für die C&C-Flotte Folgen. „Wir werden diesen Sortimentsteilen zukünftig in den Abholmärkten mehr Platz einräumen“, kündigt Wedl an. Vorbild ist dabei Innsbruck. Die nächste Realisierung erfolgt aktuell in Villach. „Hier werden wir auch wieder den bewährten Glas-Kobel für den Bereich O&G im Markt installieren und auch neue Regalierungen sowie Kühlmöbel einsetzen, um unsere Kompetenz bestmöglich zu unterstreichen.“

Sortiment. Darüber hinaus will Wedl überhaupt weiter an der Schlagkräftigkeit seines Sortiments schrauben. Derzeit umfasst der Ordersatz der Tiroler 30.000 Artikel. Eine Anzahl, die sukzessive verringert werden soll. „Ich bin der Meinung, dass 20.000 richtige Produkte auch reichen werden.“ Dabei will Wedl vor allem den Wildwuchs in verschiedenen Produktgruppen eindämmen. „50 verschiedene Olivenöl-Sorten wird es künftig nicht mehr geben.“

Neulistungen. Damit will der Geschäftsführer einerseits Raum für Neulistungen schaffen, andererseits Bürokratie abbauen sowie die Lagerflächen optimieren. Durch die Straffung und Bündelung des Sortiments soll zudem die Position des Handelshauses gegenüber den verbliebenen Industriepartnern gestärkt werden.

Paletten. Zukunfts- Sortimente gibt es: „Wir sehen ein nachhaltiges Wachstum bei Bio, Regionalität aber auch bei italienischen Spezialitäten.“ Paletten, die künftig breiter dargestellt werden: „Wir haben derzeit bereits 2.000 Bio-Produkte eingelistet und orten noch weiteres Potenzial.“ Dazu kommen zwischen 9.000 und 10.000 rot-weiß-rote Artikel. „Viele Kunden sehen bereits die österreichische Herkunft als regional, für andere haben wir bereits ein Netz an lokalen Fleisch- und Molkereiprodukte-Lieferanten aufgestellt.“

Neue Auslieferungshalle. Auch der Italo-Rückenwind ist weiter spürbar. Dementsprechend investieren die Milser auch in eine neue Lagerdrehscheibe von Woerndle, ein Unternehmen, an dem Wedl zu 50 Prozent beteiligt ist. „Mit dieser Firma haben wir großes Potenzial und den Zugriff auf rund 15.000 unterschiedliche Artikel.“ Derzeit zieht Wedl zusammen mit Woerndle eine neue 20.000 m2 große Auslieferungshalle in Brescia (Italien) hoch, um den Erfolgslauf der letzten Monate prolongieren zu können.

Investitionen. Doch auch in Mils wird kräftig investiert. „Wir haben erst vor kurzem eine neue Dispo-Software in den Roll-out geschickt, die uns hilft Bürokratie einzudämmen und sich auch positiv auf Abschriften und Warenverfügbarkeiten auswirken soll.“ Auf der Agenda standen zudem ein weiterer Austausch auf LED und ein Invest in den Web-Shop. Auch das Telefonverkaufs-App ist kurz vor Einführung genauso wie verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit. „Das betrifft auf der einen Seite die Kühlanlagen, auf der anderen Seite die Reduzierung von Plastikmüll.“ 2020 sollen zudem weitere Märkte mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. „Dieser Schritt hat sich in der Zentrale bewährt.“

Neue Projekte. Zurückhaltend gibt sich Wedl hinsichtlich der Frage nach weiteren Expansionsschritten. „Spruchreife Projekte gibt es noch nicht.“ Dennoch sieht der Geschäftsführer weiße Flecken insbesondere im Osten Österreichs. „Bevor wir einen Standort realisieren, braucht es aber einen entsprechenden Kunden-Stock, eine Stammklientel, in diesen Regionen.“ Daran werde gearbeitet. Zudem geht Wedl künftig von neu adaptierten, Neo- Standorten aus. „Wir werden uns künftig im Abhol-Bereich auf unsere fünf Genusswelten konzentrieren. Dort, wo wir ein Einkaufserlebnis kreieren können und es Beratungskompetenz braucht. Wir werden kompaktere Wedl Abhol-Märkte sehen.“ Weiterer Hintergrund: Die Zustell-Quoten steigen weiter. „Wir liegen schon bei knapp über 70 Prozent.“ Auch das ist eine zusätzliche Herausforderung für die Logistik. „Wir haben ein Problem mit den LKW-Fahrern und setzen jetzt auch auf wendige Sprinter, die auch mit B-Führerschein zu lenken sind, um hier gegen lenken zu können.“

Kaufleute. Ein wichtiges Standbein bleiben weiter Nah&Frisch-Kaufleute. 46 Lieferstellen waren mit Jahresende 2018 am Netz, 46 Standorte sind es auch weiter aktuell. „Wir entwickeln uns weiter stabil, doch ist Nah& Frisch kein einfaches Geschäftsfeld.“ Zukunftschancen hätten vor allem Multi-Service-Hubs. Dabei geht es darum, neben Lebensmittel auch zusätzliche Dienstleistungen anzubieten. „Und das meistens in bevölkerungsarmen Gebieten.“ Darüber hinaus zimmern die Tiroler an neuen Gastro-Segmenten für die Kaufleute. „Wir werden versuchen diese neuen Konzepte bei Um- und Neubauten zu realisieren.“ Insgesamt werden rund zehn Prozent der Kaufleute jährlich auf den neuesten Stand gebracht.

Herbert Schneeweiß