Rewe-Vorstand Marcel Haraszti, Interio-Chefin Janet Kath, OMV-Tankstellenvorstand Klaus-Jürgen Schneider und Bawag-Finanzchef Enver Sirucic

2019 wird ein Jahr der Expansion. Rewe sucht zudem Synergien innerhalb des Konzerns: Einkauf, Kundenkarte, Online-Shop, Werbeagentur

Rewe: Billa und Merkur bauen aus

  • Rewe will rund 350 Mille in Flotte investieren
  • 120 Millionen Euro für Billa
  • Zwölf Projekte bei Merkur
  • Neue Jö-Karte soll einschlagen

Die Rewe will weiter kräftig in ihre Flotte investieren. 2018 pumpten die Wiener Neudorfer insgesamt 350 Millionen Euro in die Flotte. Auch für 2019 kündigt Rewe-Vorstand Marcel Haraszti ein ähnliches Tempo an. „Wir werden stabil weiter investieren.“ Denn: „Wir haben noch Riesen-Potenzial und werden einige Umbauten, Vergrößerungen und neue Flächen vom Stapel lassen.“

Billa. Alleine für das Supermarkt-Format Billa werden 120 Millionen Euro bereitgestellt. Insgesamt stehen 30 neue Märkte auf der To-do-Liste. Mit auf der Agenda: Acht neue Billa-Jumbos mit einer Verkaufsfläche von 1.000 m2 und mehr. Dazu wird die Modernisierung vorangetrieben. So werden etwa 25 Filialen deutlich (um 250 m2) vergrößert.

Merkur. Ausgebaut wird auch die Merkur-Armada. 135 Standorte zählt die Verbrauchermarktkette aktuell. 2019 stehen vier Neueröffnungen sowie acht Umbau-Projekte auf dem Plan. Die Highlights: In Wels geht der grüne Rewe-Riese im neuen Welas Park (vormals Weiß) an den Start. Fix ist auch ein Kombi-Standort in Götzendorf mit 1.500 m2 Merkur Markt plus Bipa. Außerdem hat die grüne Rewe-Tochter Eröffnungen in Mattersburg und Korneuburg eingetaktet, wie REGAL erfuhr. Anvisierte Umbauten sind Neunkirchen (Niederöster­reich), Leopoldsdorf (Niederösterreich), Wien Donaufelder Straße bis hin zu Mürzzuschlag (Steiermark), Ansfelden (Oberösterreich) und Amstetten (Niederösterreich).

Penny. Auch Penny hält heuer seinen Expansionsschub. „Wir werden 2019 rund 25 Millionen Euro in neue Standorte investieren“, erklärte zuletzt Rewe-Vorstand Michael Jäger im REGAL-Gespräch. In den nächsten Jahren soll die Flotte um sechs bis acht Standorte erweitert werden. „Das betrifft ganz Öster­reich außer die Bundesländer Tirol und Vorarlberg, die keine Expansionsgebiete für uns sind.“

Der neue Weg. Grundsätzlich will Haraszti mehr Synergien innerhalb des Konzerns heben. Gegenüber den „Trend“ legt sich der Rewe-Vorstand fest: „Interne Konkurrenz kann beflügeln, aber ab dem Moment, wo sie dazu führt, dass sich Billa und Merkur gegenseitig kannibalisieren, ist es nicht mehr gesund. Wir haben schon den Wareneinkauf zusammengelegt. Da sind wir von einer sehr dezentralen, silohaften Organisation zu einer neuen Struktur gekommen. Auch in den Bereichen Recruiting und Callcenter.“ Dazu wurde eine gemeinsame Geschäftsleitung installiert. „Das ist schon seit einem Jahr so, dass die Vorstände aller Marken dieser angehören“, so Haraszti im REGAL-Gespräch. Außerdem wurde kürzlich der Online-Shop von Billa und Merkur zusammengelegt.

Paukenschlag: Jö. Dazu passt auch die Einführung der Billa- und Merkur-Kundenkarte. „Wir werden ab 1. Mai mit einem gemeinsamen Kundenclub – dem jö Bonus Club, einem Multi-Partner-Programm – starten und damit zur Reduktion der Karten-Flut beitragen“, so Haraszti.

Interio, OMV, Bawag sowie Libro und Pagro sind ebenfalls mit an Bord. Punkte können Rewe-intern bei Billa, Merkur, Penny, Bipa und Adeg gesammelt werden. „Wir freuen uns, dass einige unserer Kaufleute ebenfalls gleich von Anfang an mit dabei sind. Die technische Möglichkeit besteht für jeden, doch jeder einzelne kann selbst entscheiden, ob er am Programm teilnimmt oder nicht,“ so Haraszti im REGAL-Gespräch.

Potenziale. Vier Millionen Rewe-Kunden sind insgesamt im System. Das zusätzliche Gesamt-Potenzial aller anderen teilnehmenden Unternehmen liegt bei 2,5 Millionen Karten-Besitzern. „Die meisten werden nach einer großzügigen Umstiegsfrist auf die neue Karte umswitchen“, so Unser Ö Bonus Club GmbH Geschäftsführerin Ulrike Kittinger. Dabei ist die neu gegründete Unser Ö Bonus Club GmbH eine Tochter der Rewe Dienstleistungs GmbH. „Wir agieren aber vollständig eigenständig. Ein Fixpunkt: Alle Partner können nur jeweils ihre Kundendaten einsehen und verwalten“, so Kittinger. Außer der Rewe haben die am Multi-Partner-Programm teilnehmenden Unternehmen keine gesellschaftsrechtliche Beteiligung an der Rewe-Tochter.
Dass sich die Wiener Neudorfer für ein eigenes System entschieden haben, liegt für Haraszti auf der Hand: „Wir wollten eine österreichische Lösung, eine österreichische Karte mit österreichischen Partnern haben.“ Payback sei deshalb nicht in Frage gekommen. Ob auch die Beitragszahlungen für das Payback-Programm eine Rolle gespielt haben, lässt der Rewe-Vorstand offen. Über das rückwärtige Verrechnungssystem von „Jö“ wurden keine Angaben gemacht und Stillschweigen vereinbart.

Gregor Schuhmayer,
Herbert Schneeweiß